Tödliche Meeresnacht

Tödliche Meeresnacht
Preis: 0,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Krimi & Thriller
Webseite: www.farohi.at
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Jeder Mörder hinterlässt eine Spur, man muss sie nur finden. Davon ist Chefinspektor Vicent Rius überzeugt. Als er auf der Mittelmeerinsel einen scheinbar einfachen Unfalltod untersuchen soll, entdeckt er schnell Ungereimtheiten: Wer ist die schöne Tote unter den Klippen wirklich – und welche Rolle spielt ihr Ehemann? Immer tiefer dringt der erfahrene Ermittler in ein Netz aus Lügen, Betrug und Habgier ein, bis nichts mehr so ist, wie es scheint, und die Unschuldigen zu Schuldigen werden.
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„Ich habe keine guten Nachrichten. Ihre Frau ist tot.“

Ben Höffner hätte nicht gedacht, dass ihn noch irgendetwas erschüttern könnte.

Regungslos starrte er die Anwältin an, die ihm gegenübersaß. Das Konsulat hatte sie empfohlen.

Der kahle Raum der Gefängnisanstalt war nicht nur wegen seiner Schmucklosigkeit kalt. In den letzten Tagen hatten die sinkenden Temperaturen die Mauern stark abgekühlt. Es ging auf Weihnachten zu.

„Wieso …“, begann er. Und brach ab.

„Man hat sie vor zwei Tagen gefunden, in der Nähe Ihres damaligen Hotels, unterhalb der Klippen.“

Beinahe fünf Monate schon saß Ben jetzt in diesem Gefängnis und er war sich sicher, dass er die Tat, die man ihm zur Last legte, niemals begangen haben konnte. Seine Frau musste es ebenfalls gewusst haben. Jetzt war sie tot.

„Wie ist es passiert?“, fragte er.

Die Anwältin zuckte die Schultern.

Sie war eine hagere Person mittleren Alters. Alles an ihr schien ein wenig grau zu sein. Zu dem Tweedkostüm mit dem Karomuster trug sie eine weiße Bluse mit einem ordentlich gebügelten Kragen. Ihre Stimme klang wie das Geräusch von aneinanderreibenden Kieselsteinen.

„Sie dürfte ausgeglitten sein. Die Felsen bei der Bucht sind nass und rutschig.“

Ben nickte. Wie in einem Karussell drehten sich seine Gedanken im Kopf, und obwohl die Gespräche in dem kahlen Besuchsraum für gewöhnlich seine einzige Ansprache darstellten, wünschte er sich in die Einsamkeit der Zelle zurück, die ihm viel zu lange schon als Wohnort diente.

Marlene. Er sah sie vor seinem inneren Auge, wie sie strahlte, lachend, in einem der von ihr so sehr geliebten roten Kleider. Genauso wie damals, als er ihr zum ersten Mal begegnet war. Der federnde Gang. Die biegsame Gestalt, ihr schlanker Körper, die schneeweißen Arme.

An seinem Hochzeitstag war er der glücklichste Mann gewesen.

Wann genau hatte dieser ganze Albtraum begonnen? Er wusste es nicht.

In all diesen endlosen Monaten hatte er jeden einzelnen Tag darüber nachgedacht. Ohne Erfolg.

Fünf Jahre waren sie miteinander verheiratet gewesen. Immer noch hatte er sich für genauso glücklich wie zu Beginn seiner Ehe gehalten.

Bis zu diesem Juli.

Erst zwei Tage zuvor waren sie auf der Insel angekommen. Mallorca. Eine ganze Woche wollten sie zusammen ausspannen, in dem kleinen Landhotel fernab von der Küste.

Es war ein hübsches Steingebäude mit blaugrauen Fensterläden. Unter den hohen Bögen, die die Terrasse des oberen Stockwerks trugen, konnte man wunderbar im Schatten entspannen. Mehrere Korbstühle standen hier, große Grünpflanzen in Terrakottatöpfen. An der Seite des Gebäudes wucherte eine lilafarbene Bougainvillea. Glasklar funkelte das Wasser im Pool. Schwappte mit leisem Gluckern in die Überlaufrinne.

Rundum war nichts — nur kahle Erde, auf der in endlosen schnurgeraden Reihen Mandel- und Feigenbäume wuchsen. Präzise grenzten die unzähligen Trockenmauern die einzelnen Grundstücke von einander ab.

Vereinzelt konnte man auf den umliegenden Hügeln noch andere Gehöfte sehen. Überall weideten Schafe. Das Bimmeln ihrer Glocken war weit und breit das einzige Geräusch. In endloser Ferne schimmerte das Meer.

Von Anfang an hatte er sich hier wohl gefühlt. Marlene ging es genauso. Oder war das nur eine Täuschung gewesen?

„Lass uns heute Abend hierbleiben“, hatte sie geflüstert und ihn umarmt.

Im Schutz der hohen Bögen waren einige wenige Tische gedeckt, an denen man zu Abend essen konnte. Kleine Laternen verbreiteten ein sanftes Licht auf der Terrasse, überall standen Kerzen. Rubinrot schimmerte der Wein in ihren Gläsern.

In derselben Nacht hatten sie sich geliebt. Immer noch vermeinte er den Duft ihrer Haut zu riechen.

Jetzt saß er in seiner Zelle, auf dem unteren der beiden Betten. Mattes Licht drang durch das vergitterte Fenster. Mit seinen Fingern zerwühlte er das Haar, vergrub die Stirn in den Handflächen.

Was ist dann passiert?, fragte er sich, wie schon tausende Male zuvor.

Am nächsten Morgen war er mit Kopfschmerzen aufgewacht.

Der Wein muss schlecht gewesen sein, war sein erster Gedanke gewesen, ehe er mit der Hand nach der anderen Seite tastete. Sie war nicht da. Er streckte sich aus und lächelte.

Einige Minuten später rief er ihren Namen — irgendwann ging er ins Bad.

Es war leer.

Wo war Marlene?

Schnell zog er seine Hose über und trat hinaus auf die Terrasse.

Im Osten kämpfte sich die Sonne durch die Wolkengebirge am Horizont. Ihr gleißendes Licht ließ das Meer hell glänzen. Er stand im Morgenlicht.

Auf die Brüstung gestützt sah er hinunter in den Garten.

Kein Mensch war zu sehen.

Er drehte sich um, ging durch das Appartement zurück in Richtung der Tür und bemerkte die Vase, die auf dem niedrigen Couchtisch gestanden hatte.

Sie lag auf dem Boden und war zerbrochen.

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Seitenaufrufe: 85 mal Aufgerufen Am 7. Dezember 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Freundschaft, Insel, Kriminalgeschichte, Mallorca, Polizeiroman, Seeabenteuer
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