Opfer und Täter

Opfer und Täter
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: http://uwealexi.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783981767919
Der Albtraum sämtlicher Eltern und Lehrer ist Wirklichkeit geworden: Auf einer Klassenfahrt verschwinden die beiden fünfzehnjährigen Schüler Ronnie und Jason. Den verwöhnten Millionärssohn Ronnie findet man nach einer aufwendigen Suchaktion mit einem Kopfschuss in einer Blutlache in der Villa seiner Eltern am Wörthersee. Jason, der aus weniger gut betuchtem Hause stammt, bleibt verschwunden. Die Polizei tappt völlig im Dunkeln und gibt die Suche schließlich auf. Drei Jahre später werden dem Journalisten Armin Anders Bilder zugespielt, die Jason auf einer Yacht zeigen könnten. Sind die Bilder echt oder geschickte Fälschungen? Kann es wirklich sein, dass Jason nach drei Jahren noch lebt? Kurze Zeit später wird Jasons Mutter Daniela entführt, brutal gefoltert und nahezu unbekleidet nachts bei einem beliebten Ausflugsziel ausgesetzt. Ein Zusammenhang mit dem Verschwinden ihres Sohnes ist nicht ersichtlich. Weiß Daniela mehr, als sie zugibt? Kann ihr Bruder Armin Anders den Fall aufklären, obwohl jemand Katz und Maus mit ihm zu spielen scheint? Welche Rolle spielen Ronnies Eltern und der geheimnisvolle Milliardär Brain, der eine eigene Privatarmee unterhält und für den keine Gesetze zu gelten scheinen. Wer ist in dem perfiden Spiel Opfer und wer Täter?
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Das Grauen

Im Februar 1980

Der Junge wälzte sich unruhig im Bett umher. Auf seiner Stirn standen Schweißperlen, die so groß waren, dass sie ihm bei seinen ruckartigen Bewegungen auf der Haut hinunterliefen. Der Schweiß brannte in seinen Augen. Er versuchte, mit seinen Fingern das Brennen zu lindern, doch dadurch wurde es nur noch stärker. Es war stockdunkel um ihn. Kein Lichtstrahl drang in das kleine Kämmerchen, in dem er untergebracht war. Das ängstigte den völlig verstörten Jungen noch mehr. Er hatte das Gefühl, nicht allein in seinem Zimmer zu sein, wartete jede Sekunde darauf, dass ihn jemand ergreifen würde, aber nichts geschah. Er setzte sich auf, horchte gespannt in die dunkle Nacht, doch kein Laut drang zu ihm. Er musste sich getäuscht haben. Niemand war bei ihm.

Der Junge legte seinen Kopf wieder auf das harte Kissen nieder. Deutlich konnte er die Federkiele spüren, die an seiner Wange kratzten. Die Kopfunterlage war von lausiger Qualität und darüber hinaus völlig durchnässt, durchnässt von seinem eigenen Schweiß, dem Angstschweiß eines Zehnjährigen. Und von seinen Tränen. Wie viele Nächte er nun schon in dieser Kammer verbracht hatte, wusste er nicht. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sein Martyrium begonnen hatte. Die dicken Natursteinwände waren feucht und strahlten eine Kälte aus, die ihn zusätzlich belastete.

Wann hatte er zum letzten Mal richtige Wärme gespürt? Das musste lange her sein. Schluchzend drehte er sich wieder von einer Seite auf die andere, versuchte, den Schlaf zu finden, den sein kleiner, ausgemergelter Knabenkörper so dringend benötigte.

Er war ein kluges Kind und wusste genau, dass er seinen eigenen Kopf überlisten musste: Nur nicht an das Grauen denken, ich muss etwas Schönes vor meinen Augen sehen, etwas, das mich ablenkt. Mami und Papi, ich vermisse euch so sehr! Warum könnt ihr nicht mehr bei mir sein?

