Volturnus schläft

Volturnus schläft
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Webseite: http://bettinaschott.blog.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781505990041
Schwarzwald, 1748. Ein folgenschwerer Unfall im Wald, ein heimtückischer Mordanschlag am Fluss, eine schändliche Entführung … Von einem Tag auf den anderen ist in der sonst so friedfertigen Flößerstadt Altensteig nichts mehr wie zuvor. Doch es kommt noch schlimmer: Schuld an den Gräueltaten soll die blinde Wirtstochter Agnes haben, die vom Opfer zum Sündenbock gemacht wird. Hexenwerk sei im Spiel, und der Ruf nach Vergeltung wird laut …Ein facettenreicher historischer Roman, der den Alltag des Schwarzwalds im 18. Jahrhundert wieder aufleben lässt.
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Leseprobe

Als hätte die Ehrfurcht vor der Naturgewalt die Altensteiger zu Steinsäulen erstarren lassen, so standen sie rund um die Monhardter Wasserstube versammelt. Totenstill und regungslos. Nur die Wassergewalten tanzten ihren stürmischen Reigen über der Nagold und ließen die Stille in einem gewaltigen Rauschen untertauchen. Das ächzende Knarren der stiergroßen Räder, die jeweils an der Seite des Wehrs über dem Quergang thronten, durchzog die Luft wie ein jammernder Windstoß. Die Männer waren dabei, die Stauwand hinunterzulassen, um das Wasser in der Wasserstube anzustauen. Weitere Mannen brachten einen riesigen Vierkantbalken über dem Wehrgang an, der flussläufig ausgerichtet und mit zwei mächtigen Ketten ausgerüstet war. Diese hingen über den Flusslauf und endeten direkt über der Wasseroberfläche.

Unbändiges Geschrei stob durch das Rauschen der Wassermacht, als Wentzel Hornbacher – inzwischen wieder Herr seiner Sinne –, auf das Wehr gezerrt wurde. Zu viert mussten sie den zappelnden Kerl festhalten, der trotz seiner schmächtigen Statur unglaublich wehrhaft war. Wie ein Aal entwand er sich immer wieder den Armen der kräftigen Männer. Schlussendlich drückten sie ihn auf den holzbeplankten Boden und hielten ihn an allen Vieren fest. Das gellende Geschrei mündete schließlich in ein heißeres Krächzen, als Friedrich sich mit dem Knie auf Wentzels Brust niederließ und sein beträchtliches Körpergewicht sein Übriges tat.

»Das … wagst … du nicht«, presste Wentzel hervor, während sein Gesicht puterrot anlief. Ein unverständliches Gurgeln lies darauf schließen, dass er noch weiteren Redebedarf hatte, doch Friedrich setzte seinen Bestrebungen ein Ende. Er hatte sich inzwischen mit beiden Knien auf Wentzels Brustkorb niedergelassen und schnürte ihm die Luft ab.

»Du kannst uns gleich alles erzählen, was du auf dem Herzen hast, mein Bester. Und zwar alles, was du zu Hinrichs Unfall beigetragen hast. Wir werden ganz Ohr sein.«

Die umstehende Menge hatte mittlerweile wieder ihre Sprache gefunden und untermalte das Geschehen mit lauten Kommentaren und derben Sprüchen.

Rasch erhob sich Friedrich vom Beschuldigten und machte Platz für die Männer, die damit begannen, dem völlig durchnässten Kerl ein schweinsledernes Korsett umzuschnallen, welches am Rücken mit zwei taubengroßen Ringen versehen war. Sie zerrten den inzwischen wieder zu Atem gekommenen Burschen hinunter ins Flusswasser, was dieser mit lauten Flüchen und groben Beschimpfungen quittierte. Die Ketten, die vom Balken direkt vor der Stauwand hinunter in die Nagold baumelten, wurden an den Ringen auf dem Rücken des zappelnden Hornbachers eingehängt. Wie ein Käfer im Spinnennetz hing er strampelnd über dem Wasser und musste das grölende Gelächter der Meute am Flussufer über sich ergehen lassen.

»Das werdet ihr büßen! Verfluchtes Pack! Lasst mich runter! Auf der Stelle!«

»Das kannst du gerne haben. Sobald du dein Geständnis abgelegt hast. Gib endlich zu, dass du Hinrich hinterrücks ermorden wolltest!« Barthel hatte sich neben Friedrich auf den Wehrgang gestellt und machte aus seiner Wut gegen den Beschuldigten keinen Hehl.

»Den Teufel wird’ ich tun! Auch wenn ich’s deinem Busenfreund von Herzen gegönnt hätte. Es geht trotzdem auf die Kappe eines anderen.«

»Nun gut. Dann wird dir die Nagold dein Gedächtnis etwas auffrischen müssen. Zieht die Wand hoch!«

Die Männer auf dem Wehr stemmten sich gegen die Kurbeln und mühten sich ab, auf den schmierigen Holzplanken nicht wegzurutschen. Der Regen schien den Ernst der Lage noch unterstreichen zu wollen und ergoss sich mit immer stärker werdender Macht über dem Geschehen. Angestachelt durch die tobende Meute, schafften die Mannen es, die Stauwand Stück für Stück nach oben zu ziehen. Mit einem gewaltigen Tosen preschte die angestaute Nagold durch das geöffnete Maul der Wasserstube. Ein Raunen ging durch die Menge, und Hände wurden über nassen Häuptern zusammengeschlagen. Verzückte Rufe vermischten sich mit erstaunten ›Ahs‹ und ›Ohs‹. (…)

Bewertung: 5.0 von 5 (4 Bewertung)
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Seitenaufrufe: 59 mal Aufgerufen Am 9. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: 18. Jahrhundert, Altensteig, Flößerei, historischer Krimi, historischer Roman, Nagold, Schicksalsroman, Schwarzwald, Spannungsroman, Wasserstube
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