Todeslicht: eine mystische Horrornovelle

Todeslicht: eine mystische Horrornovelle
Preis: 1,49 €
Autor:
Genres: Belletristik, Horror & Mystery
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Der Bücherjäger Nathan sucht in der Bibliothek eines einsamen englischen Herrenhauses nach wertvollen Bänden und seltenen Erstausgaben. Doch irgendetwas geht nicht mit rechten Dingen zu in dem geschichtsträchtigen Haus mit seinen endlosen Gängen und dem verwilderten Garten. Nachts hört Nathan im Schlaf jemand seinen Namen rufen, und es geschehen daraufhin seltsame Dinge, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen. Was geht um in diesen Mauern? Allmählich nähert sich der Bücherjäger dem abgründigen Geheimnis des Hauses, das geradewegs in den Wahnsinn führt.
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Leseprobe

TODESLICHT

1

Es war ein verregneter Apriltag, als Nathan sich von Oxford aus Richtung Westen aufmachte. Die Zugfahrt erwies sich als genauso wenig ereignisreich wie bemerkenswert. Die eintönige Landschaft glitt mühelos dahin, und das weiche Leder der Sitzplätze in der ersten Klasse schmiegte sich zärtlich an ihn. Eigentlich hatte er vorgehabt, während der Zugfahrt zu arbeiten, aber da Regenwetter ihn meist müde und apathisch machte, hatte er diesen Vorsatz schnell aufgegeben. Die meiste Zeit starrte er teilnahmslos aus dem Fenster oder betrachtete sein trübäugiges Spiegelbild, das auf der regennassen Scheibe zu sehen war.

Nathan war froh, nicht in der zweiten Klasse bei den Oxford United Fans sitzen zu müssen, die zu irgendeinem Auswärtsspiel fuhren. Meistens genoss er das Reisen mit der British Rail, doch heute hatte die zweite Klasse mehr mit einem Viehtransportwagen gemein, wenn die Hooligans im Chor grölten und der Geruch von Heineken und Skol Lager die Luft schwängerte.

In Bristol musste er umsteigen, bekam jedoch nach nur kurzer Wartezeit einen Anschlusszug, der daraufhin durch eine monotone Landschaft rumpelte. Da und dort zogen kleine Ortschaften am Fenster vorbei, während grüne Wälder und Weideland sich unter dem bleigrauen Himmel erstreckten. Der letzte Abschnitt seiner Reise führte durch eine wenig belebte Gegend und als der Zug in dem kleinen Bahnhof von Ravenswood einfuhr, war es schon Mittagszeit.

Nachdem Nathan den behaglichen Schutz seines Zugabteils aufgegeben hatte, fand er sich auf einem menschenleeren Bahnsteig wieder und eine kalte Regenwand drosch unentwegt auf ihn ein. Der Regen trieb in Böen beinahe waagerecht über den Erdboden, während die schiefergrauen Wolken mit beachtlicher Geschwindigkeit am Himmel zogen, als wollten sie irgendwo hinter dem kleinen Bahnhofsgebäude zu einem Begräbnis eilen. Nathan verfluchte sich dafür, keinen Schirm eingepackt zu haben. Für einen Moment erwog er, sich eine Zigarette anzuzünden, ließ es jedoch bleiben und klappte stattdessen seinen Mantelkragen nach oben, schulterte seine Reisetasche und durchquerte das Bahnhofsgebäude, in dessen zugigem Inneren es noch kälter zu sein schien als auf dem windzerzausten Bahnsteig.

Ein paar Steinwürfe vom Vorplatz des Bahnhofes aus entfernt, erblickte er durch die Regenwand einen repräsentativen Ausschnitt der kleinen Ortschaft Ravenswood. Es handelte sich dabei um eine Ansammlung von dicht gedrängten Häusern, einige aus Fachwerk, andere aus Bruchstein, die von wenig Wohlstand zeugten und zwischen denen ein paar Straßen hindurch liefen. Dazwischen sah man ein paar Einkaufsläden, welche die bescheidenen Bedürfnisse der Bewohner stillen sollten, daneben sprangen ein heruntergekommenes Pub, ein Gasthof und ein paar andere Gebäude von undefinierbarem Zweck ins Auge. Das kleine Dorf schmiegte sich an eine smaragdgrüne Hügelflanke, die sich hinter den Häuserreihen lang und weit erstreckte, um irgendwann in den Wealth Forest überzugehen, der sich mit seinen dunklen Rieseneichen wie ein Bollwerk am verregneten Horizont aufbaute.

Nathan rechnete nicht ernsthaft damit, irgendwo ein Taxi anzutreffen, das ihn nach Bridgewater Hall bringen würde. Jedoch am anderen Ende des Vorplatzes verriet ihm ein Wegweiser an einem altersgrauen Pfosten, dass es bis zu seinem Ziel lediglich eine halbe Meile war. Nachdem Nathan sich das letzte Mal verflucht hatte, keinen Schirm mitgenommen zu haben, machte er sich auf den Weg. Im Bahnhofsgebäude darauf zu warten, dass der Regen nachließ, wäre schwachsinnig gewesen, da es schon den ganzen Tag ohne Unterbrechung schüttete. Er fasste Mut, jedoch bevor er losging, gab er dem Drang nach, sich eine Zigarette anzuzünden, was sich angesichts der fauchenden Windböen als schwieriger erwies, als erwartet. Im dritten Anlauf gelang es ihm das Feuerzeug so abzuschirmen, dass die Kippe Feuer fing und kleine Rauchschwaden auszustoßen begann, die sofort vom Wind fortgetragen wurden.

Nathan ging mit der Zigarette im Mundwinkel die Hauptstraße hinauf und am Markplatz vorbei. Die kleine Ortschaft war schnell durchquert. Auf der Straße traf er weder Autos noch Passanten an. Die Häuser lagen wie im Schlaf da und schienen dumpf vor sich hinzubrüten. Ständig hatte er das Gefühl, als beobachte ihn verborgen hinter den Gardinen eine Unzahl an Augenpaaren.

Hinter einer kleinen Brücke unter der ein munterer Bach sich durch die Wiesen schlängelte, ging die asphaltierte Straße bereits in einen breiten Feldweg über, der in eine kleine Waldung mündete, deren Bäume in ihrem regennassen Geäst wie ein gichtbrüchiges Dämonenheer wirkten, sodass Nathan der irrationale Gedanke überkam, als wollten sie mit ihren morschen Klauen nach ihm greifen. Raben in schwarzem Gefieder saßen auf ihnen, hüpften von Ast zu Ast und warfen abschätzige Blicke auf den einsamen Wanderer, als wollten sie den Fremdling auf seine Tauglichkeit prüfen. Eine Weile ging er durch fruchtbares und windzerzaustes Farmland.

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Seitenaufrufe: 37 mal Aufgerufen Am 15. Juni 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: arthur machen, Dämonen, Geister, Herrenhaus, Horror, Mystery, UFO
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