Herrschaftszeiten!

Herrschaftszeiten!
Preis: 9,90 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: http://martina-schmid.de
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783954514519
Was verbindet ein vergrabenes Skelett und ein aus der Donau geborgenes Autowrack? Das fragen sich Sofie und Maria, die sich ihr Wiedersehen in der Oberfalz nach zwanzig Jahren eigentlich anders vorgestellt haben. Weil die Polizei sich merkwürdig zurückhält, forschen die beiden Freundinnen auf eigene Faust nach. Die verwirrenden Bilder einer Wahrsagerin machen die Sache nur noch unheimlicher. Bis der Fall eine gänzlich unerwartete Wendung nimmt...
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Leseprobe

„Herrschaftszeiten!“

Prolog

25. April 1989

Kurz nach Mitternacht am Ortsrand von Wörth

»Verflucht! Der rührt sich nimmer.«

»Geh weider, der tut doch bloß so.«

»Naa, der is hi. Der tut nix mehr, der schnauft nimmer.«

»Verdammt und zuag’naht. Du hast recht.«

»Und jetzt? – Was mach ma’n jetzt?«

»Na, was schon. Der muaß weg. Weg muaß er. Und

zwar ganz schnell.«

»Du spinnst doch.«

»Halt dein dumm’s Maul und pack mit an.«

»Mann, ich mach mir gleich in die Hos’n.«

»Schisser. Da geh her. Bist du eigentlich a Mannsbild

oder was?«

»Is ja gut, ich helf dir ja schon. Und wohin mit ihm?«

»Rüber, dorthin, ins Gebüsch. Schnell, schnell, bevor

noch wer kommt.«

Herr, vergib ihnen,

denn sie wissen nicht, was sie tun.

Lukas 23,34

1

Zweiundzwanzig Jahre später – am 24. April 2011 in Wörth

Ich atme durch. Sauge die frische, schneidige Luft tief in

mich hinein.

Da bin ich also. Angekommen in der Heimat. Noch

einmal atme ich ein. Wie gut die Luft hier doch ist. Ich

spüre, wie die Vergangenheit im Sekundentakt allmählich

von mir abfällt. Wie eine zentnerschwere Last. Nein,

keiner hat mich zu diesem Schritt gezwungen. Nein, ich

habe es selbst so gewollt, auch wenn mir mein Gewissen

das Gegenteil einreden will. Nein, nicht die anderen

sind schuld. Nein und nochmals nein. Ich stampfe mit

dem Fuß auf. Schluss, aus, amen. Reiß dich zusammen,

Sofie. Weg mit diesen elenden Gedanken, die in meinen

Gehirnwindungen Achterbahn fahren. Mir wird direkt

schlecht. Schlecht von so viel schlechten Gedanken, und

vor lauter Denken hab ich überhaupt nicht gemerkt, dass

ich längst den Bahnhof verlassen hab. Erst als ich mich aus

irgendeinem Grund umdrehe, kann ich auf dem hinter mir

liegenden Bahnhofsgebäude das Schild noch erkennen. Ich

zwick die Augen zusammen. Meine Sehschärfe war auch

schon mal besser. Jetzt wird die Schrift deutlicher.

»Wörth …«, formt es sich langsam und flüsternd aus

meinem trockenen Mund. Eine beruhigende, beinahe unschuldig

wirkende Stille liegt über dem Ort. Schmeichelnd

gleiten ein paar Strahlen der Frühjahrssonne zwischen den

dunklen Aprilwolken hindurch über die Wipfel der Bäume.

Noch ahne ich nicht, welch grauenvolles Geheimnis er

birgt.

Ich richte meinen Blick wieder nach vorn. Ich habe

Durst. Meine Schritte werden schneller. Kalter Wind

peitscht mir ins Gesicht. Will sich der Winter noch einmal

aufbäumen? Ich knöpfe meine Jacke bis oben hin zu und

werfe einen Blick auf meine Uhr.

»Jesus, fast halb zwölf.« Die Maria wird bestimmt schon

warten. Egal, dann muss sie eben warten. Jedenfalls bin ich

wieder in meinem Oberpfälzer Heimatort. Er ist ja sogar

zur Stadt erhoben worden. Wann? Irgendwann. Weiß ich

nicht genau. Aber müsst ich nicht darauf stolz sein? So,

wie viele Leute damals auch mordsstolz darauf waren? Mir

jedenfalls kommt er genauso spießig und von altbackener

Kleinbürgerlichkeit vor wie vor zwanzig Jahren – und er

ist trotz Brimborium und Mordstrara ein Dorf geblieben.

Mein Dorf.

Dorf hin oder her – jedenfalls ist es mein Heimatort, in

dem ich aufgewachsen bin und von dem ich schon vor

Jahren weggegangen bin. Wegen des Berufs. Und wegen

der Liebe. Hab sie geheiratet, die große Liebe, und mich

dann drei Jahre später wieder scheiden lassen. Und der

Karl, mein Bruder, der ist auch schon lang weg von hier.

War ja auch kein Wunder. Wir haben’s einfach nicht mehr

ausgehalten mit dem Vater, nachdem die Mama gestorben

war. Er hat ihren Tod nie überwinden können, der Papa.

Hat mit dem Trinken und Spielen angefangen. Bis alles

weg war. Das Geld, mein ich.

Ich weiß nicht, wie’s ihm jetzt geht. Ich weiß auch nicht,

wo er wohnt. Hab ihn ja seit zig Jahren nicht gesehen.

Vielleicht lebt er ja inzwischen auch gar nicht mehr. Wer

weiß. Ich seufze. Damals, ja, da sind wir beide, also der

Karl und ich, ziemlich zeitgleich weg. Gut. Vielleicht hätten

wir den Vater nicht allein lassen sollen. Aber wir sind

gegangen. Haben den Kontakt zu ihm von einem Tag auf

den anderen abgebrochen. Vielleicht hat es aber auch so

kommen müssen. Vielleicht bin ich auch deshalb so lang

nicht nach Wörth zurückgekommen.

Jetzt aber bin ich wieder hier und hab inzwischen die Bahnhofstraße

verlassen. Ich kraxle auf eine Anhöhe und schau

hinunter ins Tal. Ein Anflug von Wehmut überkommt

mich. Alles hab ich zurückgelassen: meine gut bezahlte

Arbeit als Sekretärin in einem Münchner Großkonzern.

Mein Leben in Saus und Braus. Ertragen hab ich’s nimmer,

den Glitzerschein der Großstadt, die vielen Menschen. Weg

wollt ich. Weg. Mir ist aber auch klar, dass es nicht einfach

sein wird, mit meinen vierundvierzigeinhalb Jahren noch

einmal neu anzufangen. Bin ich vielleicht auch schon ein

Opfer der Midlife-Crisis geworden? Ich weiß es nicht.

Doch jetzt besuch ich erst einmal die Maria. Ja, die Maria.

Meine Freundin aus Kindertagen. Die wird sich sicher

auch närrisch freuen, wenn wir uns nach all den Jahren

wieder sehen. Ich klettere den Abhang hinunter.

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Seitenaufrufe: 110 mal Aufgerufen Am 6. September 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Donau, Ermittler, Krimi, Mord, Polizei, regional, Skelett, Thriller, Tod, vergraben
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