Ilya Duvent – Der Sturm in Dir

Ilya Duvent – Der Sturm in Dir
Preis: 9,99 €
Autor:
Genres: Fantasy, Historisch
Webseite: www.manuela-maer.de
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783945746363
Die ehemalige Residenzstadt Rastatt birgt viele mysteriöse Geheimnisse. Ein altes Antiquitätengeschäft im ehemaligen Brunnenhaus, jenseits der Murg, offenbart seines auf schreckliche Weise. Es ist Julia noch nicht bewusst, als sie es betritt, dass sie damit eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt, die unvorstellbare Ausmaße annehmen: - das aus diesem Grund, um sie herum, Menschen sterben und letztlich sogar ihre Familie bedroht wird. Ihr Schicksal ist eng mit dem ihrer Vorfahrin Isabelle verbunden, die im Jahr 1848, mitten in den Unruhen der Badischen Revolution, verzweifelt versuchte, dem Martyrium ihrer Ehe zu entkommen. Kann Julia, fast 150 Jahre später, verhindern, dass sie einen ähnlichen Verlust erleiden muss wie ihre Ahnin? Sie muss unbedingt den Seelentrog finden - das Buch, das all die grauenhaften Vorgänge beenden kann. Zeigen ihr die Schlüssel den richtigen Weg? ... und auf welcher Seite steht der ... Dämon?
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Leseprobe

Rastatt, Februar 1848
Behutsam öffnete Isabelle ihre Augen, die geschwollen
und gerötet waren vom Weinen bis spät in die Nacht.
Grell schien die Sonne in ihr Schlafgemach. Immer
noch müde, stellte sie fest, dass sie weder die Läden
geschlossen noch die Vorhänge zugezogen hatte.
Schwerfällig setzte sie sich auf und hielt vorsichtig mit
der rechten Hand den linken Unterarm fest. Er war
über und über mit blauen Flecken und Blutergüssen
bedeckt, ebenso wie ihr restlicher Körper. Mit schmerzverzerrtem
Gesicht tastete sie sich ab, versuchte, die
Finger der linken Hand zu bewegen, was nur unter großen
Qualen möglich schien. Sehr langsam schlug sie die
schwere Bettdecke zurück und legte ein Bein nach dem
anderen behutsam zur Bettkante. Selbst sie offenbarten
deutlich alte und neue Abdrücke, welche auf die andauernden
Misshandlungen ihres Gatten hinwiesen. Auf
wackeligen Beinen stakste sie hinüber zur Waschschüssel,
goss mühsam mit einer Hand Wasser hinein und
tauchte Baumwolltücher in das kühle Nass. Mit diesen
Wickeln verband sie ihren linken geschundenen Arm.
Der Blick in den übergroßen und reich verzierten Bodenspiegel
gefiel ihr ganz und gar nicht, sie zwang sich
dennoch hineinzusehen. Drei oder auch vier rötliche
Striemen prangten auf der linken Gesichtshälfte. Eine
Stelle neben der Augenbraue war besonders geschwollen
und machte den Eindruck, als würde sie gleich aufplatzen
wollen. An der rechten Hand ihres Mannes befan10
den sich jeweils an Mittel- und Ringfinger breite goldene
Herrenringe. Einer der Schläge mit dieser Hand, die
sie wie Sandsteine im Gesicht trafen, war vermutlich der
gewesen, durch den sie ihr Bewusstsein verloren hatte.
Die bittere Erinnerung holte sie ein und sie begann zu
zittern, so sehr, dass sie zurück zum Bett humpelte und
sich schnell auf der Kante niederließ. Zu ihrem 23. Geburtstag,
den sie vor ein paar Wochen feierte, hatte er
ihr Besserung versprochen. Leider hoffte sie bisher vergeblich
auf die Einlösung des Versprechens.
Ihr Bewusstsein drehte sich im Kreis. Wieder und wieder
suchte sie in Gedanken nach Möglichkeiten, ihrem
jähzornigen Mann zu entfliehen, der immer und immer
wieder seinen Unmut und seine Unzufriedenheit an ihr
auslebte. Mühselig schleppte sie sich zum Fenster, erhaschte
einen Blick auf die Kirchenuhr und erschrak.
Wenn sie nicht erneut den Unmut ihres deutlich älteren
Mannes auf sich ziehen wollte, musste sie sich beeilen
und zum Wochenmarkt gehen. Pünktlich um 12 Uhr
schloss er seinen Antiquitätenladen, den er mitten in der
Stadt in vorteilhaftester Lage besaß. Er bestand darauf,
dass das Essen genau 15 Minuten nach Ladenschluss auf
dem Tisch stand.
Die aufkommende Angst begrub die schmerzlichen
Bewegungen und sie schaffte es, sich schnell anzuziehen
und zurechtzumachen. Abgesehen von den blauen Flecken
im Gesicht und dem deutlich geschwollenen Auge
war sie eine wunderschöne junge Frau mit goldbraunen
lockigen Haaren, raffiniert nach oben gesteckt. So wirkte
sie wie eine Adelige. Zu Recht, denn ihr Vater, hoch
angesehen im Regiment, war ein direkter Nachfahre von
Carl Ferdinand Freiherr von Plittersdorf. Dieser war
damals, zu Zeiten von Augusta Sybilla, eng mit dem
Herrschaftshaus verbunden. Genau das war der Grund,
weshalb sie nicht mit ihren Eltern über ihr eheliches
Desaster reden wollte. Einzig und allein ihrer Freundin
Magdalena hatte sie sich anvertraut und ihr damit
gleichzeitig das Versprechen der allergrößten Verschwiegenheit
abverlangt. Sei es drum, sie musste zum Markt.
Kam sie zu spät, würde sie nichts mehr bekommen.
Hurtig überquerte sie das Kopfsteinpflaster, um an der
Stadtkirche vorbei zum Marktplatz zu gelangen. Die
anhaltenden revolutionären Unruhen gestalteten das
Leben in dieser Zeit nicht einfach. Aufmerksam äugte
sie in die Seitenstraßen und konnte gerade noch einen
Blick auf eine patrouillierende Soldatenriege erhaschen.
Tief zog sie die Haube ihres Umhanges ins Gesicht.
»Isabelle!«, rief es auf einmal zart von der Seite. »Isabelle,
warte!«
Schon spürte sie eine Hand am Arm. Die Berührung
ließ sie empfindlich zusammenzucken. Sie hob kaum
den Kopf an. »Oh mein Gott, Isabelle! Was hat er dir
nur wieder angetan? Wann willst du endlich etwas dagegen
unternehmen?«
Isabelles Augen füllten sich mit Tränen. Sie wunderte
sich, dass überhaupt noch welche herausdringen wollten,
wo sie gerade letzte Nacht ein Meer davon vergossen
hatte. Wegen dem Kloß im Hals war es ihr gerade
nicht möglich, ein vernünftiges Wort zu sagen. Ihre
Freundin schob besorgt den Stoff des linken Armes
beiseite, den Isabelle schützend an ihren Körper presste.
Magdalena erschrak bei diesem Anblick und bedeckte
schnell die sich mittlerweile violettfärbenden Stellen.
»Du musst von ihm fort. Ich werde mit meinen Eltern
reden. Vielleicht finden wir ja eine Möglichkeit.«
Verängstigt schaute sich Isabelle um, räusperte sich und
klagte heiser: »Geh! Wenn er uns zusammen sieht, …….

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Seitenaufrufe: 96 mal Aufgerufen Am 28. Juni 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Dämon, Fantasy, Kasematten, Liebe, Rastatt
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