Opfer-Leid

Opfer-Leid
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: https://karinfranke.jimdo.com
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als E-Book
ISBN: 9783743812314
Er hat sein Kind nicht schützen können! Als Michael erfährt, dass seine Tochter jahrelang missbraucht wurde, bricht seine Welt zusammen. Er sinnt auf Rache. Doch dann geschieht ein Mord - der ursprüngliche Täter wird zum Opfer. Und plötzlich steht Michael im Fokus der Ermittlungen.
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1

Es war kalt, er schätzte mindestens fünf, sechs Grad unter null. Trotz der dicken Stiefel und der Weste unter der dicken Daunenjacke fror er erbärmlich. Schutzsuchend drängte er sich in die Ecke des Hauseinganges und tastete nach den Scheinen in seiner Hosentasche. Viel Geld besaß er nicht mehr, aber für diese Unterkunft reichte es allemal. Dann konnte er auch endlich das Handy aufladen.

Er schob den Ärmel der Jacke hoch, um die Uhrzeit abzulesen. Fast acht. Hoffentlich war das Zimmer noch frei. Er zog den Schal bis knapp unter die Nase und machte sich auf den Weg.

Im Wohnzimmer brannte Licht, er drückte auf die Klingel und wartete, bis der Summer ertönte. Die Lampe im Hausflur war wieder mal kaputt, die Straßenbeleuchtung erhellte notdürftig die Stufen, sodass er sich hinauftasten konnte.

Sie stand in der geöffneten Tür und musterte ihn wortlos.

Schweigend streifte er die Handschuhe ab und zog einen zerknitterten Zehner aus der Hosentasche.

Sie schnappte danach und wich zurück, damit er hinter ihr eintreten konnte. Erst als sie die Tür geschlossen hatte, sagte sie: „Jamal ist nicht da. Du weißt Bescheid. Morgen früh um acht musst du wieder gehen.“

Er nickte und streifte den Rucksack von seiner Schulter. Die Wärme begann bereits seine Muskeln zu entspannen und er fühlte, wie müde er war.

„Willst du auch was essen?“

Er zögerte und schüttelte den Kopf. Bei seinem letzten Aufenthalt hatte sie fünf Euro für zwei Scheiben hartes Brot, etwas Käse und eine Tasse Tee verlangt. Da bekam er selbst bei McDonalds mehr für sein Geld.

Sie wies mit einer Kopfbewegung zum Ende des Flurs. „Du weißt ja, wo es ist. Wenn du ins Bad musst, geh gleich. Ich bekomme Besuch.“

Er senkte den Blick, während er sich an ihr vorbeiwand, damit sie seine Gedanken nicht lesen konnte. Zehn Euro für zwölf Stunden Wärme und Sicherheit und ein einigermaßen behagliches Bett, das durfte er nicht aufs Spiel setzen.

Er schälte sich aus Jacke und Weste und stellte die Stiefel unter das Bett, bevor er das Bad aufsuchte. Sein Blick fiel auf die sich in der Duschtasse stapelnde Schmutzwäsche, die fleckigen Fliesen und die Schmutzränder an Spülstein und Toilette. Er verzog abschätzig die Lippen. Sugar war eine Schlampe. Die saß den ganzen Tag nur auf ihrem Hintern und ließ sich aushalten.

Mit spitzen Fingern klappte er die Brille hoch und erleichterte sich im Stehen. Dann ließ er minutenlang heißes Wasser über seine Hände laufen, bis das Prickeln aufhörte. Anschließend füllte er den mitgebrachten Becher bis zum Rand.

Der letzte Beutel Tee, stellte er zurück in seinem Zimmer trübsinnig fest. Es wurde wirklich Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen.

Er schob diesen unerfreulichen Gedanken zur Seite und griff zu Ladekabel und Handy. „Hallo, Mama. Wie geht es euch? Hast du das Geld bekommen?“ Er warf sich auf das Bett und streckte sich wohlig.

Das Telefongespräch war kurz. Er schob wichtige Verpflichtungen vor und versprach, sich bald wieder zu melden. Das Wichtigste war, dass zu Hause alles gut lief, er selbst hatte nichts zu erzählen. Lieber einsilbig bleiben, dann verstrickte er sich nicht in Lügen.

Er drehte sich auf den Rücken, nippte an seinem Tee und grinste. Er war schon immer ein miserabler Lügner gewesen. Mama hatte ihn jedes Mal sofort durchschaut und es hatte Prügel gesetzt. Oh ja, sie hatte eine harte Hand. Das war auch nötig bei sieben Kindern. Und jetzt zählte sie auf ihn. Er war der Älteste, er musste sie unterstützen.

Während sein Körper sich immer mehr entspannte, ließ er seine Gedanken zurückwandern. Es war die Idee seines Onkels gewesen, dass er in Deutschland sein Glück versuchen sollte. Der hatte ihm seitenweise Berichte im Internet gezeigt: Jeder war dort glücklich und zufrieden. Keiner musste Hunger leiden. Der Staat sorgte für seine Bewohner, gab ihnen Geld und eine Wohnung, sogar ein Auto. Allein die finanzielle Unterstützung reichte aus, die Familie in der Heimat zu versorgen.

Er seufzte. Wie anders stellte sich die Wirklichkeit dar! Lange würde er den Betrug nicht mehr aufrechterhalten können. Die Beträge, die er seit dem letzten großen Coup schickte, waren deutlich geschrumpft. Bisher hatte er sich mit dem kalten Winter herausgeredet, der es ihm unmöglich machte, Arbeit zu finden. Aber seine Mutter war nicht dumm. Bald würde sie seine Lügen durchschauen.

Nein! Er wandte sich erfreulicheren Gedanken zu. Vielleicht gelang es ihm, so wie Jamal, eine Freundin zu finden, die ihn aufnahm und ihn heiratete. Dann konnten sie ihn nicht mehr abschieben. Er würde eine Ausbildung machen und einen gut bezahlten Job finden, sodass er sich weiter um seine Familie kümmern, sie vielleicht sogar nachkommen lassen konnte.

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Seitenaufrufe: 10 mal Aufgerufen Am 3. Oktober 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: dissozial, Mord, Opfer, Rache, sexueller Missbrauch, Trauma
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