In ohnmächtiger Wut

In ohnmächtiger Wut
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Krimi & Thriller
Webseite: https://karinfranke.jimdo.com
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783741272875
Ein ausländischer Schüler wird brutal zusammengeschlagen. Der engagierte Lehrer Jens Baumgard kann nicht länger tatenlos zusehen und bewegt die einzige Zeugin zur Aussage. Dadurch rückt er selbst in den Fokus einer rechtsradikalen Gruppierung, die nun alles daransetzt, sein Leben und das seiner Familie zu zerstören.
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Leseprobe

Nach dem Angriff

Die Hand an seinem Arm riss ihn unsanft aus seinem betäubenden Schlaf. Reflexartig versuchte er, sich wegzudrehen und Luft in seine Lungen zu pumpen, doch sofort umfing ihn wieder der allumfassende Schmerz, sodass er nicht mehr als ein Stöhnen über die Lippen brachte.

„Ganz ruhig, Herr Baumgard! Ich will nur eine kleine Untersuchung vornehmen!“

Im schwachen Dämmerlicht der Nachtbeleuchtung erkannte er den diensthabenden Arzt, der einen Schritt zurückgewichen war und beschwichtigend die Rechte hob.

Aufseufzend entspannte er sich und bemühte sich, zu lächeln. „Entschuldigen Sie bitte. Meine Nerven sind noch etwas angegriffen.“

„Nach allem, was Sie durchgemacht haben, kein Wunder.“ Der Arzt trat näher heran und begann, ihn abzutasten.

„Wissen Sie schon, wie es weitergeht?“

„Das entscheidet sich morgen. Bisher sieht alles relativ gut aus. Doch ich möchte Ihnen keine falschen Versprechungen geben.“ Bevor er das Zimmer verließ, wandte er sich noch einmal um. „Das war die letzte Kontrolle für diese Nacht. Ich wünsche angenehme Ruhe.“

Als wenn das so einfach gewesen wäre! Die Prellungen schmerzten mittlerweile höllisch, er fand keine Position, in der er halbwegs erträglich liegen konnte. Zudem spielten sich in seinem Gehirn die Minuten des Überfalls jetzt wie in einer Endlosschleife ab, ließen ihn alle Einzelheiten wieder und wieder erleben. Wut und Hass, Angst und Schrecken brachten seinen Puls gleichermaßen zum Rasen. Er musste sich zwingen, das Ganze noch einmal vernünftig zu durchdenken, vorher würde er keine Ruhe finden.

„Vernünftig!“ Er lachte bitter auf. Dieses Wort war eindeutig falsch. Wahnsinn, das erklärte es besser. In welchen Wahnsinn war er da bloß hineingeraten? Hätte er eher erkennen müssen, worauf er sich einließ? Hätte er irgendetwas anders machen können? War es falsch gewesen, sich derart zu involvieren?

Nein, nein und nein. Er würde genauso wieder handeln. Er war nicht der Typ, der zusah, wie jemand drangsaliert wurde. Und genau deshalb lag er nun hier auf der Intensivstation, die drohende Operation wie ein Damoklesschwert über sich schwebend, bei der die verletzte Niere entfernt werden sollte. Wie hatte es bloß so weit kommen können?

Wie alles begann

„Sascha, Frederik! Das war’s. Gebt mir bitte eure Hefte.“ Jens Baumgard baute sich vor dem Tisch seiner beiden Schüler auf und streckte fordernd die Hand aus.

„Das können Sie nicht machen!“, protestierte Sascha und versuchte, den belastenden Zettel noch unauffällig verschwinden zu lassen.

Doch der Lehrer war schneller. Er schnappte nach dem Papier und zog den Jungen die Hefte aus den Fingern. Frederik leistete keinen Widerstand. Er blickte starr auf den Tisch vor sich, seine Lippe zitterte, er war kalkweiß geworden. Sein Tischnachbar dagegen hatte die Hände zu Fäusten geballt und starrte wutentbrannt auf sein Gegenüber. „Wir haben nichts gemacht, ey.“

„Ich hatte euch bereits ermahnt. Das hier“, Jens Baumgard hielt den Zettel hoch, den er konfisziert hatte, „ist ein eindeutiger Täu-schungsversuch. Ihr könnt froh sein, dass ich euch keinen Tadel gebe.“

Frederik wurde noch blasser und schluckte mühsam. Sascha, hochrot im Gesicht, schob sich krachend mit seinem Stuhl nach hinten. „Los, komm!“ Er packte seinen Sitznachbarn grob an der Schulter. „Lass uns rausgehen. Was sollen wir uns hier weiter den Hintern plattsitzen.“ Er sprang auf und zerrte den einen Kopf kleineren Jungen hinter sich her, der immer noch nicht hochzublicken wagte.

„Wenn ihr Interesse habt, könnt ihr die Arbeit in der Pause wiederholen!“, rief der Lehrer ihnen nach. „Ich warte in Raum 312 auf euch.“

Frederik blickte hoffnungsvoll hoch, wurde aber von seinem Klas-senkameraden aus dem Raum gezogen. Jens Baumgard verkniff sich einen Seufzer und wandte sich seinen verbliebenen Schülern zu, die gebannt das Schauspiel verfolgt hatten: „Weiter, weiter, Leute. Ihr habt noch genau dreißig Minuten.“

Lautes Stöhnen antwortete ihm, doch es wagte keiner ein Wort. Jeder widmete sich erneut seinem Aufgabenblatt. Jens setzte sich zurück an sein Pult. Obwohl er sich nach außen ruhig und gefasst gab, raste sein Puls dermaßen, dass ihm leicht schwindelig war. Er hasste diese Konfrontationen, jedes Mal wurde ihm dabei aufs Neue bewusst, dass er keine Möglichkeiten hatte, renitenten Schülern außer mit Worten und Drohungen beizukommen. Gottlob hatte Sascha keinen übermäßigen Aufstand provoziert. Einzig um Frederik tat es ihm leid. Wieso hatte der überhaupt mit seinem Sitznachbarn kooperiert? Die zwei waren wie Feuer und Wasser, der eine ein intelligenter Musterschüler, der andere ein fauler, aufsässiger Störenfried. Ehrlich gesagt verstand er nicht, wie Sascha es bis in die zehnte Klasse geschafft hatte, seine mathematischen Kenntnisse waren auf dem Stand eines Siebtklässlers. Auch in Biologie, dem zweiten Fach, das er unterrichtete, lagen dessen Fähigkeiten weit unter denen seiner Mitschüler. Und seine Rechtschreibung war einfach grauenhaft.

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Seitenaufrufe: 16 mal Aufgerufen Am 29. März 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Neonazi, Ohnmacht, Rechtsradikal, Selbstjustiz, Stalking, Zivilcourage
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