Er dachte an die guten Zeiten zurück. Tage, in denen sie eine glückliche Familie waren. Unbeschwerte Kindheit, Spaziergänge mit seinen Eltern durch die Sommerwiesen hinter ihrem Haus. Er pflückte Blumen, damit sie später in einer Vase den Esstisch schmücken konnten. Der Geruch des Sommers mit seinen unzähligen Blüten stieg in seiner Nase auf. Er war glücklich und schlief mit einem Lächeln auf dem Gesicht in Gedanken an den Sommer im letzten Jahr ein. Die perfekte Illusion!

Die Illusion hielt gerade mal zwei Minuten an. Sein Lächeln gefror, er atmete wieder heftiger, der kleine Körper zuckte. »Nein, nein! Ich will nicht! Lass mich in Ruhe, verschwinde!«

Er sprach im Schlaf und fühlte sich völlig hilflos. Der Mann hielt seine Hände wie zwei Schraubstöcke fest. Der Junge trat mit seinen schmächtigen Beinchen nach ihm, versuchte, ihn mit Füßen und Knien zu erreichen. Doch der Mann wich geschickt aus. Schließlich fixierte er den Jungen so, dass er sich auf ihn draufsetzen konnte.

Der Mann presste seine Hand auf den Mund des Knaben und flüsterte ihm mit eindringlicher Stimme ins Ohr: »Wenn du schreist, dann schlitze ich dir den Bauch auf!«

Der Junge sah den Mann mit weit aufgerissenen Augen an, konnte ihn in der Dunkelheit mehr erahnen als erkennen und doch wusste er genau, wen er über sich hatte. Er sah kurz ein Messer aufblitzen, das schüchterte ihn sofort wieder ein. Zu präsent war der Schmerz am rechten Zeigefinger, an dem der Mann ihm bei seinem ersten Besuch das Messer bis zum Knochen reingetrieben hatte. Nein, er würde nicht schreien und auch nichts sagen. Er wusste, niemand würde ihm glauben und alles würde noch schlimmer werden.

Der Junge warf den Kopf wild von einer Seite zur anderen. Er spürte, wie der Mann seine Beine mit roher Gewalt auseinanderzerrte. Längst schon hatte er keine Schlafanzughose mehr an. Er riss seine Augen auf und … sah nichts. Hörte nur seinen eigenen heftigen Atem. Verwirrt griff er mit seinen Händen um sich, doch da war nichts. Er fühlte nur das schäbige alte Bett, auf dem er lag, und die kalte, feuchte Natursteinwand an der linken Seite.

»Nur geträumt!«, keuchte er vor sich hin, »nur geträumt!« Dieses nur geträumt verfolgte ihn seit Wochen. Er versuchte, seine Gedanken zu sammeln und sich zu erinnern, wie oft er diese Szene tatsächlich durchlebt, und wie oft er sie nur geträumt hatte. Fantasie und Realität mischten sich in seinem kleinen Kinderhirn. Er versuchte sich zusammenzureißen.

Beruhige dich. Heute Nacht wird er nicht kommen. Ich muss schlafen, ich bin so müde, aber habe gleichzeitig so viel Angst. Bitte lieber Gott lasse mich an etwas Schönes denken und einfach nur einschlafen!

Gerade war er dabei, sich zu beruhigen, sein Pulsschlag hatte sich etwas normalisiert, als ihn ein Geräusch erschaudern ließ. Da war es wieder: Das Knarren der Dielen in dem jahrhundertealten Gebäude. Es war kein entferntes Knarren, es war direkt vor seiner Tür. Voller Angst zog er die Bettdecke über den Kopf, als könnte er damit das Unabwendbare draußen halten. Draußen aus seinem Zimmer, draußen aus seinem Bett. Er wusste jedoch genau, was passiere…

Bewertung: 5.0 von 5 (2 Bewertung)
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Seitenaufrufe: 143 mal Aufgerufen Am 12. November 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Folter, Opfer, Rache, Schuld, Täter
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