Mondrausch

Mondrausch
Preis: 9,91 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Webseite: http://kena50.wixsite.com/kenahuesers
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9871537507293
Seit dem Tod ihres Bruders lebt Hannah in selbst gewählter Isolationshaft. Nur einmal im Jahr fährt sie nach Fehmarn, um dort den Mond anzustarren, die Wellen zu beobachten und die Welt um sich herum zu verfluchen. So kann es nicht weitergehen, beschließt sie im Alter von siebenunddreißig Jahren und nimmt während ihres Urlaubs den Kampf gegen die Einsamkeit auf. Dabei versuchen ihr Marc, Anke und David - drei Urlauber, die sie zufällig kennenlernt - zu helfen. Vom Einsiedler Derk, dem sie am Strand begegnet, wird sie in die Isolation zurückgezogen. Das mysteriöse Erscheinen und Verschwinden des Mannes, lässt Hannah an ihrem Verstand zweifeln. Die rational denkende Frau versuch, sich Derk als Traumbild zu erklären. Als imaginären Freund, den sie sich selbst erschaffen hat. Als David und Anke ihren Urlaub abbrechen und die Insel verlassen, muss Hannah das Geheimnis um Derk mit Marc alleine lösen. Dabei kommt es zu einer unerwarteten Wende, die auch Marc immer tiefer in die Geschehnisse hineinzieht.
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Leseprobe „Mondrausch“ ©

Kena Hüsers – Alle Rechte vorbehalten

08.09. – Ein Tag vor dem Supervollmond

Hannahs Blick lag reglos auf der Digitaluhr an der Wand. Seit zehn Minuten imitierte ihr Hirn ein Ticktack, das dieses leblose Ding selbst nicht erzeugen konnte. Mit jedem Ticktack fühlte Hannah, wie die Uhr sich immer mehr vor ihren Augen auflöste und sie selbst in einen Tagtraum entschwand. Die Ostsee lag klar vor ihr, als könnte sie darin baden. Der Computer auf ihrem Schreibtisch hatte seine Macht verloren. All die Antragsteller, die auf Hartz IV warteten, waren ihr egal. Sie glitt tiefer in den Traum hinein. Hörte die Möwen kreischen, spürte den Wind auf ihrer Haut und schmeckte die salzige Luft auf ihren Lippen. Ein kleiner Teil von ihr blieb im Büro und forderte sie zur Arbeit auf. Sie wollte ihn jedoch nicht über ihren Tagtraum siegen lassen.

Hannah hatte schon längst den Glauben an die Behörde, für die sie arbeitete, verloren und ihren Job nur noch als Einnahmequelle gesehen, mit der sie ihren Lebensunterhalt bestritt. Mechanisch arbeitete sie sich täglich durch die immer größer werdende Lawine aus Anträgen, die sie ordnete, auf Vollständigkeit prüfte und in die Fachanwendung eingab. Für Hannah beruhte ihre eigene Arbeitsberechtigung nur auf dem Elend anderer Menschen, die täglich in ihrem Büro saßen und denen verzweifelt bewusst wurde, dass ihnen ab jetzt kein Cent mehr für Vergnügungen blieb. Es gab keinen fröhlichen Blumenstrauß mehr am Sonntagmorgen auf dem Frühstückstisch. Keine spontanen Einladungen, die bei Wein und Essen zu anregenden Gesprächen führten. Ab jetzt würden sich die meisten Gespräche nur noch ums Geld drehen, weil die finanzielle Lage allgegenwärtig war. Keine Ausflüge mit den Kindern, keine großen Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke für die Kleinen. Statt des Kinobesuchs gab es nun Fernsehen, der Urlaub wurde gegen Armutsstress getauscht. Hannah fühlte sich hilflos gegenüber der Macht des Geldes. Glück gab es angeblich nur für Menschen, die hart arbeiteten und ihren Lebensunterhalt selbst bestritten. Da sie diese Bedingungen erfüllte, fragte sie sich, warum sie kein Glück verspürte.

Ticktack sprach ihr Hirn, während sich die dunklen Wellen am Strand brachen und der helle Vollmond am Himmel immer wieder durch die Wolkendecke trat. Hannah schloss die Augen, gab sich dem Ostseewind und der salzigen Luft noch mehr hin. Das Büro löste sich auf. Hannah streckte sich aus und fühlte den kalten, großen Findling, auf dem sie jetzt gedanklich lag. Er war glatt und feucht. Sie strich mit ihren Händen darüber und nahm den feinen Salzstaub war, der sich auf ihren Fingern bildete. Die Blätter in dem kleinen Wald hinter ihr rauschten, als wollten sie eine Geschichte erzählen. Die Wolken zogen vorbei und bildeten Schatten auf ihrem Gesicht, die die Augen unter den Lidern noch mehr verdunkelten. Sie sah Farben, die sich zu kleinen Mustern vereinten, wie in einem Kaleidoskop. Gleichzeitig spürte sie, wie sich vom Wind die Haare auf ihren Oberarmen aufrichteten und sich eine Gänsehaut bildete. Sie nahm den Sand unter den Füßen war. Die obere Schicht war noch warm vom Tag, weiter unten wurde der Sand kühler und feuchter. Hannah fühlte sich geborgen. Als würde sie durch die Zeit reisen und alle Gefühle aufnehmen, die je ein Mensch wahrnahm, der irgendwann einmal in den Abend- oder Nachtstunden am Strand unter dem Mond lag. Sie fühlte sich eins mit der Natur, der Vergangenheit und der Zukunft. Als gäbe es keine Zeit, kein Ich und kein Du. Das Hier und Jetzt wurde von einem schwarzen Loch aufgesogen und vermischt, bis es nur noch ein Ewig und Immer gab. Hannah fühlte sich frei.

Die Tür wurde mit Schwung geöffnet. Clemens rauschte in Hannahs Büro und riss sie brutal aus ihrem Tagtraum.

„Hast du den Antrag Karlsberg fertig?“, fragte er, ohne darauf zu achten, dass sie erschrak und ihr Stuhl aus der Liegeposition nach vorne schnellte.

„Nein, hab ich nicht“, antworte Hannah wirsch, schaute dabei verstohlen auf die Uhr. Ihre Zeit war abgelaufen.

„Dann solltest du den noch erledigen, bevor du in deinen Urlaub startest“, entgegnete Clemens sauer, da er Hannahs Arbeit teilweise in den nächsten Wochen übernehmen musste.

„Sollte, sollte! Ich soll so vieles. Es ist vier, ich habe Feierabend und somit Urlaub.“ Hannah stand bei diesen Worten auf, schnappte sich ihre Tasche und schaltete den Rechner ab. Sie wollte das Büro verlassen, Clemens versperrte ihr jedoch den Weg.

„Hannah, warte mal.“

Hannah blieb genervt stehen.

„Was, Clemens? Willst du mir vorwerfen, ich sei unkollegial? Das weiß ich schon. Ihr mögt mich nicht, ich mag euch nicht. Also, was willst du?“

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Seitenaufrufe: 3412 mal Aufgerufen Am 15. September 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Drama, Enttäuschung, Entwicklung, Freundschaft, Liebe, Magischer Realismus, Romantik, Träume, Traummann, Veränderung
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