LIMESLAND

LIMESLAND
Preis: 9,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: http://ioanaorleanu.blogspot.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783732353026
Ein Mord - und doch kein Krimi. Zwei Verliebte - und doch kein Liebesroman. Ein Streifzug durch ein fernes und irgendwie nahes Land - und doch kein Reisebericht. Was ist es dann? Ein Stück Leben aus einer Welt, die von Selbstlügen, Korruption, Mitäufertum und Abhängigkeit geprägt ist. Sie ist einer Diktatur entlaufen, kann sich vom Alten aber nicht trennen und wird durch das Neue überrumpelt. Keine schöne Welt und doch eine, die der Poesie nicht entbehrt. Und - eine Stimme, die spricht, weil sie zu verstehen versucht.
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Rezension der Augsburger Allgemeine:
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Ich-baue-Bruecken-id36747412.html

Die Stadt. Ich hatte sie geliebt. Ihre verschlafenen Straßen, die alten Häuser, stuckverziert, Rosengärten davor, Kastanienbäume, Linden, Fliederduft im Mai, goldenes Laub im Oktober. Kaum Autos, kein Lärm, keine Einkaufszentren, keine überladenen Geschäfte, ganz im Gegenteil, gähnende Leere überall, aber ein lichtdurchflutetes rosenrotes Tuch hier, ein Strassdiadem dort konnten das Kinderherz entzücken und die ein Jahr lang ersehnte Puppe zu Weihnachten, sie war ein Wunder, ein fassbares, echtes.

Und dann – der Abendhimmel dieser Stadt, zum Beispiel, wenn die Ferien zu Ende gingen: Rückkehr vom Meer, mit der Bahn, Sand und Sonne in den Poren, es ist noch heiß, man lehnt sich zum Fenster hinaus und sieht: in der Ferne – ihre Konturen, Heimweh, Fernweh, es ist heiß, man zergeht in Hitze und Melancholie. Die Ankunft, Gara de Nord, dann durch die warmen Straßen, umhüllendes Streicheln, Abendduft – nach Hause, in die hohen, schattigen Räume, in die Geborgenheit. Der Schreibtisch des Großvaters: Leicht fährt die Hand zur Begrüßung darüber hinweg, Großmutter strickt, die Eltern packen Schulhefte in blaues Schulpapier ein, so war es, so ist es, so wird es sein, immer. Zu Hause.

Ich hatte diese Stadt geliebt, meine Stadt, nichts lieber als zu schlendern, um diese Ecke und um jene, selbstvergessen, hingerissen, damals gehörten die Trottoirs noch uns, die Absätze im fast zerschmolzenen Asphalt, mit 14, mit 16, jenes Zergehen, dor – wonach und warum?, ein Wissen um das Vergängliche, um das Niewiederkehrende, doch noch vorbewusst, nur dunkel erahnt, dor.

Nichts davon ist geblieben, nur die Erinnerung.

Ja, ich hatte diese Stadt geliebt. Vielleicht, weil ich sie nicht richtig gekannt. Vielleicht, weil sie noch anders war. Wir waren auseinandergedriftet, sie und ich, so sehr, dass ich sie jetzt kaum wiedererkannte. Wandelte ich nicht tagtäglich in ganz fremden Landen zwischen ganz fremden Menschen? Ich hatte eine Explosion erwartet, damals, als das Alte zusammenbrach, ein schlagartiges Aufblühen, Frühling, Kraft, packen wir’s an!

Nichts dergleichen geschah. Die Stadt verkam, unwiederbringlich, die Menschen verrohten, ungepflegt, faul, hässlich. Ja, hässlich. Hasserfüllt, hassenswert, verhasst. Hass. Überall Hass. Aggression. Was, mein Schwanz, willst du? Gefickt seien die Toten deiner Mutter, hörst du? Wie konnte man das lieben?

Ich reiste herum. Der Kokon brach auf. Ich verstand. Hörte ich nun Patriotismus, war mir nach Kotzen. Bis wohin reicht er denn? Bis zur Grenze? Und wenn sie sich verschiebt? Verschiebt er sich mit? Alles Konvention, unüberlegt übernommen, sie plappern es nach und fühlen sich wohl, Schafe in der Herde, da muss man sie vor den Kopf stoßen, anbrüllen, beleidigen, ja, beleidigen, diese Leute, Strindberg’sche Nachtwandler, aus ihren Gewissheiten sind sie nicht wachzurütteln, weichen stets aus, werden nie müde das Gute und Schöne vorzuschieben, entrüstet, es sei doch auch da: Siehst du denn nicht, unsere Maler, die Dichter, unsere Geschichte, unsere Kultur, hast drüben alles vergessen! Aber nein, ihr habt recht, es ist da, das Schöne und Gute, die Dichter und Maler, die Geschichte und die Kultur und ihre wunderbaren Früchte, alles da, nur leider von euch selbst verkannt, von euch selbst vernachlässigt und begraben, unter dem Hässlichen und Bösen, dem ihr anheimgefallen seid!

Ich wusste es und doch tat es weh, der Schnitt zerreißt, ist er überhaupt zu ertragen?

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Seitenaufrufe: 48 mal Aufgerufen Am 9. November 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Korruption, Krimi, Liebe, Osteuropa, Psychologie, Vergangenheitsbewältigung
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