Minnas Buch – eine Zeitgeschichte

Minnas Buch – eine Zeitgeschichte
Preis: 1,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Webseite: http://reginastoerk.de
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783745098525
Wilhelmine wächst als behütete Tochter auf einem Gutshof in Ostpreußen auf und soll endlich heiraten, damit sie den Hof übernehmen kann. Stattdessen wird sie schwanger und das natürlich völlig unpassend. Man findet einen Ehemann, der das Gut verwalten kann. Doch die Ehe hält nur bis zum Beginn des Dritten Reichs, Hitlers Machtübernahme. Wilhelmine schmeißt von da ab den großen Gutshof mit Hilfe ihrer polnischen Landarbeiter und Hausmädchen – der „Instleute“ – alleine. Feste werden gefeiert, wie sie fallen und letztendlich ist es wie immer: Es wird gelebt, geliebt, gelitten und gelacht. Minnas Buch, Wilhelmines Geschichte, spielt in der Zeit zwischen zwei Weltkriegen. Es ist der Beginn des Nationalsozialismus, Rassismus und schließlich des Krieges, der für Wilhelmine kein gutes Ende nimmt. Minna ist die Schildkröte in Wilhelmines Leben. Doch auch wenn sie so weise ist, wie man es von einer Schildkröte erwartet, versteht sie manches völlig falsch. Minna sieht die Dinge aus ihrer ganz anderen Perspektive und ist wunderbar pragmatisch. 2016 sitzen Josefine und Tom am Küchentisch stellen fest: So anders scheint das aktuelle politische Zeitgeschehen derzeit gar nicht zu sein. Und auch bei Josefine und Tom gibt es eine Minna. Sie lebt aber, anders als ihre Namensschwester vor fast 100 Jahren, in einem Terrarium und weiß erstaunlich viel über die Dinge, wie sie sich damals abgespielt haben.
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Leseprobe

Minna sah als erstes Beine.
Viele Beine.
Vier Menschen- und vier Hundebeine.
Stuhlbeine und Tischbeine. Aus Holz. In der Mitte des Raumes.
Minna sah einen Herd, in dem ein Feuer knisterte. Töpfe, Pfannen, Brettchen, Messer. Auf dem Tisch hatte sie bereits etwas Salat und ein paar Äpfel entdeckt, während sie noch auf Wilhelmines Hand saß. Und Petersilie.
Prima, dachte Minna. Verhungern muss ich schon mal nicht.
Wäre noch die Sache mit dem Wasser zu klären.
Die Tür zum Hof stand offen.
“Mir fällt sicher etwas ein.” Wilhelmine machte ein nachdenkliches Gesicht. “Vielleicht wäre es hinten am Teich bei den Enten schön für das Tier”, überlegte sie. “Für die Küche könnte ich der Schildkröte eine Schüssel mit Wasser füllen, erklärte die Tochter ihrer Mutter.
Sie dachte einen Augenblick nach. “Ich nenne sie Minna. Ich finde das passt.”
Wilhelmines Mutter musste schmunzeln. “Ja, sie sieht dir ähnlich”, frotzelte sie.
“Aber eine Schüssel? Wie glaubst du, dass deine Minna in die Schüssel kommt?” Wilhelmines Mutter guckte ihre Tochter zweifelnd an. “Mit einer Leiter vielleicht? Hast du schon mal eine Schildkröte gesehen, die eine Leiter hoch klettert?”
Minna guckte von einem Menschen zum anderen. Eine Leiter konnte sie sich zwar nicht vorstellen, aber ein bisschen klettern konnte sie schon.
Sie zog los, um sich ihr neues Zuhause anzusehen und ging zunächst zielstrebig durch die Tür ins Blumenbeet. Von da aus konnte sie ebenso gut alles sehen und hören, was in der Küche passierte.
Wilhelmine zum Beispiel füllte eine Schüssel. Mit Salat, Wasser und Sand.
“Mama, wie gefällt dir Juri?” Wilhelmine rupfte Salatblätter und ließ sie in eine kleine Blechschale fallen, die sie in der Speisekammer gefunden hatte.
Minna hatte es sich unter Margeriten gemütlich gemacht und hörte zu.
“Er ist ein fescher Soldat.” Wilhelmines Mutter holte das Butterfass aus der Speisekammer und füllte die große Feldkanne mit Kaffee.
Der Kaffeeduft mischte sich mit dem Geruch nach frischem Brot. Ein heimeliger Geruch, dachte Minna, die Schildkröte. Hier fühlten sich sicherlich nicht nur Menschen wohl. Minna konnte sich ein Leben in dieser Küche durchaus vorstellen.
Wenn eben die Sache mit dem Wasser geklärt wäre.
Wilhelmine schob die Schüssel in die Mitte des kleinen Rasenstücks rechts neben der Tür zur Küche, sammelte Steine, die an der Hauswand gelegen hatten, und platzierte sie um die Schüssel herum. Sie griff nach Minna, setzte sie vor die Steine und sagte: “So, nun versuch mal, ob du da hoch klettern kannst.”
Minna guckte Wilhelmine zweifelnd an. Hoch käme ich schon, dachte sie. Aber wenn ich mich ins Wasser gleiten ließe, käme ich da nie wieder raus. Sie drehte sich um und ging zurück zu ihren Margeriten.
“Ich finde ihn sehr charmant”, sagte die Mutter”, “stattlich.”
Wilhelmine hatte leuchtende Augen.
“Du bist verliebt.”  Guste Lonzewski lächelte. Sie sah aus, als würde ihr das Männchen wohl auch gefallen.
“Ja …”, seufzte Wilhelmine. “Und er mag mich auch. Ganz sicher. Sogar sehr.”
Minna dachte daran, was sie an der Skottau beobachtet hatte, und stimmte dem Mädchen in Gedanken zu.
Sie nickte traurig mit dem Kopf.
“Ach Wilhelmine”, hörte sie die Mutter sagen. Ihr Gesichtsausdruck wirkte ratlos. Sie schien die gleichen Befürchtungen zu haben wie die Schildkröte.
Wilhelmine war jung.
Wie schön wäre es, wenn sie ihr Leben noch ein bisschen genießen könnte, bevor Alltag und Zukunft sie in ihren Klauen hätte.
Minna wusste, dass es nicht einfach werden würde.
Nicht für Wilhelmine, nicht für ihre Familie und nicht für ihr Zuhause und für alle, die ihr am Herzen lagen.
“Komm, nimm den Korb.”
Die Mutter hatte Butterbrote und Kaffee eingepackt und drückte Wilhelmine den Korb in die Hand.
“Wir gehen aufs Feld und bringen unseren Leuten das Vesper.”
Minna ging durch den Garten zum Teich. Sie wollte die Enten kennen lernen, von denen Wilhelmine erzählt hatte.
Und außerdem war es Zeit für ein Bad.

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Seitenaufrufe: 8 mal Aufgerufen Am 12. Juli 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Familiengeschichte, Kriege, Liebesgeschichte, Ostpreußen, Schildkröte, Zeitgeschichte
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