Schmetterlinge im Himmel

Schmetterlinge im Himmel
Preis: 10,69 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781518665592
Für Krankenschwester Lila stürzt der Himmel ein. Ihr drittes Kind kommt tot zur Welt, die Ehe zerbricht. Sie zieht mit den beiden kleinen Töchtern von Hamburg zurück nach Bayern in ihr Heimatdorf. Die Begegnung mit dem Gemeindearzt bringt eine Überraschung: Lila erkennt in ihm jenen Mann, den sie mit einem peinlichen Vorfall aus ihrer Ausbildungszeit im Spital verbindet. Es kommt zu hitzigen Wortgefechten, die sie jedoch aus Ihrer Trauer reißen. Auch der Doktor hat Lasten aus seiner Vergangenheit aufzuarbeiten. Die beiden kommen sich näher…
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Leseprobe

1 Und die Erde steht still
+ Lass ein Wunder geschehen! Atme! Öffne die Augen! Nur ein einziges Mal. Blödsinn! Du willst, dass sie lebt, länger als einen kurzen Moment …
Im Kleinformat war alles vorhanden. Federleicht lag das Bündel in Lilas Armen. Der Knoten im Hals wuchs ins Unendliche.
+ Du darfst nicht weinen! Später.
Sie wollte ihre Tochter klar sehen, ohne Tränen. Denn die Zeit zerrann unerbittlich. Lila konnte keine Sekunde verschwenden. Jedes Blinzeln kostete sie eine Zehntelsekunde mit ihrem Kind.
+ Schau dir das Gesichtchen genau an, du siehst sie nie wieder!
Das winzige Mädchen wirkte friedlich. Die weiße, durchsichtig scheinende Haut gab ihr ein engelhaftes, ätherisches Aussehen.
+ Vielleicht schläft sie nur? Bitte wach auf!
Sie blieb bewegungslos, zu schwach um zu atmen, zu wenig Mensch um zu leben. So viele „zu“. Lila öffnete leicht das Tuch, in welches das Baby eingewickelt war, streichelte über den Bauch und legte den Zeigefinger unter die schlaffen Händchen. Die Finger unwesentlich dicker als Streichhölzer, vollzählig und trotzdem würden sie niemals zugreifen.
+ Warum?
Lilas Kopf dröhnte. Ihr Körper schmerzte vor Anspannung und ihre Arme verkrampften sich im Bemühen, das Totgeborene nicht zu zerdrücken.
+ Keine Tränen!
Lila kämpfte dagegen an, bis das Bild vor ihr zerbarst. Der Zusammenbruch rückte unweigerlich näher. Gewaltsam zwang sie sich, Atem zu holen.
+ Durchhalten! Gleich nimmt man sie dir weg …
Sie fröstelte. Und sie war allein. Ihr Mann Patrick war hinausgegangen, er wollte diese kurze Zeit mit ihrem totgeborenen Kind nicht teilen.
+ Er hat sie abgelehnt.
Im Mutterleib verstorben, ehe sie leben durfte. Im Zeitraffer wirbelten die letzten Monate durch Lilas Gedanken. Der positive Schwangerschaftstest, die Hoffnung ihres Mannes, dass diesmal der ersehnte Sohn käme. Es folgten die ersten Kindsbewegungen bald darauf der Schock bei der Ultraschalluntersuchung über Patricks unverhohlene Enttäuschung, dass die dritte Tochter in ihr heranwuchs. An diesem Tag war ihre Ehe zu einer leeren Hülle geworden.
+ Mach dir nichts vor. Es hat schon vorher Krisen gegeben.
Stimmen vor der Türe.
+ Nein.
Klacken der Türschnalle, Schritte, eine Person in weißem Arbeitsgewand beugte sich zu ihr herab. „Frau Dirkenreith, ich muss ihr Engelchen jetzt mitnehmen.“ Sanft versuchte die Schwester, ihr das leblose Kind abzunehmen.
+ Es ist zu früh!
Lila drückte das Baby an sich. Ihre Kraft, dem Druck auf die Schleusen zu widerstehen, war endgültig aufgebraucht. In Sekunden war ihre Sicht durch einen dichten Tränenschleier getrübt. Engelchen! Wie konnte nur jemand auf so einen Ausdruck kommen? Lila wollte kein „Engelchen“, sie wollte ein warmes, lebendiges Kind. Nur ein wenig Geduld und sie würde vielleicht doch noch atmen!
+ Jeder ist fähig zu atmen, man muss nicht einmal denken und tut es trotzdem. 23
Sie verspürte plötzlich ein Rauschen in ihren Ohren.
+ Auf keinen Fall loslassen!
Niemand durfte ihr Marie wegnehmen.
+ Die Zeit ist zu kurz, bitte, mehr Zeit!
Sie war nicht imstande gewesen, sich alles einzuprägen.
+ Es gibt keine Wunder!
Maries Brustkorb sollte sich heben und senken, ihr Herz schlagen und ihre Augen sich öffnen.
„Lila, die Schwester muss es jetzt mitnehmen“, hörte sie Patrick dumpf durch das Tosen in ihren Ohren, mit ungeduldig scharfem Unterton sprechen. Er war offenbar mit der Krankenschwester hereingekommen. Es fehlte jegliche Wärme, Lila fror noch ein bisschen mehr. Der Sturm in ihrem Kopf war zu einem gewaltigen Orkan angewachsen.
+ Verdammt, sie ist kein „ES“.
„Sie heißt Marie“, flüsterte sie erstickt. „Marie, Marie, Marie …“ wiederholte sie ein paar Mal wie ein Mantra. Der Schwester gelang es endlich, ihr das Bündel mit sanftem Nachdruck aus den Armen zu winden. Lilas mühsam aufrechterhaltene Stärke schrumpfte zu einem heftigen Schluchzen zusammen.
+ Warum trifft es ausgerechnet Marie?
„Möchten Sie eine Beerdigung?“, erkundigte sich die Krankenschwester, bereits auf dem Weg zur Tür, während sie das weiße Tuch über das Gesicht des Babys zog. Lila spürte deutlich, wie Patrick zögerte.
„Ist das so üblich?“, kam es unschlüssig von ihm. „Ich meine, ohne Taufe …“
+ Das darf nicht wahr sein!
Lila sprang auf. „Ich will ein Grab für sie. Willst du sie etwa zum Krankenhausmüll geben? Sie ist unsere Tochter …“ Ihre Stimme überschlug sich und klang sogar in ihren eigenen Ohren hysterisch schrill.
Patrick umarmte sie plötzlich und zog sie zum Bett zurück. Die Krankenschwester verließ rasch den Raum.
„Beruhige dich.“ Patricks Stimme zitterte leicht, und er drückte Lila fest an sich. Wehrlos und erschöpft ließ sie sich in seine Umarmung fallen. „Ich werde ihr ein Grab besorgen“, fuhr er fort.
„Ich will eine Beerdigung“, flüsterte sie erstickt. „Ich muss von ihr Abschied nehmen können, und einen Ort haben, wo …“
+ Was eigentlich? Ihre Seele ist doch schon fort!

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Seitenaufrufe: 25 mal Aufgerufen Am 24. April 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Familie, Hoffnung, Liebe, Neubeginn, starke Frau, Totgeburt, Trauer, Vergangenheitsbewältigung, Vertrauen
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