Totentanz – Ein Mondwandler-Roman

Totentanz – Ein Mondwandler-Roman
Preis: 14,90 €
Autor:
Genres: Fantasy, Horror & Mystery
Webseite: www.ullischwan.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Mein Name ist Nathaniel Palmer. Mein Auftrag ist der Schutz der Kartheiser-Sippe: Werwölfe, die seit Jahrhunderten unerkannt im Rheinland leben. Nachts jagen wir Wild, am Tag machen wir Big Business. Als unsere Geschäfte sabotiert werden, droht uns die Entdeckung. Ich reise nach Marseille, wo ich die Fährte unseres Gegners aufnehme – doch ich komme zu spät. Der Unbekannte greift an, wo und wann er will. Mit Voodoo-Magie und Intrigen setzt er uns immer härter zu. Er schafft, was ich nicht für möglich gehalten habe: Die Sippe droht zu zerbrechen. Und während alte Sünden zu neuen Wunden werden, muss ich eine folgenschwere Entscheidung treffen.
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Leseprobe

Ein Jahr war vergangen, doch ich erkannte meine Jäger sofort wieder.

Sie erschienen auf dem Gehweg so unvermittelt wie ein Blitz bei blauem Himmel. Der Hakennasige, der nach Zwiebeln roch, hieß Marc Ocsaine. Der mit dem Narbengesicht und dem Geruch von Gallseife war sein Bruder Jean.

Ich wandte meinen Kopf zu Seite, wollte nach links abbiegen, doch die Fußgänger, die mir entgegen kamen, ließen mich nicht durch. Ich musste meinen Schritt stoppen und ertappte mich dabei, zu meinen Verfolgern zu sehen. Sie erwiderten meinen Blick, erkannten mich. Die Jagd ging weiter!

Das war mein erster Abend in Ostkamp, vor einer halben Stunde war ich aus dem Bahnhof gekommen. Ich hatte keine Ahnung, wo ich war und wo ich mich verstecken könnte. Meine einzige Hoffnung: Es war schon später Abend. Wenn ich von den beiden nur lange genug Abstand halten konnte – nur zehn Minuten – hatte ich eine Chance.

Also floh ich.

Fort von den Brüdern, Richtung Bahnhof. Die Riemen meines Rucksacks schlugen gegen meine Schultern; ich zog sie fester, während ich rannte und mich umsah. Ich lief in eine Nebengasse. Rote Sonnenstrahlen und gelbe Straßenlaternen vermischten sich zu einem unnatürlichen Licht.

Hier waren weniger Leute. Wem ich nicht mit einem Schritt auswich, den stieß ich zur Seite. Keine Zeit für gutes Benehmen oder Entschuldigungen. Weiterrennen. Weiter. Vor mir ragte ein Haus vier Stockwerke über die anderen. Das war mein Ziel. Die Höhe würde mir weitere Augenblicke schenken.

Ich sprang die wenigen Stufen hinauf zum Eingang, riss die schwere Haustür auf und befand mich in einem Foyer. Ein Wachmann sah auf, blieb aber hinter seinem Tresen sitzen. Ohne im Schritt zu verharren sah ich mich um. Ein Schild zeigte mir, hinter welcher Tür das Treppenhaus war. Als ich es erreichte, hörte ich die hastigen Schritte meiner Verfolger im Foyer. Ich brauchte mich nicht umzusehen um zu wissen, dass sie mich gesehen hatten.

Als der Wächter etwas rief, schlug die Treppenhaustür hinter mir ins Schloss. Ich nahm zwei Stufen auf einmal, doch ich war nicht schnell genug – mein Rucksack behinderte mich. In ihm war alles, was ich besaß. Doch er hielt mich auf, und die Ocsaine-Brüder waren nahe. Also warf ich ihn in eine Ecke.

Hinter mir stürmten die Brüder die Treppe hoch.

Ohne das Gewicht des Rucksacks war ich schneller. Immer noch zwei Stufen nehmend, zog ich mich am Geländer hoch und rannte so eine Etage nach der anderen hinauf.

Dieses Mal war es anders. Was vor Jahren in Marseille begonnen hatte, würde heute enden. Wir hatten viel übereinander erfahren: Ich die Namen meiner Verfolger. Sie, wie man jemanden wie mich wirklich tötet. Warum sie es wollten? Weil es ihr Beruf war. Weil sie einen Ruf zu verlieren hatten. Und weil ihr Auftraggeber sonst die beiden zum Abschuss freigeben würde.

Ein ganzes Jahr lang war ich ihnen ausgewichen, doch heute hatten sie meine Spur wiedergefunden. Hier, in Ostkamp.

In dieser Nacht würde es enden. Ich wusste es. Sie wussten es.

Der Mond war nah. Ganz nah.

Meine Beine waren müde, die Schenkel schwer. Die Treppe endete an einer Tür. Hinter ihr musste das Dach sein. Das gab mir noch einmal Kraft. Ich zwang mich die letzten Schritte hinauf. Meine Hände rutschten schweißnass über das Geländer.

Hinter mir, zwei Treppen entfernt, keuchten Jean und Marc Ocsaine, ebenso geschafft wie ich – und ebenso stur.

Die Tür wurde von einem einfachen Riegel verschlossen. Effektiv, um Leute draußen zu halten. Und einfach von innen zu öffnen. Diese Tür würde mich nach draußen bringen, aber die Brüder würden mir folgen können.

Genau wie ich es wollte.

Ich stieß den Riegel zur Seite. Kühle Abendluft fuhr über meine schweißnasse Haut. Ich lief ein paar Schritte zur Mitte des Flachdachs. Links und rechts ging es hinab auf die Straße, doch geradeaus grenzte das nächste Haus direkt an. Es war kleiner und hatte ein Satteldach aus roten Ziegeln.

Ich sah zum Horizont. Noch war der Mond nicht aufgegangen, aber er stand schon bereit. Nur noch eine kleine Weile, bis er sich in den Himmel schieben würde. Sekunden noch, mehr nicht.

Da stürmten Jean und Marc durch die Tür aufs Dach. Sofort gingen die Brüder auseinander, damit sie nicht ein gemeinsames Ziel bildeten. Sie hatten Respekt vor mir.

Jeans Grinsen war wegen der Narben zur Fratze geworden. Marseille hatte ihn jeglicher Schönheit beraubt.

Ich ging zwei Schritte zurück. Distanz aufbauend, mich dem Dachrand nähernd. Zeit schindend.

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Seitenaufrufe: 40 mal Aufgerufen Am 10. September 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Gestaltwandler, Magie, Mondwandler, Nathaniel Palmer, Paranormal, Rheinland, spannend, Urban Fantasy, Voodoo, Werwölfe
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