Wolles Hundehotel

Wolles Hundehotel
Preis: 7,99 €
Autor:
Genres: Kinder & Jugend, Krimi & Thriller
Webseite: https://rondarasmus.wordpress.com
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783743191167
Mischlingshund Wolle führt seit fünf Jahren ein Hundehotel direkt am Strand von Wangerooge. Seine Angestellten sind wie eine Familie für ihn. Doch die Idylle wird eines Tages jäh zerstört, durch das Auffinden eines Kothaufens vor dem Frühstücksbuffet. Wer steckt dahinter? Weitere gemeine Anschläge folgen. Wolles Lebenstraum und der gute Ruf seines Hauses stehen auf dem Spiel. Wird es Wolle gelingen, zusammen mit seinen Freunden die Täter zu überführen? Ein rasanter tierischer Krimi, in dem es nicht zuletzt um Mut und die Bedeutung von Freundschaft geht.
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Leseprobe

1

Wolle guckte auf seinen Wecker und stöhnte. Er war nun mal eine Nachteule und schlief gerne bis in die Puppen. Doch seitdem er vor fünf Jahren die spontane Idee gehabt hatte, ein Hundehotel zu eröffnen, musste er immer früh raus. So wie heute.
Meine Güte, dachte Wolle. Jetzt kassiere ich wieder die Quittung für den feuchtfröhlichen Abend gestern. Stöhnend drehte er sich auf die andere Seite. Er feierte gerne mit seinen Gästen. Nur noch fünf Minuten, flehte er im Stillen.
Aber daraus wurde nichts. Durch das offene Fenster flog Jonas herein, eine Dohle und Wolles bester Freund.
Gut gelaunt setzte er sich auf die untere Bettkante. »Aufstehen, aufstehen, aufstehen«, krächzte er laut und flatterte mit den Flügeln.
Einige kleine Federn schwebten durch den Raum.
Verschlafen blinzelte Wolle in Jonas‘ Richtung. Die Sonnenstrahlen wurden von dem glänzenden Gefieder reflektiert und blendeten ihn. Besonders hell leuchteten die silbergrauen Federn am Hals. Es sah aus, als ob sein Freund ein Halstuch tragen würde. »Ruhe«, jammerte Wolle und hielt sich die Ohren zu.
»Aufstehen, aufstehen, aufstehen«, wiederholte Jonas seinen Weckruf. Dabei legte er seinen metallisch blau schimmernden Kopf leicht zur Seite. Die weißblauen Augen blitzten vor Schabernack.
»Heute kann ich dich nicht so gut leiden«, brummelte Wolle.
»In dreißig Minuten kommt die Kegelgruppe aus Bayern und die kanadische Opernsängerin«, fuhr Jonas ungerührt fort. Als persönlicher Assistent des Hoteldirektors nahm er seinen Job überaus ernst.
Das schätzte Wolle auch an ihm. Sein Freund verfügte über ein ausgezeichnetes Gedächtnis, was man von ihm nicht behaupten konnte. Wenn Wolle sich in eine Sache verbissen hatte, vergaß er alles andere um sich herum. Doch zum Glück hatte er ja seine Dohle. Und Jonas bereitete es offensichtlich großes Vergnügen, ihn zu seinen Terminen zu scheuchen.
»Wieso müssen die denn so früh anreisen?«, beschwerte sich Wolle. »Sind die nachts gefahren?«
»Die Tide ist leider so ungünstig, dass die Fähre zeitig übersetzen muss. Und bei dieser Hitze fahren die meisten lieber nachts. Ich wette, die Kegelbrüder werden sich gleich in ihre Zimmer verdrücken oder an den Pool gehen. Madame Adrienne de Bouchard wird bestimmt frühstücken wollen. Ich habe mir erlaubt, die Küche über ihre Extrawünsche zu informieren.« Stolz hob er seinen Schnabel in die Luft.
»Hmmm!«, brummte Wolle. So etwas war eigentlich die Aufgabe von Choco, seinem Empfangschef. Aber es konnte ja nicht schaden, wenn Jonas Choco unterstützte. Diese Diva war eine der wenigen ausländischen Gäste in seinem kleinen Inselhotel und international sehr gut vernetzt. Wenn es ihr hier gefiel, dann konnte er weit über Deutschland hinaus bekannt werden. Dieser Gedanke spornte ihn an. Er wischte sich mit den Pfoten den Schlaf aus den Augen und wurschtelte sich aus seinem Himmelbett.
»Na endlich, du Faulpelz!«
Wolle nahm ein Kissen und warf nach Jonas.
»Ha, ha, ha«, lachte der, hob ab und flatterte zum Fenster hinaus.
Wolle ging in sein Ankleidezimmer, wo sich auch einige Fitnessgeräte befanden. Noch etwas steif begann er mit seinen morgendlichen Streckübungen.
So viel Zeit muss sein, sagte er sich. Einrosten kommt nicht in Frage. In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist!
Zuerst legte er sich mit dem Rücken auf die Yogamatte, streckte alle Viere in die Luft und fuhr Fahrrad. Als Nächstes dehnte er seine Beine in alle Himmelsrichtungen. Danach drehte er sich auf den Bauch, drückte sich mit den Beinen nach oben und machte einen Katzenbuckel. Zum Schluss schüttelte er sich. Jetzt fühlte er sich locker und fit. Auch seine schönen, krausen, weißen Haare, die sich beim Schlafen etwas platt gelegen hatten, saßen wieder perfekt. Und das war ihm wichtig. Schließlich zog Wolle die verspiegelte Schiebetür seines riesigen Einbauschrankes auf. Links hingen Dutzende von schwarzen Anzügen, rechts frisch gebügelte weiße Hemden. Mindestens zweihundert Fliegen waren in den kleinen offenen Schubladen in der Mitte verstaut: weiße, schwarze, bunt karierte, gestreifte, gepunktete, geblümte – es war alles dabei. Wolle zog eine Schublade heraus und entnahm eine schlichte weiße. Nachdem er sie sich umgebunden hatte, wählte er ein leichtes, schwarzes Sakko und eine lange Anzughose in der gleichen Farbe. Um sicherzugehen, dass alles richtig saß, betrachtete er sich noch einmal im Spiegel. Hier und da zupfte er an seinem Fell herum. Dann lächelte er zufrieden. Nur eine Sache fehlte noch: frischer Atem.
Gut gelaunt schlenderte er zu seinem Garderobenschrank und öffnete ihn. Dort waren mehrere grüne Kartons mit der Aufschrift Peppermint Peppies – frischer Atem schnell und zuverlässig gestapelt. Aus einer offenen Packung nahm Wolle eine kleine Rolle Pfefferminzdrops, riss sie auf und schob sich einen ins Maul.

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Seitenaufrufe: 16 mal Aufgerufen Am 3. Mai 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, anthropomorph, Freundschaft, Hotel, Hunde, Insel, Krimi, Liebe, Tiere
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