Refugium

Refugium
Preis: 4,99 €
Autor:
Genres: Fantasy, Science-Fiction
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9780692351611
m 23. Jahrhundert ist die Erde durch Kriege größtenteils zerstört und verstrahlt. Die übrigen Menschen leben zusammen in einer einzigen Millionenstadt in Afrika. Doch eine genetische Veränderung, mit der einst Soldaten stärker und widerstandsfähiger gemacht worden waren, taucht langsam im Genom einiger Menschen wieder auf und bedroht den mühsam errichteten Frieden. Dieser muss unbedingt erhalten bleiben und dazu ist der Regierung bald jedes Mittel recht ...
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1

(Dienstag, den 15.03. 2203)

Scan ging durch die dunklen, regennassen Straßen, die nur ab und zu vom blassen Licht der Straßenlaternen erhellt wurden. Verschwommene, neblige Lichtkreise, die verwaschene Flecken auf den Asphalt malten und in den Pfützen widerspiegelten.

Doch ihr war nicht unheimlich zumute. Auch wenn man als Frau hier im Dunklen wohl nicht alleine entlanglaufen sollte, fürchtete sie sich nicht. Nein, jetzt war sie es, vor der sich jeder fürchtete, so seltsam dieser Gedanke ihr auch schien. Es war ein fremdes Gefühl für sie, gemieden oder schief angesehen zu werden, und vielleicht war es diese Unsicherheit, die sie hierherführte. Sie war sich nicht sicher, ob es richtig war, was sie gerade tat. In letzter Zeit wusste sie überhaupt nicht mehr, was richtig oder falsch war. Seit dem Tag der Bekanntmachung hatte sich zu viel zu schnell verändert, sodass Scan kaum noch Kontrolle über ihre Gefühle hatte. Es war, als wäre etwas in ihrem Kopf blockiert worden und weigere sich, das Geschehene zu realisieren und zu verarbeiten.

Sie stoppte vor dem Eisentor, das den Eingang zu einem großen Steinhaus versperrte, und schaute auf die schmiedeeiserne Hausnummer. Ja, hier war es. Sie war richtig. Ein düsteres Haus mit verschlossenen Rollläden, sodass man nicht erkennen konnte, ob drinnen Licht brannte oder nicht.

Scan drückte die Klinke des Eisentores und hoffte insgeheim, dass es verschlossen war. Natürlich wäre dies kein Hindernis gewesen, es war leicht, über die niedrige Mauer zu klettern. Doch es würde einen guten Grund liefern, umzukehren. Einfach wieder heimgehen, die Bettdecke über den Kopf ziehen und bis zum Morgen warten, der die Welt in einem anderen Licht erscheinen lassen würde. Wer weiß, vielleicht würde ja alles gut werden und es bestand gar kein Grund zur Sorge. Die Regierung wäre schon imstande, eine faire Lösung zu finden.

Doch sie war nun hier. Zum Umkehren brauchte es einen Auslöser, wenn auch winzig klein. Eine Entschuldigung. So etwas wie eine verschlossene Tür zum Beispiel!

Das Tor war nicht verschlossen. Es öffnete sich geräuschlos und leicht in frisch geölten Scharnieren.

Es hatte aufgehört zu regnen, aber sie zog die Kapuze nicht herunter. Sie wollte hier nicht gesehen werden. Die letzten Tage verfolgte sie das stete Gefühl, tausend Gesichter würden sie hinter Vorhängen, Autoscheiben oder Schaufenstern anstarren.

Scan zögerte. Noch konnte sie umkehren, aber was dann? Reines Anhören war schließlich nicht ungesetzlich! Immerhin waren diese Leute wie sie: von einem Tag auf den anderen zu Aussätzigen degradiert, vor denen sich jeder fürchtete. Natürlich war die Bekanntgabe ihrer Namen und Gesichter nur zum Wohle der Menschheit. Zum Fortbestehen des Weltfriedens … und wer weiß, bald wohl auch zum Lynchen. Vielleicht gab es wirklich keine andere Möglichkeit als diese, vermutlich waren sie gefährlich …

Scan erinnerte sich an den jungen Mann, der sie etwa drei Monate nach diesem folgenschweren Tag angesprochen hatte. Der Tag der Bekanntmachung! Es war wohl der seltsamste in ihrem Leben gewesen, dieser legendäre erste November 2202, gerade vier Wochen nach ihrem 25. Geburtstag.

Ihr war es schon unheimlich, überhaupt zu diesem Test zu gehen, da die Medien bereits zuvor Skepsis gegenüber Menschen wie ihr geäußert hatten. Doch ihn zu verweigern wäre eine Ordnungswidrigkeit gewesen. Sie hatte also dem schriftlichen Aufruf an alle Bürger Folge geleistet und war termingerecht zum Gesundheitsamt gegangen, wo man ihnen allen eine Blut- und Speichelprobe abgenommen hatte.

Das Ergebnis war nicht überraschend. Sie war nur irritiert darüber, plötzlich behandelt zu werden, als hätte sie eine ansteckende Krankheit, obwohl sie sich doch nicht verändert hatte. Natürlich hatten ihr Freund und einige Vertraute damals noch zu ihr gehalten. Auch ihre Familie stand ihr heute noch bei, wofür sie sehr dankbar war. Dennoch hatte sie damals schon geahnt, dass dies alles nicht von Dauer sein würde. Scan war jetzt anders und sie waren normal.

Als Kind hatte sie ihre heimliche Begabung immer für einen Segen gehalten, jetzt war sie ein Fluch. Was als angebliche Untersuchung zu Forschungszwecken begann, entwickelte sich bald zur Ächtung. Ihr Freund verließ sie schließlich doch. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen, sie kamen beide mit der Situation nicht zurecht und er wollte unbedingt Familie.

Bewertung: 5.0 von 5 (4 Bewertung)
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Seitenaufrufe: 35 mal Aufgerufen Am 6. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Ausgrenzung, Dystopie, Genmanipulation
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