Run Boy. Run Girl.

Run Boy. Run Girl.
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Kinder & Jugend
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781519078049
Früher ein „Nichts“, gehört der fünfzehnjährige Ben jetzt zu einem Parkourteam und damit zu den angesagten Jungs an seiner Schule. Gerade trainiert er mit seiner Truppe für einen Videodreh des Sängers Maddog. Doch eine Krankheitsdiagnose droht seine Pläne zu durchkreuzen. Ben findet sich nicht damit ab: Er verschweigt dem Team seine schwere Krankheit, nimmt stattdessen Drogen, um seinen Körper aufzuputschen. Als er auffliegt und zum Zusehen verdammt wird, trainiert er heimlich weiter. Genervt ist er nicht nur von seinen Eltern, seinen Mitschülern und Lehrern, die ihn in Watte packen wollen, sondern auch von Bahar, der Schwester seines Trainers. Die Fünfzehnjährige mit türkischen Wurzeln hat ihn verraten, wirft ihm ständig Rassismus vor und dann will sie scheinbar auch noch seinen Platz im Team einnehmen.
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Kapitel 1: Ein Mops namens George

Ben

Ich renne. Renne und springe. Ich fühle mich stark. Stark und wütend. Ich spüre jeden Muskel in meinem Körper. Ich balle meine Hände zu Fäusten und spanne meine Oberarme. Ich spüre meine Adern pulsieren. Meine Lunge saugt Sauerstoff, dann stoße ich sie wieder aus. Immer im Takt. Ein-, ein – ausatmen. Ein-, ein – ausatmen. Ich nehme eine Hecke mit einem Reverse. Rückwärts mit einer 360 Grad Drehung. Die Fliehkraft bringt zusätzliche Geschwindigkeit. Leichte Übung.

Bahar

Ich marschiere in Richtung Fluss und zerre den Mops hinter mir her. Ich mag keine Hunde. Die stinken. Anne sieht das anders. Meine Mutter verliebte sich sofort in das Vieh, kaufte und nannte es George. Englisch ausgesprochen, als wäre er ein Prinz. Jetzt habe ich ihn am Hals, vielmehr an der Leine. Gerade kommt mir eine Deutsche entgegen, eine von unseren hochnäsigen Nachbarinnen. Wo bleibt George? Ich will schnell weiter. Die Leine hat sich gespannt. Ich sehe mich um. George hockt da und sieht mich gelangweilt an.

Er scheißt gerade auf den Bürgersteig. In dünn.

Die Deutsche auf dem Gehsteig fragt mich, ob ich „doch hoffentlich eine Kottüte“ dabei habe? „Das ist jetzt Pflicht.“

Sie bleibt stehen, um mich dabei zu beobachten, wie ich die Hundescheiße beseitige. Natürlich habe ich keine Tüte dabei. Ich krame in meiner Tasche und finde nur eine kleine Packung Taschentücher. Ich nehme die Tücher raus, quetsche sie in meine Hosentasche. Dann versuche ich Georges Hinterlassenschaft mit einem kleinen Stöckchen in die Tempoverpackung zu bugsieren. Klappt natürlich nicht bei der Konsistenz und ich bekomme etwas davon an meine Hände. Ich fluche. Frau Nachbarin kichert. Ich drehe die Tüte ein, damit nicht noch mehr ausläuft und verschwinde. Auch die Deutsche geht. Sie hat die Welt vor der Mopsscheiße gerettet. Demnächst wird sie dafür einen Orden bekommen.

Jetzt laufe ich bestimmt einen halben Kilometer mit Georges Scheiße durch die Gegend, ohne dass ein Mülleimer auftaucht. In diesem Stadtteil braucht man die nicht. Hier machen die Menschen keinen Müll. Wie die Deutschen eben sind: Pünktlich, sauber, perfekt.

Ben

Tic-Tac. Erst auf den Absprung konzentrieren, dann auf das Ziel. Abstoßen an der Wand, fliegen über das Geländer, landen auf der Treppe. Weiterlaufen. Ein, ein – ausatmen.

Angefeuert werde ich von Woodkid und ihrem Song Run Boy Run. Habe ich mir als Endlosschleife eingestellt. Kein anderer Song kann mich so pushen.

Passement über eine Balustrade. Weiterlaufen, Ein-ein ausatmen.

Gleich treffe ich auf mein Team. Wenn Mama das wüsste, sie würde durchdrehen.

„Willst du nicht lieber wieder mehr Computerspiele spielen, Ben?“ wäre ihre Frage.

Bahar

Um mich abzureagieren setze ich meinen neuen Retro-Kopfhörer auf und starte mein Handy. Florence and the machine – ihre Stimme lässt mich zur Heldin werden. Niemand, auch keine Scheiße-Aufpasserin, kann mir jetzt noch etwas anhaben.

Besonders mag ich, wenn bei einem Song das Schlagzeug richtig gut durchkommt. Das Schlagzeug gibt den Takt vor, ist der Herzschlag der Songs. Wenn ich beim Hören laufe, richte ich mich nach seinem Takt. Drei Minuten, dreißig Sekunden im Stechschritt zu einem Rock Song, vier Minuten, zehn Sekunden Schlendern zu einer Ballade. Bei einer Dance Nummer würde ich am liebsten wild durch die Gegend springen.

Ich denke an Fußball. Es ist wichtig, dass ich bei den drei Sichtungsspielen aufgestellt werde. Nicht Clara. Die mit ihrem arroganten Gehabe immer. Alle schawänzeln um sie herum, als sei sie Athena, die Göttin von Griechenland. Eine gute Stürmerin ist sie auch nicht. Ich wette, unser Coach ist in sie verknallt. Nur deshalb setzt er sie ständig ein.

Ben

In einen Innenhof. Passe muraille über eine Mauer. Durch einen Garten, an grillenden Menschen vorbei, nicht auf das Rufen achten, weiterlaufen. Ein-ein-Ausatmen.

In ein Haus, die Treppen hoch, aufs Dach. Saut de fond auf das nächste, untere Dach. Auf eine Garage, wieder auf den Boden, abrollen. Weiterlaufen. Ein-ein-ausatmen.

Saut de chat, der Katzensprung. Über eine Tischtennisplatte. Kraftvoller Absprung, Arme über das Hindernis schwingen, Beine gleichzeitig zur Brust, durch die Arme, über die Platte.

Weiterlaufen. Ein-ein-ausatmen.

Bahar

Ich laufe und träume weiter. Bald werde ich U17-Nationalspielerin, fliege zu den Welt-meisterschaften. Dort entdeckt mich die Nationaltrainerin und nimmt mich als jüngste Spielerin aller Zeiten in die Frauenmannschaft auf. Dann spiele ich mit Dzsenifer Marozsán.

Wir werden ein geniales Gespann.

Durch die Träumerei geht es mir besser. Die Scheiße bin ich losgeworden, auch George zieht nicht mehr so an der Leine. Er läuft friedlich neben mir her und sieht ab und an treudoof zu mir hoch. Irgendwie ist er ja schon ganz süß mit seiner kleinen Stupsnase. Hier am Fluss ist es still, die Flugzeuge sind nur von weit entfernt zu hören. Der Nebel, der sich über das Wasser gelegt hat, zeigt sich in Form von Wolken. Sie schweben über den Fluss. Als Kind wollte i…

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Seitenaufrufe: 17 mal Aufgerufen Am 9. Januar 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Angst, Drama, Familie, Fußball, Gesellschaft, Jugend, Krebs, Liebesgeschichte, Parkour, Rassismus
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