Schwarz oder weiß – Borderliner kennen kein Grau

Schwarz oder weiß – Borderliner kennen kein Grau
Preis: 3,99 €
Autor:
Genres: Horror & Mystery, Sachbuch
Webseite: http://sveakerling.jimdo.com
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
„Sie lieben diejenigen ohne Maß, die sie ohne Grund hassen werden.“ Ein Zitat von Thomas Sydenham aus dem 17. Jahrhundert über das Borderline-Syndrom, das 1938 erstmals so benannt wurde. Ängste. Todessehnsucht. Selbstverletzung. Wut. Depression. Für die Borderline-Störung gibt es keine immer geltenden Regeln. Die Krankheit ist immer so unterschiedlich, wie jeder davon Betroffene unterschiedlich ist. Lesen Sie dazu die bewegende Geschichte von Svea Kerling. Authentisch. Selbstmitleidslos. Ehrlich. (Als Printausgabe nicht bei Amazon erhältlich, aber zb. beim Verlag, Falter, Manz ...)
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Schmerz muss nicht körperlich sein. Kein gebrochenes Bein, kein Bandscheibenvorfall, keine Raucherlunge. Er ist unsichtbar. Auf keiner Röntgenaufnahme zu sehen. Versteckt. Und nur man selbst weiß von seiner Existenz. Nur die eigene Seele weint. Er zwingt deine Seele in die Knie. Du schreist. Doch niemand kann dich hören. Und niemand will es hören. Dich hören. Einst sagte ein Arzt zu mir: „Schmerz ist Schmerz. Wenn es weh tut, tut es weh.“ Doch für einen Satz werde ich ihm auf ewig dankbar sein. „Ich glaube Ihnen.“ So einfach dieser Satz klingt, so viel tut er in seiner Einfachheit: Ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben verstanden. Nein, ich möchte den körperlichen Schmerz nicht klein reden, seine Qualen nicht schmälern. Schmerz ist Schmerz. Aber der Mensch an sich ist nur für das Sichtbare, das Greifbare zugänglich.

Sie fragen sich wohl, worauf ich hinaus will. Ich sage es einfach frei heraus: Sagt Ihnen „emotionale instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus“ etwas? Gemeinhin nur Borderline genannt. Borderliner, bekannt als die, die sich ritzen. Klingelt es? Wir sind die, die Aufmerksamkeit erregen wollen. Sich wichtig machen wollen. Nicht arbeiten wollen. Ohne, dass jemals jemand in meine Fußstapfen getreten ist, beurteilt man mich; verurteilt man mich. Man verurteilt mich dafür, dass ich krank bin. Vielleicht hilft Ihnen folgende Episode.

Tollpatschig wie ich manchmal durch das Leben gehe, passierte es mir letztes Jahr, dass ich eine Woche lang einen Gips tragen musste. Nicht, weil ich mich selbst verletzt hatte, wie man jetzt denken könnte. Nicht, weil ich es nicht anders verdient hätte. Nein, ein Sportunfall in der Reha-Klinik. Was dann geschah, machte mich rat- und sprachlos. Man brachte mir nie dagewesene Aufmerksamkeit entgegen. Man teilte Leid und meinen Schmerz mit mir. Ich spazierte durch die Stadt – ja, man darf das. Es handelte sich nicht um eine geschlossene psychiatrische Station – wir waren nicht eingesperrt. Man ließ uns einfach so auf die Menschheit los. Ich muss anmerken, es war eine kleine Stadt, wo jeder jeden kannte. Die Ortsansässigen begriffen schnell, wer sich auf Freigang befand und wir „Irren“ ernteten nicht gerade freundliche Blicke. Im Gegenteil, man mied den Augenkontakt und nicht selten wechselte der hiesige Einwohner die Straßenseite. Doch mit der Gipshand änderte sich schlagartig jegliches Verhalten. Ich wurde angesprochen, freundlich, besorgt. Einfach so. So großes Verständnis, Hilfsangebote, zugesicherte Unterstützung. Mitleid bekundende Blicke. Es war mir sehr unangenehm. Es war ja nur eine Hand. Der Gips würde nicht mein ganzes Leben bleiben. Obwohl, so schlecht war der Gedanke gar nicht. Müsste man sich überlegen.

Doch wischen wir den Gedanken weg, ich war in der glücklichen Lage, nach sieben Tagen wieder zwei gesunde Arme benutzen zu können. Und was dann? Mochte man mich dann nicht mehr? Was wäre, wenn ich nur einen Arm hätte? Ich als einarmiger Bandit. Hätte ich dann Anrecht auf Zuwendung auf Lebenszeit? Oder würde man mich als Krüppel beschimpfen? Oder würde man wieder die Blicke von mir abwenden? Aus Scham? Bestürzung? Hilflosigkeit? Ratlosigkeit? Neugier?

Egal, wie man es anstellt. Egal, was man anstellt. Es ist so etwas von egal, so irrelevant. Rückt der Einzelne nur etwas von der Norm ab, wie jemand zu sein hat, ist man auffällig. Nicht normal. Behindert. Sogar verrückt.

Also wie jetzt? Was will der Mensch? Will er nun jemanden zum Bemitleiden, jemanden zum Mitleiden, jemanden, der vom eigenen Leid ablenkt oder einfach nur jemanden, über den man reden, lästern und lachen kann? Ich denke, dass jene Menschen, die permanent auf anderen herumhacken, einfach nichts Besseres zu tun haben. Es sind gerade jene, die am schlechtesten mit dem eigenen Leben klar kommen und mit ihrem eigenen Sein nicht im Reinen sind. Dass diese Leute wirklich gründlich, sehr gründlich, vor ihrem eigenen Haus kehren sollten, daran wird kein Gedanke verschwendet. Weil man ist ja eh normal. Anders sind die dort. Anders ist der dort. Dass deren eigenes Leben so armselig ist, dass sie nach Opfern suchen, ja sogar brauchen, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Weil, man ist ja normal. Ist kein Opfer aufzutreiben, erfindet man eines. Oder man lässt das Los entscheiden. Irgendwer oder irgendwas findet sich schon. Hat sich immer gefunden.

Was ist mit meinem Schmerz, den ich immer noch in mir trage? Auch dann, wenn kein Gips mehr an meiner Hand ist. Warum so voller Unverständnis, so voller vermeintlichem Wissen, so rechthaberisch, so stur, einfach so dumm? Unfähig, es zu begreifen. Warum? Warum? Schmerz ist Schmerz. Der Schmerz, wenn man angestarrt wird. Der Schmerz, wenn man selbst sein größter Feind ist. Die Tränen der Seele. Es ist nun so, wie es ist. Einfach darum.

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Seitenaufrufe: 166 mal Aufgerufen Am 8. April 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Biografie, Borderline, Depression, Schmerz, Seele, Todessehnsucht, Trauer, Wut
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