Seleno – Die Kraft der zwei Monde

Seleno – Die Kraft der zwei Monde
Preis: 4,49 €
Autor:
Genres: Belletristik, Fantasy
Webseite: www.Angela-Planert.de
Erscheinungsjahr: 2006
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783935660808
Mit einem außergewöhnlichen Ritual gewinnt Gerrit sein Augenlicht zurück. Seine veränderten Fähigkeiten stellen ihn immer wieder vor neue Herausforderungen, bis er Zusammenhänge mit den Prophezeiungen aus den alten Büchern zu erkennen glaubt. Sein treuer Gefährte Sanar scheint mehr über seine Veränderungen zu wissen, als er zunächst preisgibt. Unter dem Einfluss zweier gegensätzlicher Mondkräfte erzählt dieser spannende Fantasy-Roman eine mittelalterlich anmutende Geschichte.
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Leseprobe

Wachsam ritt Gerrit durch den Wald. Um das Geheimnis des besonderen Rituals zu wahren, durfte er niemandem begegnen, weder dem jungen Tamo noch dem treuen Sanar oder anderen Männern seines Vaters, und schon gar nicht den Waldstrolchen. Zwischendurch verwischte er sorgfältig die Hufspuren, um ganz sicherzugehen, dass ihm keiner folgte. Er lenkte sein Pferd querdurch das Unterholz abseits des Weges. Er musste sich beeilen, wenn er das Fest rechtzeitig erreichen wollte, musste er die Nacht durchreiten. Der weiße Mond strahlte in voller Größe und leuchtete zwischen den Bäumen auf das Dickicht. Einige weiße Wolken reflektierten das Mondlicht und erhellten gespenstisch den nächtlichen Himmel.

Plötzlich standen, wie aus dem Nichts, fünf kräftige Männer in hellbraunen Anzügen im Halbkreis vor ihm. Gerrit riss seine Augen auf, sein Pferd scheute und tänzelte rückwärts. Woher kamen diese Männer so überraschend? Warum hatte er sie trotz seiner Aufmerksamkeit nicht bemerkt?

Der mittlere Mann legte seine Handflächen aneinander, kam einen Schritt auf Gerrit zu und neigte seinen Kopf. »Das Kind des weißen Mondes sollte äußerst wachsam sein.«

Gerrit konnte keine Schwerter entdecken, dennoch waren diese Leute ihm unheimlich. Hatten sie eventuell die Gabe, seine Wahrnehmung zu beeinflussen? Hatte er sie deshalb nicht gespürt?

»Nehmt unsere Worte mit Euch.« Der Mann, der ihn angesprochen hatte, legte seine linke Hand für einen Moment auf seine Brust, drehte die Handfläche nach oben und führte sie an seinem Körper entlang bis an seinen linken Schenkel. Sein schulterlanges, strähniges Haar hing ihm in sein bärtiges Gesicht. Diese großen braunen Augen schienen Gerrit eingehend zu mustern, so als müsse er sich Gerrits Aussehen gut einprägen. »Solange das Blut fließen kann, der Atem im Leib steckt, ist der Tod nicht besiegelt. Der rote Mond hat mächtige Gefährten, sie vermehren sich wie Pilze nach der Regenzeit.«

Die fünf Männer verneigten sich und verschwanden lautlos nacheinander zwischen dem Buschwerk. Gerrit verharrte einen Augenblick bewegungslos auf seinem Pferd, bis er sich sicher genug fühlte, seinen Weg fortzusetzen. Diese Gestalten blieben ihm mehr als rätselhaft. Ihre Worte klangen nach den uralten Weisheiten aus den Büchern. Was waren das für Männer und was war ihr Anliegen? Leise wiederholte er immer wieder die Aussage des Mannes: »Solange das Blut fließen kann, der Atem im Leib steckt, ist der Tod nicht besiegelt. Der rote Mond hat mächtige Gefährten, sie vermehren sich wie Pilze nach der Regenzeit.« Gerrit war klar: Diese Begegnung hatte gewiss eine tiefere Bedeutung. Während er noch darüber nachdachte, bemerkte er, wie langsam die Sterne verblassten und das Dunkel des Himmels heller wurde. Plötzlich kam ihm ein furchtbarer Gedanke. War es Talon gelungen, Vamun mit einem Ritual das Leben zu retten? Womöglich hatte dieser Mann eben ihm genau das mit seinen Worten verdeutlichen wollen. Aber woher sollten diese Männer von Vamun oder Talon wissen?

Aus seinen Überlegungen gerissen, schreckte er hoch. Er war nicht vorsichtig genug gewesen, so wie diese Männer es ihm geraten hatten. Beinah zu spät führte er sein Pferd weiter hinein ins Unterholz und wartete ab. Fernab des Weges jagten zwei Waldstrolche durch das Gebüsch, gefolgt von einem Reiter in dunkelroter Kleidung. Für Gerrit sah es fast so aus, als legten sie ihren Weg gemeinsam zurück. Sein nächster Gedanke traf ihn, wie ein Schlag vor den Kopf. Wenn Vamun, vorausgesetzt er wäre tatsächlich am Leben, die Waldstrolche für sich gewinnen würde, so wäre es nicht auszudenken, welches Ausmaß seine Rache annehmen könnte. Vor allem, da er jetzt wusste, wer sein Vater war. Gerrits Herz begann zu rasen. Diese Aussage des Mannes ›Das Kind des weißen Mondes sollte äußerst wachsam sein. Der rote Mond hat mächtige Gefährten, sie vermehren sich wie Pilze nach der Regenzeit‹ schien diese Befürchtung zu verdeutlichen. Die Waldstrolche waren hervorragende Kämpfer, Meister der Tarnung, furchtlose Gesellen ohne Gewissen. Die Anhänger seines Vaters würden schwächlich wirken gegen die Horden von Waldstrolchen, die Vamun um sich sammeln könnte. Zur Sicherheit verharrte Gerrit noch einen Moment in seinem Versteck, ehe er sich wieder auf den Weg machte. Wie kam ihm nur dieser Gedanke, Vamun wäre am Leben? An jenem Tag war das Blut aus seinem Rumpf geflossen, regungslos hatte Vamun vor ihm gelegen. Er konnte dieses Gefecht unmöglich überlebt haben. ›Solange das Blut fließen kann, der Atem im Leib steckt, ist der Tod nicht besiegelt‹ Selbst sein Vater hatte Vamuns Tod angezweifelt, weil dessen Leichnam niemals gefunden wurde. »Sei wachsam«, flüsterte sich Gerrit zu. »Nach dem Fest wirst du gleich mit Vater reden.« Besonders aufmerksam ritt er den ganzen Tag über durch den Wald. Aber nur einige Rehe kreuzten seinen Weg.

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Seitenaufrufe: 18 mal Aufgerufen Am 5. August 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, Bestimmung, Freundschaft, Kampf, Liebe, Magie, Mond, Mondsteine, Schicksal, Treue
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