Lady Cardington und die Schlange im Paradies

Lady Cardington und die Schlange im Paradies
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Webseite: http://sybillekolar.com
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Das Eheleben von Samantha und Michael auf Cardington Manor ist wie ein Traum. Sie lieben sich, sie richten sich hochherrschaftlich ein – und Stammhalter Colin komplettiert das Glück. Auch die Umsiedlung des Waisenhauses, von Samantha vorangetrieben, erweist sich als wahrer Segen für alle Beteiligten. Das Leben, es könnte nicht schöner sein. Bis ... Ja, bis die Schatten der Vergangenheit sich mit Macht erheben: Welchen Anspruch hat die andere Frau an Michael? Wer ist Samanthas Mann wirklich? Und warum bewegt sie das Schicksal eines Kindes so? Eine Kette von Ereignissen, die das Glück auf Cardington Manor zu zerstören drohen.
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Leseprobe

Samantha stand im Westflügel von Cardington Manor, inmitten einer unbewohnten

Zimmerflucht. Die Verbindungstüren waren weit geöffnet und sie blickte durch die Räume,

die sich aneinanderreihten wie Perlen auf einer Schnur.

Die Suite war fast leergeräumt und wirkte dadurch verlassen und seelenlos. Doch schon

bald würde sie wieder mit neuem Leben erfüllt sein.

Samantha durchschritt jedes Zimmer und wusste im selben Moment, wofür es geeignet

war und welche Funktion sie ihm geben würde.

Beim letzten allerdings hielt sie sich ein wenig länger auf. Das war das alte Spielzimmer

von Cardington Manor: ein ansprechender, von Licht durchfluteter Raum.

Samantha erinnerte dieses Kinderzimmer an ein Maleratelier. Sie hatte sich von

Henderson, der guten Seele des Anwesens, die Fensterläden öffnen lassen, bevor sich

Henderson wieder diskret zurückzog. Nun strömte kühle, frische Märzluft herein und mischte

ein paar Sonnenstrahlen durch, in denen Staubkörner funkelten und tanzten.

Eine der Wandlängsseiten bestand aus einer durchgehenden Fensterfront, die bis zum

Boden reichte und sich komplett öffnen ließ. Von dort aus gelangte man auf einen

Dachgarten, auf dem in der Vergangenheit allerlei Vergnügungen stattgefunden hatten: das

Schießen mit Steinschleudern oder Katapulten, Seilspringen, Kreiseln, Verstecken,

Puppenspiele und vieles mehr. Sämtliche Nachfahren der Cardingtons hatten dort oben seit

Generationen den Großteil ihrer Kindheit verbracht. Charles war der letzte Abkömmling

gewesen, Samanthas erster Ehemann.

Trotz der geöffneten Fenster roch die Luft noch immer etwas abgestanden. In diesem

abgelegenen Trakt, in dem sich das Zimmer befand, wurde nicht regelmäßig gelüftet.

»Es wird Zeit, dass hier mal ein frischer Wind hereinweht«, sagte Samantha. Sie blickte

sich um, in der Hoffnung, eine Sitzgelegenheit zu finden. Ihr dicker Babybauch wurde ihr

langsam beschwerlich. Aber es gab hier keinen Sessel. Nicht einmal einen Stuhl.

In einer Ecke sah sie ein winziges Kinderbett, in dem ein brauner Plüschb.r lag. Sie setzte

sich darauf und nahm den Bären auf den Schoß. Neben dem Bettchen befand sich eine antike,

mit niedlichen Kindermotiven bemalte Kommode, die wohl einmal als Kleiderschrank

gedient hatte. In einem halbhohen Regal an der dem Fenster gegenüberliegenden Wand waren

zahllose altmodische Spielsachen angeordnet. Alles wirkte so, als käme der Bewohner des

Raums jeden Moment zur Tür herein.

