Königliche Republik

Königliche Republik
Preis: 4,99 €
Autor:
Genre: Historisch
Webseite: www.annemarie-nikolaus.de
Erscheinungsjahr: 2012
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781477531143
1647: Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Neffen des spanischen Vizekönigs verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen seine Herrschaft erhebt. Neapel erwählt den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen. Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency. Ihr Bruder Dario dagegen beteiligt sich an einer Verschwörung gegen die junge Republik. Als er verraten wird und ihm die Hinrichtung droht, deckt Mirella ihn schweren Herzens durch einen Meineid. Doch dann plant er ein Attentat auf den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde ...
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Der Geruch von Rauch stieg Mirella in die Nase. Die Gesichter der Dienstboten wurden grimmig, verbissen.

Metall klirrte auf Metall; Männer brüllten. Dann gab es einen lang gezogenen Schrei, der ihr einen eisigen Schauer den Rücken hinunterjagte.

Varese schob den Vorhang beiseite und warf einen Blick nach draußen. „Sie bleibt hier, Signorina!“

„Aber …“

„Keine Widerrede. Ihr Bruder bringt mich um, wenn Ihr etwas passiert.“

Er stieg aus, noch ehe die Kutsche ganz angehalten hatte, und winkte seinem Kutscher. „Cesare, sorg dafür, dass die Signorina hier bleibt.“ Die anderen Männer folgten ihm.

Mirella stand auf.

„Signorina, bitte.“

Sie schenkte Cesare ein Lächeln. Er war kaum älter als sie; sie sollte ihn bezaubern können. „Er kann mich doch aussteigen lassen. Ich möchte sehen, was dort passiert.“

Cesares Miene blieb starr. „So schau Sie aus dem Fenster.“ Er legte die Hand auf den Türgriff.

„Wollte Er nicht auch helfen?“

Er nickte. „Das hat Sie vereitelt.“

Mirella schlug einen Moment wie beschämt die Augen nieder und senkte ihre Stimme. „Das tut mir leid.“ Sie blickte wieder auf. „Aber geh Er nur. Nehm Er Seinen Eimer und helfe. Mir wird schon nichts passieren.“

Er nahm tatsächlich seinen Eimer hoch; aber dann krallte er beide Hände um den Henkel und drückte die Arme steif an den Körper. Er sah sie nicht an, als er antwortete. „Ich gehorche dem Padrone.“

Mirella stemmte die Ellenbogen auf den Fensterrahmen und streckte den Kopf hinaus.

Vor den Lagerhäusern am Ende des Piers blitzten im Feuerschein Messer und Säbel auf. Wo waren Dario und Enzo?

Sie fasste nach dem Türgriff, aber Cesare hielt ihn von außen fest. Blitzschnell beugte sie sich heraus und biss ihn in den bloßen Arm. Erschrocken wich er zurück und ließ los; sie riss die Tür auf und schlug sie ihm an den Kopf. Er taumelte und sie sprang hinaus.

Aber als sie sich aufrichtete, war er neben ihr und packte sie. „Sie bleibt hier!“ Er presste sie fest an sich, umklammerte sie mit beiden Armen. Sie trat nach ihm und strampelte, aber es half nichts. Er war stärker, hob sie hoch und zwang sie in die Kutsche zurück.

Ihre Köpfe stießen aneinander. In seinen Augen blitzte es auf – und dann küsste er sie. Zuerst lag sein Mund hart auf dem ihren, dann wurden seine Lippen sanft und so weich, als wären sie aus Samt.

Er ließ sie abrupt los. „Vergeb Sie mir, Signorina, wenn Sie kann. Ich habe mich vergessen.“

Sie starrte ihn mit halb geöffnetem Mund an. Jetzt musste sie ihn ohrfeigen.

Langsam hob sie die Hand. Dann legte sie die Fingerspitzen auf ihre Lippen und starrte weiter.

In Cesares Augen glomm noch immer ein Licht; und es war nicht der Widerschein des Feuers.

Mirella atmete durch. „Es geschehen viele Dinge in diesen Tagen, die nicht schicklich sind.“

Ihr Blick ging hinüber zu den Lagerhäusern. Die Männer schienen zur Vernunft gekommen und hatten ihre Zweikämpfe beendet. Sie formierten Ketten und begannen, Eimer zum Löschen weiterzureichen. Aber sie kämpften nicht mehr um das Lagerhaus der Scandore, sondern versuchten, ein Übergreifen des Feuers auf die angrenzenden Gebäude zu verhindern.

„Wir sollten beide helfen. Sie schlagen sich nicht mehr.“

Cesare drehte sich nach dem Feuer um. Dann nickte er. „Wir stellen uns ans Ende der Wasserkette.“

Erleichtert ließ Mirella sich von ihm aus der Kutsche helfen. Wieder waren sie sich ganz nahe. Aus seinem Haar strömte ein süßlicher Duft und überdeckte für einen Moment den Geruch des Rauchs, der zu ihnen herüber wehte. Ob Felipe sie auch so küssen würde?

Sie packten ihre Eimer und liefen zu den Helfern an die Kaimauer.

Immer wieder blickte Mirella sich suchend um, während sie Eimer um Eimer weiterreichte, die Cesare und ein zweiter Mann aus dem Meer hochzogen. Aber sie sah weder Varese noch Dario oder Enzo.

Dann gab es einen dumpfen Schlag wie bei einer Explosion. Cesare riss Mirella zu Boden und warf sich über sie. Die brennende Fassade des Lagerhauses stürzte nach vorn; laut prasselte eine Stichflamme hoch. Eine Hitzewelle fegte über sie hinweg.

Als Cesare sich zur Seite rollte und ihr auf die Beine half, brannten ihre Knie. Aber sie scheute sich, die Röcke zu heben und nachzusehen.

„Es ist gefährlicher als ich dachte. Ich bringe Sie zur Kutsche zurück.“

Nun hatte sie nichts dagegen einzuwenden; es war eh alles verloren. Sie gab ihm ihre Hand und bemühte sich, nicht zu hinken, als sie neben ihm her ging. Er sollte sich keine Vorwürfe machen. Aber als sie dann das Knie beugte, um in die Kutsche zu steigen, entfuhr ihr doch ein Stöhnen. Er schien es jedoch nicht zu bemerken.

Cesare lehnte sich an die Kutsche, den Blick zum Brandherd.

Vorsichtig lupfte sie den Rock, damit der Stoff nicht an den aufgeschundenen Knien festklebte. Ihre Schultern schmerzten von der ungewohnten Last der unzähligen Eimer. Und sie war müde; sie wünschte sich nur noch, auf der Stelle in ihr Bett kriechen zu können.

Es war Nacht, als die Männer schließlich ihre Eimer….

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Seitenaufrufe: 113 mal Aufgerufen Am 20. Mai 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Drama, Familiengeschichte, historischer Roman, Krieg, Masaniello-Aufstand, Neapel, Qindie
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