NATO-Kollateralschaden Jugoslawien

NATO-Kollateralschaden Jugoslawien
Preis: 14,95 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Webseite: www.bertholdknabe.de
Erscheinungsjahr: 2011
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
"NATO-Bomben. Jugoslawien - 78 Tage zwischen Hof und Keller" ist ein Tagebuchroman für die Menschen, die Interesse an den Geschehnissen rund um den Kosovo-Krieg haben. Für diejenigen, die fern jeder Propaganda erfahren möchten, wie die Menschen in Novi Sad während der 78 Tage andauernden Bombardierungen im Jahre 1999 ihren Alltag erlebten. Für jene, die immer schon wussten, dass Kriege wie der im Kosovo vor allem die Zivilbevölkerung treffen und gewiss auch für die, die in dem Glauben sind, dass alle Serben Anhänger des Milosevic-Regimes waren. Begründet durch meine über zehn Jahre währende Verbundenheit mit dem Land, aus dem meine Frau stammt, beruht dieser Roman auf den Aufzeichnungen meines dort lebenden Neffen, der während des Krieges einen täglichen Bericht für die Zivilschutzbehörde anzufertigen hatte, sowie auf Gesprächen mit Augenzeugen, die ich ein Jahr nach dem Krieg vor Ort geführt habe.
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Leseprobe

Mittwoch, 24. März 1999

   Völlig übermüdet wachte ich um 5.30 Uhr auf. Ich wusch mich, setzte den Kaffee auf und weckte Sandra.

Wir nahmen uns vor, in Zukunft etwas früher ins Bett zu gehen. Die langen Diskussionsabende, so wie gestern, führen, außer dass man am nächsten Morgen mit verquollenen Augen und einem langen Gesicht umherwandelt, doch zu nichts.

  Gestern, nach den Nachrichten, gesellten sich noch Goja, Laza und seine Frau Jovanka zu uns. Etwas später kamen noch Slobodan und Biljana dazu.

Alle hatten die Nachrichten verfolgt und jeder wusste etwas anderes daraus zu deuten. Vor allem rätselten wir darüber, was es mit dem Vertrag von Rambouillet auf sich hat. Warum unterschrieb Milosevic nicht? Warum nahmen nur die Albaner den Vertrag an? Fragen über Fragen. Und die Antworten darauf blieb man uns schuldig.

  Die Frauen vertraten, – wie sollte es auch anders sein – die negativsten Meinungen. Sie glaubten, dass die NATO im Kosovo eingreifen wird. Slobodan, Ivan und ich, eher an ein drohen, und an vereinzelte Überflüge der NATO-Flugzeuge über dem Kosovo. Goja und Laza schlossen sich unserer Meinung an. Aber alle waren wir uns in einem Punkt einig. Und das ist: dass es gut ist, in der Vojvodina mit seinen vielen ethnischen Volksgruppen zu leben. Denn hier gab es noch nie Schwierigkeiten, und Nationalisten wie Seselj, haben auch keine Chance, bei uns Stimmung zu machen. Nein, wir hier in der Vojvodina fühlen uns multikulturell. So manches geht hier auch ein bisschen langsamer und bedächtiger als anderswo. Dafür aber auch mit mehr Toleranz.

  Sandra verließ das Haus wie gewohnt um 6.00 Uhr. Ich ging eine halbe Stunde später.

  Gegen 18.00 Uhr kam ich nach Hause. Sandra war noch nicht da. Sie musste heute länger arbeiten, weil eine Kollegin wegen Krankheit ausgefallen war.

Nachdem ich mir ein paar Spiegeleier gegönnt hatte, legte ich mich auf die Couch. Ich muss wohl eingenickt sein, denn ich erschrak, als sich jemand über mich beugte und mir einen Kuss auf den Mund gab. Natürlich war es Sandra.

   „Wie lange bist du schon hier?“, fragte ich.

   „Bin gerade erst gekommen.“

  Noch vom Schlaf benommen schielte ich auf die Uhr, die im Regal neben dem Plattenspieler steht. Es war 19.45 Uhr.

  Wenige Minuten vor 20.00 Uhr vernahm ich Biljanas Stimme, die von ihrer Wohnung aus – die sich im dritten Stock befindet – ihren im Hof fußballspielenden Zwillingen zurief, dass es nun Zeit sei, hoch zu kommen.

Sandra war gerade dabei sich umzuziehen. Ich drehte mich noch einmal um und zog mir die Decke übers Gesicht.

   Plötzlich wurde ich wie von einer Riesenhand emporgehoben und von der Couch geschmissen! Dann hörten wir eine ganz große Detonation. Wenige Sekunden darauf das Gleiche noch einmal. Abermals erfasste mich die „Geisterhand“, riss mich hoch und schon erfolgte die nächste Detonation. Sie war genauso stark wie die Erste. Das ganze Haus wurde bis in seine Grundfesten erschüttert. Der Boden, die Wände, alles schwankte, wie bei einem Erdbeben. Alles spielte sich in wenigen Sekunden ab. Instinktiv schaute ich auf die Uhr. Es war genau 20.03 Uhr.

   Sandra stand mit kreidebleichem Gesicht am Schrank gelehnt und starrte mit weit aufgerissenen Augen zu mir herunter. Dann öffnete sich ihr Mund und sie schrie, als ich mich hochrappelte: „Was ist los? Was ist los?“

  Ich fasste sie an die Schulter und sagte, sie soll Kerzen, Ausweise und eine Taschenlampe nehmen, und nach draußen auf dem Hof gehen.

  In dem Moment, als wir durch die geöffnete Tür liefen, verspürten wir einen starken Luftdruck, der an unserer Kleidung zerrte, und schon krachte es wieder!

Auch diese Detonation war so gewaltig, dass alle Häuser um uns herum erzitterten. Einige Fensterflügel wurden aus ihren Halterungen gerissen, und hingen entweder schief an den Scharnieren oder lagen zersplittert im Hof. Das große und schwere Eingangtor, das zuvor noch weit offengestanden hatte, war durch die Druckwelle zugeschmettert worden.

Von der Straße her und vom Parkplatz schrillten die Alarmanlagen der abgestellten Autos in allen möglichen Tonlagen. Es war unbeschreiblich. Chaos pur!

Die Menschen, eben noch mit ihren Einkäufen oder anderen Nebensächlichkeiten beschäftigt, liefen auf der Straße umher, und schauten mit schreckgeweiteten Augen zum Himmel. Wie durch ein Wunder brach keine Panik aus. Aber der Schock saß tief.

  Auch bei uns auf dem Hof. Wir überlegten, wo wir am besten Schutz finden könnten. Dann sagte ich zu Sandra, Slavica und Ivan, dass sie sich mit ihren Dokumenten zum Kellereingang begeben sollen.

  Der Keller besteht aus einem schmalen Gang und liegt in etwa vier Meter Tiefe …

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Seitenaufrufe: 64 mal Aufgerufen Am 31. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Bomben, Donau, Jugoslawien-Krieg, Kosovo-Krieg, Menschen, Nato, Raketen, Serbien
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