In der Mitte des Raumes stand eine alte Wiege aus dunkelbraunem Holz. Sie war

aufwändig gearbeitet und mit prächtigen Schnitzereien verziert. An der Aufhängevorrichtung für den

Wiegenschleier hatte der Handwerker die Buchstaben CC für Charles Cardington mit

goldenen Lettern angebracht. Das wertvolle Möbel war zweifelsohne ein Erbstück der

Familie.

Samantha ließ ihren Blick weiter umherschweifen und sog die Atmosphäre der

Räumlichkeit in sich auf. Dies war ein freundliches Zimmer. Durch die angegraute Tapete

wirkte es nur ein wenig düster und verstaubt. Samantha konnte sich gut vorstellen, wie

gemütlich es hier einmal gewesen sein musste. Doch die Zeit hatte eben ihre Spuren

hinterlassen.

Die Zeit und Charles’ Selbstmord.

Charles hatte sein ganzes Leben auf Cardington Manor verbracht. In den wenigen Jahren

ihrer Ehe hatten sie gemeinsam auf dem Anwesen gelebt.

Dieser Raum war Charles’ ehemaliges Kinderzimmer. Und es hätte auch das

Kinderzimmer ihrer Nachkommen werden sollen.

Doch die wollten sich nicht einstellen.

Samantha erinnerte sich daran, wie viel Mühe es sie gekostet hatte, Charles davon

abzubringen, den Raum dennoch neu einzurichten. Das hätte sie womöglich noch mehr unter

Druck gesetzt. Die Situation war damals schon in ausreichendem Maße angespannt gewesen.

Irgendwann hatte Samantha es dann nicht mehr ausgehalten und sich von Charles

getrennt.

Ein Jahr später hatte sich Charles umgebracht. Die Tatsache, dass seine Frau von einem

anderen Mann schwanger geworden war, hatte ihm das Herz gebrochen. Vor allem jedoch

seinen Stolz.

Aber das gehörte nun der Vergangenheit an. Die Zukunft wuchs in Samanthas Bauch

heran und ließ nicht mehr lange auf sich warten. Charles’ letzter Wille war, dass wenigstens

Samanthas Kinder auf Cardington Manor aufwachsen sollten – wenn schon nicht ihre

gemeinsamen. Und damit dies ohne Beklemmungen und Ressentiments gelingen konnte, war

es nötig, Entscheidungen für Veränderungen zu treffen.

Mit einiger Mühe hievte sich Samantha von ihrem tiefgelegenen Sitzplatz empor. Den

Teddy legte sie zurück an seinen Platz, deckte ihn zu und streichelte ihm über die struppige

Wange.

Sie ging hinüber zu der alten Kommode und öffnete sie. Wie sie bereits vermutet hatte,

war die bestückt mit einer kompletten Babyausstattung. Sie nahm ein paar winzige

Kleidungsstücke heraus und betrachtete sie. Charles hatte sich damals nicht davon abbringen

lassen, das alles zu kaufen. Samantha war dagegen gewesen. Nach ihrem Empfinden brachte

es Unglück, Ereignisse, die noch nicht eingetreten waren, durch solch übereifrige Handlungen

vorwegzunehmen. So als würde man dadurch verhindern, dass sie geschehen können. Und so war es

dann ja auch gekommen.

»Nichts ist trauriger als ein Kinderzimmer ohne Kind«, sagte Samantha und empfand

noch einmal kurz den immensen Schmerz ihres damaligen Kummers.

Sie faltete die kleinen Strampelanzüge und legte sie wieder zurück in den Schrank. Dann

atmete sie tief durch und ging zuversichtlich zur Tür. Bevor sie diese verschloss, ließ sie ihren

Blick noch einmal durch das Zimmer wandern.

Sie wusste jetzt, was zu tun war.

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Seitenaufrufe: 111 mal Aufgerufen Am 3. Juni 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Drama, England, Familie, Liebe, Verführung
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