Kein Ring, kein Kuss

Kein Ring, kein Kuss
Preis: 4,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783736880825
Was als Reisebericht beginnt, entwickelt sich schnell zu einer zarten Liebesgeschichte mit Höhen, Tiefen und Verwunderungen. Die beiden jungen Menschen, die sich in einem israelischen Kibbuz begegnen, stammen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen. Daliah, die Neueinwanderin, kommt aus dem Iran und Bernd, der von ihr Berenod genannt wird, ist ein reservierter Norddeutscher.
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Leseprobe

Nach einer guten halben Stunde erreichten wir die Haltestelle in Haifa, wo ich aussteigen musste, ich orientierte mich kurz, fand den Weg zu Ninas Wohnung und stand ratlos vor den hebräischen Namensschildern. Gerade als ich versuchte, den Namen Cohen zu entziffern, öffnete sich die Haustür und Schwester Nina guckte mich genauso überrascht an, wie ich sie.

»Du?«, fragte sie auf Englisch ohne den obligatorischen Gruß Schalom und guckte mich nicht gerade freundlich an.                                                                                                                          

»Schalom, Nina«, sagte ich und fragte auf Englisch nach dem Verbleib von Daliah, ob sie vielleicht hier wäre. Ich erinnerte mich an die Nina von unserem Besuch vor einigen Tagen und da war Nina mir durchaus wohlgesonnen und fand mich sympathisch, heute schaute sie mich richtig böse an.                                                                                                                            

»Du hast mit Binyamin gesprochen?«                                                                                                 

»Wer ist Binyamin?«                                                                                                                        

»Unser Bruder!«                                                                                                                                             

Aha, Binyamin heißt der Bruder also, der sich mir namentlich gar nicht vorgestellt hatte, als er mir in klaren Worten seine Vorstellung bezüglich Daliah und mir darlegte. Ich erzählte Nina in schnellen Worten von der überraschenden Begegnung mit Bruder Binyamin, ließ aber die Sache mit den Chilischoten aus; das passte jetzt nicht hierher. Nina guckte mich durchdringend an.                                                                                                                                                       

»Das war alles?«

»Ja!«                                                                                                                                                                           

»Du hast Binyamin nicht gesagt, er brauche sich nicht aufregen, du fährst ja bald wieder nach Hause und damit wäre die Angelegenheit mit Daliah automatisch beendet?«                                                      

Ich fiel aus allen Wolken. Das hatte ich natürlich nicht gesagt. Nina sah das Entsetzen in meinem Gesicht, ich brauchte überhaupt nicht direkt auf ihre Frage antworten, trotzdem schüttelte mich Nina so heftig, dass ich gegen die Haustür fiel, als sie mich ruckartig losließ. »Sag, dass du das nicht gesagt hast, Berenod!«

Ich hob die Finger.

»Ich schwöre.«                                                                                                               

Nina murmelte ziemlich erregt etwas auf Hebräisch, was ich als „Dieser kleine verlogene Stinker“ deutete und erklärte mir hastig die aktuelle Lage. An dem Abend, als Daliah aus dem Kibbuz verschwand, kam sie völlig aufgelöst bei Nina an und hat stundenlang über meine angebliche Aussage ihrem Bruder gegenüber geweint. Die alte Miriam hatte also Recht behalten mit ihrer Vermutung, dass Daliah sich verkrochen hatte. Sie blieb auch in Ninas Wohnung, weinte die ganze Zeit, aß und trank nur wenig und rührte sich nicht weg.

Tagsüber ging Nina arbeiten, was sie auch jetzt vorhatte, und abends kümmerte sie sich um das Häufchen Elend, das da in ihrer Wohnung kauerte und pausenlos weinte. Ich griff zur Haustüre.

»Ich gehe hoch.«

Nina hielt meine Hand fest und sagte nur: »Sie ist weg.«

Wir mussten kurz zur Seite treten, da auch andere Hausbewohner ihrer Arbeit nachgingen, das Wohnhaus verließen und uns dabei doch etwas verwundert anguckten.

»Wohin?«

»Jeruschalajim«, antwortete Nina kurz und schaute zu ihrer Armbanduhr. Was in aller Welt wollte Daliah in Jerusalem?

»Zu Adonai beten. An der Kotel. Sie sucht Beistand.«                                                          

Also, Daliah ist auf dem Weg nach Jerusalem, um in ihrer Verzweiflung Beistand bei Gott an der Klagemauer zu suchen. Kotel ist die umgangssprachliche Form von ha-kotel ha-ma’arawi, der westlichen Mauer, den sichtbaren Resten des Jerusalemer Tempels, und ist eines der größten Heiligtümer des Judentums. Hier beten Juden aus Israel und aus aller Welt, die zu Besuch in Jerusalem sind, halten Zwiesprache mit Jahwe, mit Gott, dessen Namen sie aber nicht aussprechen, sondern ihn mit Adonai, mein Herr, umschreiben. Sie bitten an diesem heiligen Ort um Beistand und um Erfüllung ihrer Wünsche, die auf kleinen Zettelchen geschrieben in die Ritzen der Klagemauer gesteckt werden.

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Seitenaufrufe: 149 mal Aufgerufen Am 12. Mai 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Israel, Jerusalem, Kibbuz, Liebe, Liebesroman
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