Ich besuche dich trotzdem!

Ich besuche dich trotzdem!
Preis: 9,95 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: www.autorinpetraweise.de
Erscheinungsjahr: 2018
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783746077840
"Du musst sofort kommen! Hörst du? Sofort!" Ehe ich fragen kann, was eigentlich passiert ist, hat Mutter den Hörer aufgelegt. So macht sie es immer. Sie sagt, was sie zu sagen hat und legt einfach auf. Sie fragt nicht, ob ich Zeit habe, sie bittet nicht um einen Gefallen, sie ordnet an. Schon als Kind schwor ich mir, niemals so zu werden wie meine Mutter.
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Leseprobe

Der Anruf

„Du musst sofort kommen! Hörst du? SOFORT!“
Ehe ich fragen kann, was eigentlich passiert ist, hat Mutter den Hörer aufgelegt. So macht sie es immer. Sie sagt, was sie zu sagen hat und legt einfach auf. Sie fragt nicht, ob ich Zeit habe, sie bittet nicht um einen Gefallen, sie ordnet an. Niemals meldet sie sich mit ihrem Namen, niemals fällt ein einziges persönliches Wort und niemals verabschiedet sie sich.
„Du wirst jetzt nicht nach Freiberg fahren!“, bestimmt Klaus.
Erstaunt schaue ich meinen Mann an.
„Deine Mutter hat nicht gesagt, was sie will.“
Ich zucke mit der Schulter. „Das tut sie nie.“
„Eben. Du musst nicht jedes Mal springen, wenn deine Mutter ruft.“
Wieder zucke ich mit der Schulter. Es ist ein resigniertes Zucken. Ich habe es längst aufgegeben, von Mutter einen normalen Umgang zu erwarten. Sie bestimmt, was ich zu tun und zu lassen habe, als wäre ich ein kleines Kind. Und ich wage nie, ihr zu widersprechen. Meist habe ich ohnehin keine Gelegenheit dazu.
Ich helfe ihr gern, doch wünsche ich mir, dass sie sich darüber freut. Leider scheine ich alles falsch zu machen, denn sie dankt mir nie, sondern schickt mich sofort weg, sobald ich ihr zu Willen war.
„Was soll schon sein?“, brummt Klaus. „Vermutlich hat sie nur wieder ihr Handy verlegt. Und dafür fährst du vierzig Kilometer, um hinterher noch beschimpft zu werden.“

Mutter ruft mehrmals in jeder Woche an. Meist ist eine Glühlampe durchgeschmort. Das liegt an ihrem alten Sicherungskasten mit Schmelzsicherungen aus Porzellan und dem ebenso alten Stromnetz. Klaus hat eine alte Werkstatt ausfindig gemacht, wo er diese alten Schraub-sicherungen nachkaufen kann. Irgendwann sollte der Vermieter das Stromnetz auf den neuesten Stand bringen und das gesamte Haus neu verkabeln.
Manchmal bestellt Mutter einen Kasten Wasser. Das tut sie leider erst, wenn sie die letzte Flasche öffnet und sie keinen einzigen Tag länger warten kann. Doch wir wollen nicht wegen sechs Euro Warenwert vierzig Kilometer fahren. Sie könnte leicht einen Getränkedienst nutzen, doch sie besteht darauf, dass wir das Wasser liefern, denn wir sind ihrer Meinung nach dazu verpflichtet. Zudem muss Klaus das Wasser im Keller deponieren und darf nur zwei Flaschen in die Küche stellen. Mutter steigt nie die vielen Treppen vom zweiten Stock bis in den Keller und hätte im Gästezimmer ausreichend Platz.
„Wasser gehört nun mal in den Keller und nicht ins Gästezimmer!“, befindet sie.

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Seitenaufrufe: 4 mal Aufgerufen Am 12. Februar 2018 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Demenz, Mutter-Tochter-Beziehung, Pflegeheim
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