Schattenlicht Teil 2

Schattenlicht Teil 2
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Webseite: www.autor-martin-buehler.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Lange erwartet die Fortsetzung der Schattenlicht-Trilogie mit dem zweiten Teil. Der Erste Teil war ein Bestseller bei Amazon und lange auf Platz eins in der Kategorie Geschichte Deutschland. Dieser Teil erzählt die Geschichte meines Vaters während des zweiten Weltkriegs. Mein Vater für den NS-Arbeitsdienst verpflichtet und anschließend zur Wehrmacht eingezogen. Zunächst noch in Deutschland stationiert, gelingt es meinem Vater, neben dem Kriegsdienst das externe Abitur zu erwerben. Sogar Chemie kann er studieren, auch noch während seiner Kommandierung nach Norwegen. Doch dann wird in seinem persönlichen Tagebuch seine Haltung gegen Nazis und Krieg entdeckt, es folgt eine Strafversetzung zu SS-Einheiten an die Ostfront... Wie kam es zum ersten Teil der Schattenlicht-Trilogie? Im Jahr 2001 entrümpelte ich nach vielen Jahren den Dachboden im Haus meines verstorbenen Vaters. In einer gut verschlossenen Holzkiste fand ich seine von ihm niedergeschriebene Lebensgeschichte. Ich setzte mich hin und begann zu lesen. Die Geschichten über die nostalgischen 20er Jahre, über die ich mir eigentlich nie Gedanken gemacht hatte, begeisterten mich. Ich tauchte ein in die Armut der Nachkriegszeit, aber auch in eine Zeit, in der ideelle Werte die oberste Priorität hatten.
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Leseprobe

+++Einberufung zur Wehrmacht

Kaum war ich einige Wochen daheim, bekam ich den Stellungsbefehl zur Luftnachrichten-Einheit nach Augsburg-Pfersee. Mein bei der Musterung vorgetragener Wunsch – Flugzeugführer – ging offenbar nicht in Erfüllung. Einen Erfolg konnte ich aber verbuchen: Ich kam zu einer technischen Einheit. Bei den Gebirgsjägern und bei der Infanterie hatte ich oft genug zugeschaut. Diese Soldaten wurden gedrillt bis an die Grenzen ihrer physischen Kräfte; Gewaltmärsche mit 25 Kilogramm Gepäck über eine Strecke von 75 Kilometern waren mörderisch; die Hochgebirgsübungen noch brutaler. Ich kannte das von meinem Bruder Georg.

Ich hatte keinen Mentor, der mir eine Rückstellung bis zu einem Schulabschluss erwirkt hätte. Termingerecht zog ich in die tristen grauen Gebäude im Pfersee ein. Eine Stadt für sich; große, lange Häuser, jede Gruppe in eine Himmelsrichtung weisend, dazwischen grauschwarzer Teerbelag. Das ganze Areal mit einem Zaun hermetisch abgeschirmt, die einzige Einfahrt mit einem rotweiß lackierten Schlagbaum. Ein bewaffneter Soldat am oder im Wachhäuschen.

Linienbusse und Straßenbahnen karrten immer wieder neue Männer an, die sich zu einem Pulk sammelten. Einzeln musste jeder mit seinem Etikett, dem Einberufungsbefehl, durch die schmale Gasse der Kontrolle. Wie im Straßenverkehr wiesen Schilder zu den einzelnen Kompanien, die in den Papieren aufgeführt waren. Die Einweisung in unsere Zimmer ging problemlos. Neun Mann in dreistöckigen Eisenbetten. Kleiderfassen, Spind einräumen. Unteroffiziere gaben genaue Anweisungen, ein junger Leutnant überwachte die etwa hundertzwanzig Mann, die zu einer Kompanie gehörten und damit eine Einheit bildeten. Es waren alles feine gebildete Leute, gepflegt, in kostbaren Anzügen; viele trugen dicke Hornbrillen.

Da passte ich mit meinem etwas zu klein geratenen Anzug und wenig gepflegtem Äußeren nicht so gut hinein. Doch alle waren freundlich, zurückhaltend und etwas unbeholfen. Sobald der junge Leutnant ein Zimmer betrat, meldete der jeweilige Unteroffizier so zackig, dass man unweigerlich zusammenzuckte. Dem Leutnant musste ich besonders sympathisch gewesen sein, er kam öfter auf unser Zimmer, fragte nur mich woher ich kam und so weiter. Mich wunderte, wieso dieser junge Spund gerade an mir so viel Interesse hatte. Schließlich sagte er: „Bühler, kommen Sie auf mein Zimmer!“ Ich folgte ihm. Dieses Zimmer sah schon sehr vergammelt aus. Ich dachte für mich: Wie kann man bei uns die Spinde so penibel kontrollieren, darauf bestehen, dass von jedem Wäschestück die Kanten scharf und schön geordnet liegen, wenn er selbst gar kein Vorbild sein konnte.. In einem barschen Kommisston ordnete er an: „Sie werden bei mir Putzer!“

Jetzt ging mir ein Licht auf. Er sah mir meine bäuerliche Herkunft an; dass ich drei Jahre gärtnerischer Schuhputzer gewesen war, dürfte er nicht geahnt haben. Er machte mir die Sache sehr schmackhaft: „Du brauchst dafür manchen Appell nicht mitmachten; wenn du meine Sachen immer in Ordnung hältst. Du weißt, als Offizier muss man immer picobello sein, wie lange du dafür brauchst, spielt keine Rolle. Ich gehorchte und begann sofort seine feine Ausgehuniform auszubürsten. Nachdem er sich nun mit mir einen Dummen geangelt hatte, entschwand er in die Stadt. Er befahl mir, ich solle sagen, dass er beim „Offizier von Dienst“ eine Besprechung hätte.

Der Ton dieses jungen Schnösels passte mir gar nicht. Diese Erniedrigung auf Befehl, nein, das war entwürdigend. Ich sann auf Rache. Wie ich so die Uniform aufdämpfte, die Bügelfalten scharfkantig wie ein Messer trimmte, kam ich in einen Zwiespalt: Sollte ich dieses Drückebergerleben auskosten und dafür die Erniedrigung schlucken oder sollte ich mich wehren. Ich hatte noch genügend Bedenkzeit.

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Seitenaufrufe: 120 mal Aufgerufen Am 17. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Biographi, Kristalnacht, Machtergreifung, Nazis, Roman
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