Nichts geht mehr – ohne dich

Nichts geht mehr – ohne dich
Preis: 0,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Eine Amour fou der besonderen Art: Die fünfzigjährige Claudia verliebt sich in den zehn Jahre jüngeren Sascha, der als Croupier arbeitet und verheiratet ist. Auch Sascha kann der erotischen Ausstrahlung der älteren Frau nicht widerstehen und lässt sich auf eine Affäre mit ihr ein. Doch Claudia erliegt immer mehr der Spielleidenschaft und ignoriert alle Versuche Saschas, sie vom Roulettetisch wegzubringen. Die Katastrophe bahnt sich an. Wird Claudia den Absprung schaffen? Hinweis: LeserInnen, die gegenüber deutlichen erotischen Szenen nicht so aufgeschlossen sind, sollten diesen Roman besser nicht kaufen.
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Es war dieses Bankjubiläum gewesen, zu dem ich mit drei meiner Kollegen und dem mobilen Casino nach Frankfurt gekommen war. Im Vorfeld hatte ich schon mit ihr gemailt und telefoniert, denn sie war für die Organisation der Veranstaltung verantwortlich gewesen. An diesem Abend hatten wir uns das erste Mal gegenüber gestanden, noch ein paar letzte Details zur Zeitplanung und dem Ablauf des Abends besprochen. Alles wie üblich. Ich hatte sie als Businessfrau wahrgenommen, in ihrem schwarzen Kostüm mit weißer Bluse darunter, der Rock eine Handbreit über dem Knie endend und die Füße in Nubukpumps mit halbhohem Absatz. Sie war größer als ich, was nicht sehr oft vorkam, doch ihre Figur hatte ich nur beiläufig wahrgenommen. So, wie ich Frauen, die an meinem Tisch spielten, stets beiläufig mit einem rasch scannenden Blick wahrnahm. Hatte diese Dame etwas Besonderes an sich, eine Ausstrahlung, auffallend schöne Hände oder einen besonders lasziven Augenaufschlag? Ich war mittlerweile ein Meister im Einschätzen dessen, was hinter der aufgehübschten Fassade der elegant gekleideten Frauen lag. Einsamkeit? Leere? Sexuelle Unerfülltheit? Manchmal unterhielt ich mich in den Pausen mit meinen Kollegen über die ein oder andere Spielerin, und wir tauschten unsere Vermutungen über deren Leben aus. Welcher Gruppe war sie zuzuordnen: der der gelangweilten Ehefrauen, die das hart erarbeitete Geld ihres Mannes verspielten, um ihn für seine Abwesenheit und Kälte zu strafen? Oder der der Zockerinnen, denen es ein körperliches Kribbeln der Erregung bescherte, wenn sie die Kugel beobachteten, die im Roulettekessel unbeeinflussbar rollte? Es war eine Herausforderung für mich und ein Training für meine Menschenkenntnis. Außerdem machte es Spaß. Gab den ansonsten recht gleich verlaufenden Abenden und Nächten eine gewisse Spannung.

Claudia nahm ich zunächst nur als Geschäftspartnerin wahr. Zudem sah ich, dass sie älter war als ich. Wie viele Jahre vermochte ich nicht einzuschätzen, zu oft schon hatte ich mich zuungunsten der Frauen verschätzt. Es gab jene Damen, deren Haut so runzlig und solariumgebräunt war, dass sie Jahre älter aussahen, jene, die die Falten an ihrem Hals noch mit schwerem Gold- oder Perlenschmuck in den Blick des Betrachters rückten und jene, die das Make-up so dick auftrugen, dass man die Befürchtung hatte, es würde bröckeln, sollte die Frau ihre Mundwinkel zu einem Lächeln verziehen. Zu all diesen Frauen gehörte Claudia nicht. Ihr Gesicht war nicht mit einer dicken Schicht Make-up zugekleistert. Nur die Augen, die hinter einer Brille mit breitem braunen Rand wach blickten, waren geschminkt. Auf den Lippen einen Hauch Lipgloss. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem Pagenschnitt geföhnt, dessen vordere Spitzen unter ihrem Kinn endeten.

Wie üblich bei solchen Veranstaltungen hatte es Reden gegeben und ein Büffet, das irgendwann eröffnet wurde. Zwischendurch wurde gespielt. Wir hatten zwei Roulettetische, einen Black- Jack- und einen Pokertisch aufgebaut. Ich war Dealer am Roulettetisch.

Als Claudia das erste Mal neben mir stand, spürte ich schon ihre Aura. Und als sie saß, schweifte mein Blick öfter über ihre schwarzbestrumpften Beine, besonders, wenn im Eifer des Gefechts ihr Rock etwas nach oben rutschte. Sie setzte immer auf die gleiche Art: Fünf auf eine Zahl und zwanzig auf Reihen oder Carrés. Auch mal Hundert auf Rot oder Schwarz, Gerade oder Ungerade. Es war nur Spielgeld für sie und die anderen. Jeder hatte am Anfang eine bestimmte Summe ausgezahlt bekommen, die er im Laufe des Abends möglichst vervielfachen sollte. Derjenige, der den höchsten Betrag erspielt hatte, war der Gewinner und erhielt einen Preis. Schon beim zweiten Einsatz kam ihre Zahl. Die 19. Sie freute sich sehr. Ein kleiner Jauchzer kam über ihre Lippen. Doch sie wartete sehr diszipliniert, bis ich allen Spielern ihre Gewinne ausgezahlt hatte und ihr zum Schluss den fünfunddreißigfachen Einsatz zuschob.

Irgendwann wollte sie einen Hunderter gewechselt haben und als ich ihr die Jetons übergab, berührten sich unsere Hände. Ich schwöre, es gab eine elektrische Entladung. Ich sah einen Sekundenbruchteil in ihre atemberaubend grünen Augen und erblickte darin eine Verheißung.

Später stand sie mir gegenüber an der anderen Seite des Tisches. Wenn sie sich über den Tisch beugte, um auf eine weiter entfernte Zahl zu setzen, wehte ein Hauch ihres Parfüms zu mir herüber. Doch unter dem Parfümgeruch nahm ich schon ihren Eigengeruch wahr. Und dieser Geruch ließ mich nicht kalt, wie ich an meinen körperlichen Reaktionen merkte.

Im Raum war es heiß. Zu heiß. Ich schwitzte in meinem Smoking und unter der Fliege. Deshalb war ich froh, als ich endlich eine Pause machen konnte. Als ich vom Klo zurückkam, holte ich mir einen Kaffee und stand im Foyer herum. Da war sie, was für ein Zufall, und sie kam direkt auf mich zu.

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Seitenaufrufe: 50 mal Aufgerufen Am 10. September 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Amour fou, Erotik, Liebe, Lust, Spielsucht
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