Wie Knochen auf der Haut

Wie Knochen auf der Haut
Preis: 1,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2013
Erhältlich: Als E-Book
ISBN: 9783847659488
Es passt Beatrice überhaupt nicht, dass sie eigentlich Chiara heißt und man sie schon seit Jahren für tot hält. Und wer, bitte, ist die verschwundene Frau, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt?Die Antwort liegt in ihrer Vergangenheit. Der Zufall will es, dass Beatrices neuer Liebhaber Tobias im Auftrag der Londoner Global-Search-and-Enquiry-Company arbeitet, die für gut zahlende Klienten weltweit nach vermissten Personen sucht und Nachforschungen betreibt. Ihr solides Lehrerinnenleben gerät gehörig aus den Fugen, als Tobias ihr vorwirft, ein Doppelleben zu führen und in Wirklichkeit die verschwundene Tochter der reichen und einflussreichen Herrschaften Mondadori aus Neapel zu sein. Fassungslos streitet Beatrice alles ab. Aber Tobias hat Beweise: Es existiert eine Filmaufnahme von einem Familienausflug in Mondadoris Luxusjacht. Eine junge Frau, die Beatrice wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, flaniert an der Reling entlang und lächelt in die Kamera. Beatrice ist sich jedoch sicher, noch nie in ihrem Leben auf dieser Jacht gewesen zu sein. Tobias Misstrauen verletzt sie. Das Geheimnis ihrer unklaren Herkunft scheint sie einzuholen.
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Leseprobe

-1-

Dr. Tobias Tarkan Süliman verkrallte sich in die Armlehnen, als erwartete er gleich einen gewaltigen Knall. Fassungslos starrte er auf die miserable Videoaufnahme, die ihnen Henry Brown, der Generaldirektor der Londoner Global-Search-Enquiry-Company, vorführte. Der Ton war viel zu laut eingestellt; offensichtlich nahm Brown an, dass sie schwerhörig waren.

Die Frau auf der Mattscheibe, von der er geglaubt hatte, sie sei seine Freundin Beatrice, flanierte im dunkelroten Kleid und mit Glitzerstrass besetzten Slingpumps an der Reling einer Luxusjacht entlang. Tobias’ Nickelbrille rutschte ihm unaufhaltsam über die Nase und verwandelte Beatrice in einen langen Ketchupfleck. Sofort schob er die Brille zurück und Beatrice winkte ihm gestochen scharf zu, drehte sich kokett um die eigene Achse und räkelte sich in Fotopose. Der Seewind spielte mit ihren fantastischen kastanienbraunen Haaren.

Henry Brown zog sein Sakko zurecht und räusperte sich. „Das, meine Herren, ist Maria-Stella Mondadori. Die  reizende Tochter der Herrschaften, die Sie suchen sollen“, übertönte seine Stimme den quäkenden Ton der Aufnahme.

Tobias hatte das Gefühl, einen kratzigen Schwamm unter der Zunge zu haben und schloss für einen Augenblick die Augen. Was, bitte, hatte seine Freundin auf dieser Jacht verloren? Warum hieß sie plötzlich Maria-Stella?

Verwirrt beobachtete er weiter. Ein untersetzter Frosch mit gepflegter Halbglatze lief von links ins Bild und umarmte Beatrice. Der Wind fuhr dem Frosch durch die Ärmel seines weißen Hemdes und blähte ihn auf. Die Seidenkrawatte schlappte ihm immer wieder ins Gesicht, bis er sie gequält festhielt. Das war Signor Vittorio Mondadori, angeblich Beatrices Vater. Er zauberte hinter seinem Rücken einen Sonnenhut mit einer albernen breiten Krempe hervor und setzte ihn seiner Tochter auf.

Lachend zog Beatrice den Kopf ein und presste beide Hände auf den Hut, was den Wind nicht davon abhielt, ihr die Krempe auf ihren blutrot geschminkten Mund zu schlagen.

Die Kamera machte einen Schwenk zu Signora Marietta Mondadori, die auf einem Liegestuhl in einer Frauenzeitschrift blätterte und abwehrend ihre perfekt manikürte Hand vor die Kamera hielt. Genervt schüttelte sie den Kopf, ihre goldenen Ohrringe baumelten gegen ihre mageren Backen.

Ich habe einen Knick in der Optik, meine Sinne spielen mir einen Streich, fuhr es Tobias durch den Kopf.

Hilflos sah er zu, wie sich die Möwen auf den Hut stürzten, der auf Nimmerwiedersehen auf das Meer hinausgetrieben wurde.

Sascha Becker, der sich neben ihn in den Sessel gefläzt hatte, verfolgte mit schmalen Augen, wie Beatrice mit dem Strohhalm die Eiswürfel in ihrem Drink verrührte. Er zog schnaubend seine schwarze Baumwollmütze ab und fuhr sich über sein kurz geschorenes flachsblondes Haar.

Sascha war der  Einzige im Team, der seine Freundin kennen gelernt hatte. Während des Fluges nach London hatte er Tobias damit aufgezogen, dass seine neue Flamme – Oberstudienrätin Frau Dr. Beatrice Charlotte Holznagel – Kaugummis im Unterricht verbot. Das Knatschen störe sie gewaltig und der Gedanke, einer wiederkäuenden Kuhherde Integralrechnung beizubringen, gebe ihr angeblich das Gefühl, den Beruf verfehlt zu haben.

„Heißer Arsch, was?“, sagte Sascha bissig.

Tobias warf ihm einen scharfen Blick zu. Sascha brauchte ihn nicht ausgerechnet vor Brown daran zu erinnern, dass es noch nie seine Stärke gewesen war, die richtige Frau zu finden. Bis vor kurzem war Beatrice lediglich seine Wohnungsnachbarin gewesen, die ihm in seiner Abwesenheit den Briefkasten geleert und ihm somit den Hausmeister vom Leib gehalten hatte. Dank ihr konnte er interessante Gesteinsproben, die er überall auf der Welt sammelte, an sich selbst schicken. Irgendwann fing sie an, auf ihn zu warten und er schickte die Päckchen hauptsächlich deshalb, damit er einen Grund hatte, nach seiner Rückkehr bei ihr zu klingeln und in ihre graugrünen Augen zu schauen.

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Seitenaufrufe: 43 mal Aufgerufen Am 25. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Chick-lit, Thriller
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