Rabenauge

Rabenauge
Preis: 13,95 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783946381051
Rabenvögel belagern das Herrenhaus Trinale. Nur unter dem Einsatz seines Lebens gelingt es Jeremy, sich und seinen Cousin Nolan aus dem alten Gemäuer zu befreien. Getrieben von Rachegefühlen begibt sich Jeremy auf die Jagd nach dem Raben, der ihm kurz vor ihrer Rettung ein Auge entrissen hat. Woher aber rührt der Hass der Vögel? Die Antworten liegen in der Vergangenheit und sind ganz anders, als der Leser vermutet. Vor der Kulisse Cornwalls verwebt Rabenauge Spannung und Unterhaltung zu einem fesselnden Roman, der den Leser unversehens in seinen Bann zieht.
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Leseprobe

Kapitel 5

Nolan schritt durch den Raum zur Fensterfront auf der Ostseite des Anwesens.

Erst jetzt registrierte Jeremy, dass die Fenster von innen komplett mit Latten vernagelt waren. Offensichtlich stammten die Bretter von der Deckenverkleidung. Holzspäne, uralter Staub und zerrissene Spinnweben lagen auf dem Teppich. Nur ein Astloch von der Größe einer Murmel erlaubte den Blick nach draußen.

Nolan trat näher an die Lattenkonstruktion. Er schloss ein Auge und blickte mit dem anderen durch das helle Oval. »Ich dachte es mir! Komm und sieh es dir selbst an!« Hastig drehte er sich zu Jeremy um, wobei er ihn drängend zu sich heranwinkte. »Schau, wie sie dasitzen und lauern. Jetzt sind es wieder sehr viele. Jeden Tag, jede Nacht warten sie. Sie warten und warten und warten.«

Jeremy schob sich an ihm vorbei. Zögernd beugte er sich vor.  

Nolan griff ihm in den Nacken und presste seinen Kopf an das Holz, sodass es unsanft auf seiner Stirn scheuerte. »Schau und sag, ob du es auch siehst! Mach schon!«, forderte er und drückte Jeremy ungeduldig mit der anderen Hand auf den Rücken.

»Ich mach ja schon.« Jeremy entwand sich ihm, bevor er unwillig sein Gesicht dem Astloch näherte. Wie Nolan schloss er ein Auge, um besser hindurchsehen zu können. Mit dem anderen fokussierte er das Unglaubliche, das er da draußen sah.

Unbewusst wich alle Muskelspannung aus seinem Gesicht. Sein Unterkiefer klappte herunter, und er holte hörbar Luft. Sein Herz setzte für einen Schlag aus, und seine Pupille weitete sich ungläubig. Sein Gehirn schien nicht imstande zu begreifen, was es da sah.

Hunderte von schwarzen Vögeln hatten sich dort draußen niedergelassen. Der Rasen war dunkel, die Kopfweiden auf dieser Seite des Grundstücks sahen aus wie geteert und gefedert. So weit er schauen konnte, war alles schwarz. Es war unglaublich!

»Was ist das?«, fragte Jeremy und erkannte seine eigene Stimme, die sich zu einem fiependen Falsett zusammenzog, nicht wieder. Er drehte sich um, räusperte sich und wiederholte: »Was um alles in der Welt ist das?«

»Rabenkrähen! Lateinisch: corvus corone corone.« Nolan hielt den Blick starr auf Jeremy gerichtet. »Erst waren es nur einige wenige. Aber es werden immer mehr. Immer mehr.«

Jeremy schluckte und vernahm einen leisen Klicklaut in seiner Kehle. Dann spähte er wieder hinaus. Immer noch weigerte sich sein Verstand, dieses Bild zu akzeptieren. Er räusperte sich erneut und hüstelte. In der vorherrschenden Stille, die nur hier und da von einem leisen, entfernten Krächzen unterbrochen wurde, klang es wie Donnergrollen.

Sofort fuhren die Köpfe der Krähen herum, und – er wollte schwören, dass es so war – blickten zu ihm.

Als könnten sie ihn sehen, durchbohrten ihn ihre eisgrauen Blicke, und er hatte das Gefühl, dass sie auf sein Räuspern mit deutlicher Unruhe reagierten. Sie trippelten auf der Stelle, hoben die Flügel an, blickten aber weiterhin alle, tatsächlich alle, in sein Auge, das sich schreckensstarr an das splitterige Holz presste.

Eine Gänsehaut jagte Jeremys Rücken hinab, und die Härchen auf seinen Armen richteten sich auf.

Plötzlich schoss eine Art schwarzer Ball auf ihn zu. Mit nach vorne gerichteten Krallen knallte einer der pechschwarzen Vögel gegen die Scheibe. Ein Riss bildete sich an der Aufprallstelle. Er vergrößerte sich knisternd, als die Krähe sich an der Fensterbank festklammerte, aggressiv krächzte und begann, auf die Scheibe einzuhacken.

Entsetzt zuckte Jeremys Kopf zurück. Abwehrend hob er die Hände und trat einen Schritt nach hinten.

Die Männer sahen den Vogel zwar nicht, hörten aber umso deutlicher sowohl die Krallen, die auf der steinernen Fensterbank kratzten, als auch die wütenden Schnabelhiebe, die die Fensterscheibe attackierten.

Nach einer Weile verstummte das Geräusch.

Hatte die Krähe ihren Platz verlassen und sich wieder zu den anderen gesellt? Oder lauerte sie darauf, dass sich ein ungeschütztes Auge in der Öffnung zeigte, um es zu attackieren?

»Das war eine eindeutige Warnung an dich, mein Freund«, sagte Nolan.

»Glaubst du wirklich, die wissen, dass wir uns in diesem Raum befinden?«

»Selbstverständlich«, erwiderte Nolan. »Bereits seit vielen, vielen Wochen beobachten sie jeden meiner Schritte. Zu Beginn waren es nur sehr wenige, und ich habe mir nichts dabei gedacht. Als es immer mehr wurden, fühlte ich mich schon fast verfolgt, und ich wechselte alle paar Stunden den Raum, um mich vor ihnen zu verstecken, aber es ist hoffnungslos. Sie sind die reinsten Stalker! Seit gestern verschanze ich mich hier. Ich glaube, die ersten Tiere haben mich nur bespitzelt und meine Gewohnheiten ausspioniert.«

Entgeistert sah Jeremy ihn an. »Es sind Vögel! Du sprichst von ihnen, als könnten sie denken oder sogar überlegt handeln.«

Bewertung: 5.0 von 5 (1 Bewertung)
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Seitenaufrufe: 82 mal Aufgerufen Am 15. September 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Cornwall, Geheimnis, Krähen, Raben, Rache
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