Nebelring – Das Lied vom Oxean

Nebelring – Das Lied vom Oxean
Preis: 12,90 €
Autor:
Genres: Fantasy, Kinder & Jugend
Webseite: http://anna-moffey.com
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781503074071
"Wahre stets dein Gesicht." Zoe Craine kennt ihren Vater nicht, obwohl sie ihn jeden Tag sieht. Er ist krank und in einem Traumzustand gefangen, aus dem heraus er seine Umgebung nicht wahrnimmt. Der Gründer der umstrittenen Organisation namens Nebelring hat ihn mit der neuen, auf Malwee-Substanz basierenden Silbermagie gefährlich vergiftet. Eine Heilung gibt es bislang nicht und doch ist es genau das, was Zoe sich ersehnt. An ihrem sechzehnten Geburtstag vertraut sie diesen Wunsch ihrer Geburtstagskerze und den Freunden ihres Vaters an und ahnt dabei nicht, dass sie sich direkt in einen Aufstand gegen den Nebelring wünscht.
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

Ich bin zu aufgewühlt, um wieder auf die Feier zu gehen, auch wenn es meine eigene ist. Ich schlüpfe in mein Zimmer auf der Kinderstation, denn ich habe vor, früher ins Bett zu gehen, um den Ärger wegzuschlafen. Doch als ich die Zelorossoflöte auf dem Bett sehe, entscheide ich mich lieber für ein kurzes Spiel.

Ich beobachte das neue Geschenk von allen Seiten, nehme es in die Hände und lege sogar meine Lippen auf das Mundstück, doch ich traue mich nicht, zu spielen. Dass ich, wie beim ersten Mal, Kopfschmerzen bekomme, ist sicher. Die Neugier ist trotzdem größer als die Angst, also beginne ich mit einem einfachen Lied.

Augenblicklich ereilt mich der Schmerz, der von Übelkeit gefolgt wird und mich zum Aufhören zwingt. Ich atme tief ein, schließe die Augen und öffne sie sofort wieder, da die Übelkeit sich verstärkt. Noch zwei weitere Atemzüge und ich stürze zum Bett, greife nach der Schüssel, die darunter steht, und erbreche mein gesamtes Geburtstagsessen darin.

Mehrere Minuten sitze ich bewegungslos da, mit dem widerlichen Geschmack von Galle im Mund und habe Angst die Augen zu schließen. Mein Kopf ist leer, die Augen werden trocken und ich zwinge mich zu blinzeln.

Ich schnappe nach der Zelorossoflöte und der Schüssel  und gehe zur Mädchentoilette. Nachdem ich die Schüssel geleert und ausgespült habe, setze ich mich auf die Ablageplatte, in die die Waschbecken eingelassen sind, verschränke die Beine ineinander und wage es erneut zu spielen. Hier ist es sicherer – Wasser und Toilettenschüssel sind in Reichweite.

Das letzte Mal habe ich mit zu viel Luft gespielt, also versuche ich es sanfter und mir gelingen zwei gerade Töne. Der Dritte versetzt mir wieder einen Hieb. Zwar bin ich darauf vorbereitet, verliere dennoch die Konzentration und forme die weiteren Töne hektisch und schief, bis ich mich selbst auffordere, sanfter zu spielen.

Die Umgebung erlebt eine Veränderung. Die Spiegel neigen sich von hinten auf meinen Rücken und bilden einen langen, breiten Umhang, bestehend aus einer zähen Flüssigkeit. Plötzlich ergießt er sich plätschernd über meinen Körper.

Mir stockt der Atem und das Lied bekommt wieder eine ungewollte Zerrung.

Als Nächstes verfärben sich die hellgrünen Kabinentüren in ein zartes Gelb. Zu Beginn nur leicht, doch dann ist die Färbung eindeutiger. Darauf wachsen große, weiße Blumen, die aussehen, als hätte ein Kind sie gezeichnet.

Es ist schwer zu begreifen, was um mich herum geschieht, ich habe keinen klaren Gedanken, außer »Du meine Güte« oder »Großartig!«

Das Toilettenpapier entrollt sich und bildet Wolken, die um mich herum schweben, dann wieder in Papierkügelchen abregnen und sich zu dünnen, langen Ketten auf dem Boden einreihen und eine Spirale formen. Aus den Wasserhähnen fliegen Schmetterlinge, die durchsichtig sind wie Wasser. Sie stürzen in hoher Geschwindigkeit zu Boden und verwandeln sich dort in Fische, die entlang der Spirale aus Toilettenpapier schwimmen und zu einer durchsichtigen Wassersäule werden. Diese Wassersäule ist wie ein dünner Strahl, der bald bis zur Decke reicht, doch kurz davor bringt ihn ein weiterer Wasserschmetterling zum Schwanken und er stürzt auf mich ein. Wie ein Degen droht er meinen Kopf entzwei zu spalten. Ich schreie, lasse die Flöte klirrend zu Boden fallen und ducke mich.

Ein gewaltiger Schmerz durchzuckt meine Schädeldecke und ich erwarte warmes Blut, über mein Gesicht fließen zu spüren, doch es passiert nichts.

Die Kopfschmerzen ebben ab und ich wage es, meine schützende Haltung aufzugeben. Die Umgebung ist so, wie sie vor meinem Spiel war: Die Türen grün, auf dem Boden weder Wasser noch eine Spirale und die Spiegel sind auch an ihrer ursprünglichen Stelle. Dort ist die Schüssel, die ich zum Abtropfen umgedreht auf den Boden gestellt habe. Alles ist wie immer, doch die Schmerzen und das, was ich erlebt habe, hat sich echt angefühlt.

»Alles nur eine Illusion«, flüstere ich.

Bewertung: 0.0 von 5 (0 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 67 mal Aufgerufen Am 10. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: alternative Welt, Aufstand, Beschwörer, Fantasy, Jugendroman, Magie, Silber, Technik, Vergiftung
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.