Sophia – Dem Abgrund so nah

Sophia – Dem Abgrund so nah
Preis: 4,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: https://velvetvenus.wordpress.com
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9780692343180
Sophia hat alles, was man sich mit Mitte dreißig wünschen kann – einen gut aussehenden Mann, einen tollen Job, ein eigenes Häuschen und eine Tochter, die allerdings gerade mitten in der Pubertät steckt. Eigentlich könnte sie glücklich und zufrieden sein, wenn … … es nicht immer wieder Streit mit dem Angetrauten gäbe. … sie auch ab und zu einmal Zeit hätte … für sich und die Familie. … das Leben nicht eines Tages ohne Vorwarnung eine falsche Karte ausspielen würde.
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Leseprobe

Mit einem gekonnten Schlenker lenkte Sophia ihren kleinen roten Flitzer in die Zufahrt zum Grundstück. Zügig fuhr sie die gepflasterte Auffahrt hinauf und parkte neben dem schwarzen Kombi unter dem Doppelcarport. Bevor sie ausstieg, blieb sie jedoch einen Augenblick im Wagen sitzen und ließ den Tag Revue passieren.

Voller Hektik und Stress hatte er begonnen. Danach war ein Termin dem anderen gefolgt und zu guter Letzt war noch eine Sitzung anberaumt worden. Natürlich ungeplant und so kurzfristig, dass sie – wie schon so oft in der letzten Zeit – nur zu Hause anrufen und das gemeinsame Abendessen absagen konnte. Christian hatte am Telefon wieder einmal sehr sauer geklungen und ihr Vorwürfe gemacht. Er hatte ihr vorgehalten, dass Lisa etwas mit ihr hatte besprechen wollen, das sie ihm, dem Vater, eben nicht hatte anvertrauen mögen. Und ob ihr klar sei, dass es diese Woche bereits der dritte Abend sei, an dem sie nicht zu Hause sein würde. Seufzend hatte sie ihn zu beschwichtigen versucht, doch als er schließlich mit seiner ewigen Eifersucht gekommen war, hatte sie schließlich das Gespräch beendet. Dieses Thema hatten sie schon so oft durchgekaut, darauf konnte sie heute wirklich verzichten. An diesem Tag hatte sie genug Stress, auch ohne Szenen und Genörgel.

An das Telefongespräch hatte sich eine endlos dauernde Sitzung angeschlossen, die sich gezogen hatte wie ein ausgekauter Kaugummi. Letztendlich war sie auf den nächsten Morgen vertagt worden, es hatte sich keine Lösung finden lassen, mit der alle hätten leben können. Es war schon fast zehn gewesen, als sie sich endlich auf den Weg hatte machen können, jetzt zeigte die Uhr im Armaturenbrett fast halb elf. Seufzend dachte Sophia an die Szene, die ihr sicher gleich bevorstand.

Christian würde ihr wieder vorwerfen, dass sie zu lange arbeitete und zu wenig zu Hause war. Damit hatte er ja nicht einmal unrecht, aber was sollte sie denn dagegen unternehmen? Mehrfach hatte sie versucht, bei ihrem Chef zu erreichen, dass er die vorgegebenen Arbeitszeiten zumindest einigermaßen beachtete. Sie hatte ihn sogar darauf hingewiesen, dass er ziemlich oft sogar gegen geltendes Recht verstieß. Bitter lachte sie auf, als sie an ihren letzten derartigen Versuch zurückdachte. Das Einzige, was sie erreicht hatte, waren ein Hochziehen seiner Augenbrauen und ein kalter, eher verständnisloser Blick gewesen. Zudem hatte er etwas geäußert, das ihr bis heute in den Ohren klang und das schuld daran war, dass sie resigniert hatte.

„Wissen Sie, Sophia, ich verstehe ja, dass Sie gerne etwas mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen möchten. Nur … in meiner Firma erwarte ich, dass sich jeder ganz und gar für das Unternehmen einsetzt. Jeden Tag – und zwar so lange, bis er zu Ende ist. Und das ist er, wenn ich es sage. Es gibt da draußen jede Menge junger Talente, die Ihren Job sicher gerne hätten. Eine Arbeit, die gut bezahlt wird und bei der man sogar ein wenig von der Welt sieht. Also … es ist Ihre Entscheidung, Sophia. Familie oder Firma. Wenig Geld oder guter Verdienst. Sozialwohnung oder eigenes Haus. Haben wir uns verstanden, was dieses Thema angeht?“

Von dem Zeitpunkt an hatte sie sich gefügt, jeden Termin wahrgenommen und widerspruchslos so lange gearbeitet, bis der Chef eben den Feierabend beschloss.

Einen kurzen Augenblick lang spielte sie mit dem Gedanken, einfach nicht auszusteigen, sondern kurzerhand in die Stadt zurückzufahren und in einem Hotel zu übernachten. Einen kleinen Koffer mit den nötigsten Sachen hatte sie immer im Wagen. Doch dann gab sie sich einen Ruck, stieg aus dem Auto, straffte die Schultern und eilte durch den kalten Nieselregen die wenigen Schritte auf die Haustür zu.

Bewertung: 5.0 von 5 (4 Bewertung)
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Seitenaufrufe: 35 mal Aufgerufen Am 8. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Alkoholsucht, Dramatik, Kündigung, Obdachlosigkeit, Tablettensucht
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