Gotteskinder: Bielefeld vs. Münster

Gotteskinder: Bielefeld vs. Münster
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Krimi & Thriller
Webseite: https://www.facebook.com/JetteKuehn
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783739202716
Wer löst den Fall, der zunächst gar keiner zu sein scheint - wer entwirrt das Geflecht aus Habgier, Sex und Abhängigkeit - die Experten der Kripo Bielefeld oder die Amateure aus Münster? Ein Psychologe wird tot in seiner Praxis aufgefunden. Eine junge Frau verschwindet spurlos. Die Bielefelder Kommissare Benrich und Jakobson ermitteln. Die Verbindung zwischen den Fällen und die entscheidenden Hinweise auf ein weiteres unfassbares Verbrechen finden jedoch erst Eva und Jorma, frühere Freunde der vermissten Johanna. Ihre Suche nach Erklärungen führt sie in die Welt der sexuellen Spezialdienstleistungen, in eine Psychiatrie und in die Hände von skrupellosen Medizinern - aber auch in ihre gemeinsame Vergangenheit. Am Ende stoßen sie dabei auf etwas viel Größeres und es wird immer schwieriger Gut und Böse auseinanderzuhalten. Wo sind die ethischen Schranken in einer Zeit, in der der medizinische Fortschritt die Grenzen des Machbaren immer weiter verschiebt?
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Prolog

Er konnte keinen Gedanken mehr fassen. Seine Gelenke schmerzten, die Hände spürte er kaum noch, doch das hatte keine Bedeutung mehr für ihn. Seine Handgelenke wurden von breiten Lederbändern an dicken Balken gehalten. An ihnen spürte er die ganze Schwere seines Körpers. Er konnte mit seinen bloßen Zehen gerade den kalten Boden berühren und so hin und wieder ein bisschen Gewicht von den Armen nehmen, denn das Kreuz, an dem er hing, war kleiner, als sein berühm-tes Vorbild es gewesen sein musste. Seine Beine versagten ihm immer wieder und er knallte nackt und ungeschützt gegen das raue Holz. Seine Füße schienen eingefroren. Trotzdem schwitzte er.

Ganz am Anfang hatte er überall eine Gänsehaut gehabt und sich gefragt, wie lange es her war, dass er dieses Gefühl empfunden hatte. Dann hatte er sich vor allem über diesen merkwürdigen Gedanken gewundert. Etwas später war ihm auch dieser Gedanke abhandengekommen – er fühlte nur noch.

Seine Beine zitterten. In seinem geschundenen Brustkorb pochte sein Herz wie verrückt. Blut rann seinen Körper herab. Denken war endgültig Vergangenheit. Jetzt existierte nur noch sein Leib. Es war eine Reduktion auf das Äußerste. Er lernte sein innerstes, tierisches Wesen kennen. Seine Identität war ausgelöscht. Es gab keinen Ehemann mehr und erst recht kei-nen überlegenen Psychologen. Er befand sich außerhalb von Raum und Zeit nur noch in sich selbst. Alles, was er jetzt noch konnte, war zu stöhnen.

Bielefeld, 6. Mai, 7.20 Uhr

»Was machst du da?«

Verwundert sah Sarah Jakobson ihrem Mann nach, der plötzlich und zum unpassendsten Zeitpunkt aus dem Bett gesprungen war.

»Du hast einen Ständer – und die Vorhänge sind auf, falls dir das nicht aufgefallen ist, mein Schatz. Du verschreckst die ganze Nachbarschaft. Gleich ruft einer die Polizei, dann kommst du dran wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.«

»Wenn du Schatz sagst, fällt die ganze Pracht gleich wieder in sich zusammen. Du weißt genau, Schatzimausi und Konsor-ten haben in meinem Schlafzimmer nichts zu suchen.«

Thomas Jakobson grinste sie frech an. Er lauschte in den Flur, schloss zuerst behutsam die Zimmertür und danach, in aller Ruhe und mit sonnenbeschienener Erektion, die Vor-hänge. Mit einem zufriedenen Lächeln stieg er zurück ins Bett.

»Hättest du vielleicht Verwendung dafür?«, fragte er und zog ihr die Boxershorts aus, die eigentlich ihm gehörten.

Sarah schmiegte sich an ihn.

»Aber ganz schnell, wir haben höchstens zehn Minuten.«

»Alles möglich.«

Er ließ sich auf sie nieder, um dann in ihr zu versinken.

Genau zwölf Minuten später ließ ihn ein lauter Schrei hoch-fahren.

»Ich komme!«, rief Sarah Jakobson mit geröteten Wangen und schlug hastig das dünne Laken beiseite. Sie sprang aus dem Bett und rannte aus dem Zimmer. Milla hatte wahr-scheinlich wieder einmal schlecht geträumt.

Thomas seufzte, stand auf und angelte nach seiner Jeans, die unter dem Bett lag. Vielleicht sollte man sich den Wecker mal auf fünf Uhr stellen, um den Morgen etwas länger unge-stört genießen zu können. Andererseits war er beileibe kein

Frühaufsteher. Fünf Uhr schien daher auch keine wirkliche Lösung zu sein. Im Moment war das auch völlig egal, denn heute hatte es geklappt. Die zehn Minuten hatten ausgereicht, um ihn in eine nachhaltig gute Laune zu versetzen.

Im Bad brummte er während des Rasierens vergnügt vor sich hin und sein Gurgeln nach dem Zähneputzen klang wie Nothing Else Matters.

Jakobson bemerkte, dass er noch immer lächelte, als er die Treppe zum Präsidium nahm. Das war schon länger nicht mehr vorgekommen.

Seit Milla da war, gab es zu Hause kaum eine Verschnauf-pause, und bei der Polizei war sowieso ständig etwas los. Und wenn er mal keine Verbrecher jagte, hatte er jede Menge Papierkram zu erledigen, was ihn eigentlich noch mehr nervte als nervenaufreibende Ermittlungen. Aber seit klar war, dass Milla einen Kindergartenplatz haben würde, war Sarah etwas entspannter und das entspannte auch ihn. Wenn auch auf eine etwas simplere Weise als sie, dachte er. Ihm reichte schnöder Morgensex und schon sah der Tag ganz anders aus. Zufrieden konstatierte er, dass die Feministinnen-Fraktion unter Sarahs Freundinnen ihn für einen Primitivling halten würde. Ein perfekter primitiver Mann zu sein fühlte sich allerdings sehr gut an und schien an diesem Morgen genau das Richtige zu sein.

Sein Lächeln wurde noch breiter, als er das Büro betrat.

»Morgen, Karl. Na, schon was los heute? Irgendwelche Anrufe von verstörten Frauen aus meiner Nachbarschaft?«

Sein Kollege Karl Benrich sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Er schien weniger gut gelaunt zu sein. Jakobson wunderte das nicht. Benrich hatte zur Zeit keine Frau. Geschieden. Er hätte aber gern wieder eine gehabt. Nur wusste er nicht mehr so richtig, wie er an eine rankommen sollte. Wahrscheinlich war er auch in einem schwierigen Alter für so etwas. Jenseits der Fünfzig lernte man nicht mehr so leicht jemanden kennen, zumal Benrich auch nicht anspruchslos war.

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Seitenaufrufe: 60 mal Aufgerufen Am 9. November 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Bielefeld, Krimi, Lokalkrimi, Münster, Münsterland, NRW, OWL, Regionalkrimi, spannend, Westfalen
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