Mariella Macht der Sinne: Fantasyroman Band 1

Mariella Macht der Sinne: Fantasyroman Band 1
Preis: 3,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Fantasy
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Seit meiner frühesten Kindheit bin ich anders als alle anderen, nur meine Großmutter konnte mich verstehen. Ich sei etwas Besonderes, meinte sie. Sie hat mir das Kartenlegen beigebracht und mich den Umgang mit Pflanzen und Blutegeln gelehrt. Für eine Geisterbeschwörung sei ich zu jung, sagte sie. Meine Eltern waren sehr mit sich beschäftigt, ich musste mich oft selbst behaupten. So auch im Alter von zehn Jahren, als mir ein Junge in der Schule einen Schneeball an der Kopf geworfen hatte, wodurch meine Brille zu Bruch ging und ich im Gesicht blutete. Wütend, wie ich war, wünschte ich dem Jungen den Tod. In dieser Nacht träumte ich, dass ihn ein Auto überfuhr. Ängstlich und erschrocken musste ich am nächsten Tag erfahren, dass er nicht mehr lebte und tatsächlich überfahren worden war. Panik ergriff mich, ich fühlte mich für seinen Tod verantwortlich. Meine Mutter lachte mich aus, als ich ihr davon erzählte, mein Vater dagegen verlor die Farbe im Gesicht und sagte gar nichts. Und Oma meinte, es werde die Zeit kommen, in der ich alles verstehen könne. Nach dem Vorfall schwor ich mir, nie wieder Derartiges zu wünschen. Bis zu dem Tag, an dem meine Oma starb.
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Leseprobe

Die Geburt

Männer, Frauen und Kinder kämpften sich durch den Schneesturm zur Dorfkirche. Eine junge Mutter drückte ihr wimmerndes Neugeborenes, in Decken gehüllt an ihren Leib, suchte selbst Deckung vor den Schneeflocken, die als eisige Nadeln in ihr Gesicht stachen. Einem Alten rutschte immer wieder der Gehstock weg, aber die anderen kümmerten sich nur um sich selbst, schlitterten in Richtung Kirche, auf das trostspendende Licht hinter dem Fenster zu. Der Pastor hielt den Dörflern die Tür auf, und als alle in Sicherheit waren, verriegelte er sie. Ein Aufatmen wehte durchs Kirchenschiff. Hier fühlten sie sich geborgen, hofften auf Gottes Beistand. Der Pastor wusste genau, wovor sie Angst hatten. Die Sobieskis erwarteten ein Kind. Der alte Gottesdiener konnte sich noch an die Geburt des jetzigen Gutsherrn Jaroslaw erinnern. Auch damals stürmte es, Bäume lagen entwurzelt auf den Dorfstraßen, Vögel fielen tot vom Himmel. Als der werdende Vater in dieser Nacht den Dorfarzt zur gebärenden Frau holen wollte, erschlug ihn ein stürzender Baum. Er war vom Stamm eingeklemmt worden und erfroren. Als man ihn am nächsten Tag fand, kam jede Hilfe zu spät. Maria Sobieska, die Gutsherrin, bekam ihren Sohn und zog ihn allein groß. Nun stand wieder eine Geburt an, ein Nachkömmling Jaroslaws sollte zur Welt kommen, und die Menschen hatten Angst. Sie sprachen vom ewigen Fluch, der diese Familie in den Fängen hielt.

Stille kehrte in das Gotteshaus ein.
»Lass uns beten«, sagte Karol.
Die Gemeinde stand auf und betete das Vater Unser, während die Ministranten dem Pastor halfen, den Weihrauch anzuzünden. Nach dem Gebet sangen die Versammelten: »Ein feste Burg ist unser Gott …«
Es ging auf Mitternacht zu, gemeinsam wollten alle abwarten, bis der Nachwuchs des Herrenhauses zur Welt kam. Karol näherten sich Pjotr, einem stattlichen Bauern, der mit seiner Familie in der ersten Bank saß. »Geh zum Herrenhaus, bleibe dort, bis das Kind da ist, melde es uns dann.« Pjotr schüttelte den Kopf, Schweißperlen zeigten sich auf seiner Stirn. »Das kannst mir nicht antun, Pastor, bitte nicht.« Doch dieser erinnerte Pjotr an seine Pflicht als Mensch und Gottesfürchtiger, sodass dem Bauern nichts übrig blieb, als zuzustimmen und sich dem Schicksal zu beugen. Karol segnete ihn und Pjotr küsste zum Abschied seine Frau und die Kinder. Nachdem er sich auf den Knien bekreuzigt hatte, verließ er die Kirche. Es vergingen Minuten bangen Wartens. Dann Pferdegetrappel vor der Kirche, schon schwang die Tür auf und ein Diener des Gutsherrn rief nach Anna, der Hebamme des Dorfes. »Los, eile dich, du darfst der Herrin beistehen!«
Anna war eine Frau um die fünfzig, sie hatte schon vielen Kindern auf diese Welt geholfen. Sie war von zierlicher Gestalt mit grau melierten Haaren, die unter einem Kopftuch und einer dicken Wollmütze verborgen waren, bis auf eine Strähne, die störrisch hervorlugte. Ihre Kleidung war schlicht, bestand aus einem grauen Wollrock mit Bluse, darüber trug Anna eine warme Jacke gegen die Kälte. Ein dickes Schafsfell lag auf ihren Schultern. …

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Seitenaufrufe: 58 mal Aufgerufen Am 12. Mai 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Fantasy, Geister, Humor, Liebe
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