Gib mir dein Wort – Im Schatten der Mafia

Gib mir dein Wort – Im Schatten der Mafia
Preis: 11,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Krimi & Thriller
Webseite: www.haraldschmidt-ebooks.de
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783741225383
Als der vierzehnjährige Claudio ungewollt durch einen Freund in die Drogengeschäfte der ›Organisation‹ hineingezogen wird, beginnt sein Leidensweg. Verrat und Misstrauen bringen ihn in allergrößte Gefahr. Zu seiner eigenen Sicherheit muss er Kalabrien, Familie und Freunde verlassen. Auf sich selbst gestellt, begibt er sich auf den steinigen Weg nach Deutschland. Hier hofft er, sich aus dem Netz der Mafia, der Ndrangheta, befreien zu können. Doch das Leben zeigt ihm mit aller Härte, was es bedeutet, der Vergangenheit entfliehen zu wollen. Kann Claudio untertauchen in einer für ihn völlig fremden Welt? Wird er eine Zukunft mit eigener Familie aufbauen können? Findet er ›LA DOLCE VITA‹ auch in Deutschland? Inspiriert von einer wahren Geschichte, schildert der Roman in ungeschönten Bildern, wie das Verbrechen ein Leben zerstören kann. Ein Sumpf von Gewalt, Drogen und Korruption, aber auch tiefe Freundschaften begleiten den Jungen auf der Suche nach einer neuen Heimat.
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Leseprobe

Der Tag war erfolgreich gelaufen, die Geldscheine in Marcos’ Tasche fühlten sich angenehm an. Er freute sich auf ein kühles Bier in der Wohnung, die er normalerweise mit einer Freundin teilte. Doch heute war Mädelsabend, er war also allein. Ein gruseliger Horrorfilm sollte ihm die Zeit versüßen, in der er sich ungestört auf dem Sofa herumlümmeln konnte. Das Licht in der Diele beleuchtete die unaufgeräumte Garderobe. Schon oft hatte er Tina gebeten, ihre Sachen ordentlich aufzuhängen und die Schuhe nicht über den Boden zu verteilen. Ärgerlich kickte er ihre Sneaker quer durch die Diele. Die Küche zeigte an, dass sie die Wohnung in aller Eile verlassen hatte, die dreckigen Teller und Töpfe im Spülbecken verbreiteten einen unangenehmen Geruch. Ein angebissenes Pizzastück lag einsam auf der Tischplatte.

Entnervt zog er die letzte Bierflasche aus dem Kühlschrank, ansonsten fristeten dort nur ein Käsekanten und eine Margarineschachtel ihr tristes Dasein.

»Du solltest deiner Perle ab und zu was auf die Fresse hauen. So kann doch kein Mensch leben.«

Die Worte kamen aus dem Nichts … er spürte keinen Herzschlag mehr. Alles um ihn herum erstarb in Reglosigkeit. Die Bierflasche folgte der Erdanziehung und zersplitterte auf dem Fliesenboden, doch das nahm er nur unterbewusst wahr. Was geschah hier? Wie kam der Kerl, von dem er bisher nicht mal etwas sehen konnte, in die Wohnung? Und was wollte er von ihm?

»Willst du uns nicht begrüßen? Marcos, wo sind deine Manieren geblieben? Komm, setz dich zu uns.« Die Worte kamen nun aus einer anderen Richtung, jedoch mit einem freundlich-gefährlichen Unterton. Seine Blase schien ihm übervoll, sie drückte im Unterleib. Mit zitternden Knien drehte er sich langsam um und sah in ein Gesicht, das ihm den Horrorfilm ersetzte. Kalte Augen standen dicht beieinander unter einer niedrigen Stirn, die dünnen Haare waren am Hinterkopf zu einem Pferdeschwanz gebunden, die Lippen hatten sich zu einem zynischen Grinsen verzogen. Das Gesicht erzeugte pures Grauen, denn seine Nase fehlte.

Marcos konnte zwei Löcher erkennen, die mit Haut überzogen waren. Er versuchte, ein Würgen zu unterdrücken, und riss spontan die Hand vor den Mund.

»Gefalle ich dir nicht, mein Freund? Ich kann dir nur raten, schlaf nie bekifft in einem Keller, in dem Ratten ihr Zuhause haben. Geh da rein, da möchte jemand mit dir reden.«

Das riesige Monster trat einen Schritt zur Seite, sodass Marcos endlich den zweiten Besucher im Halbdunkel erkennen konnte. Franco saß mit übereinandergeschlagenen Beinen im Sessel, ausdruckslos blickende Augen fixierten das Opfer. Bevor Marcos sprechen konnte, stieß ihm das Rattengesicht einen Küchenstuhl in die Kniekehlen. Mit einem kurzen Aufschrei fiel er zurück, sofort presste ihm eine Hand ein übel riechendes Tuch in den offenstehenden Mund. Das Geräusch, das jetzt folgte, kam Marcos bekannt vor, es erinnerte ihn an graues Gewebeband, das von einer Rolle gezogen wurde. Momente später saß er mit gebundenen Händen auf dem Stuhl und musste hinnehmen, dass auch seine Füße eine feste Verbindung mit den Stuhlbeinen eingingen. Angst, lähmende Angst ließ seinen Atem stocken. Kam jetzt das, was Claudio ihm prophezeit hatte? Hoffentlich würden die Qualen nicht so lange dauern … möge der Tod schnell und gnädig sein.

Franco beobachtete ihn und er versuchte, diesem zwingenden Blick auszuweichen. Den zweiten Mann spürte er wie ein Fallbeil im Rücken. Der Augenblick kam, in dem ihm die Schließmuskeln den Dienst versagten, sein heißer Urin erreichte den Teppich, wurde dort gierig aufgesaugt. Tränen der Scham und des Grauens liefen über seine Wangen. In Gedanken versuchte er zu beten, doch die Angst verweigerte ihm zusammenhängende Verse. Francos Worte rissen ihn zurück in die Realität.

»Du weißt, warum ich hier bin? Du wunderst dich bestimmt, warum ich den Weg von Düsseldorf nach Neuss auf mich nehme? Alles nur, um einen kleinen Pisser in seinem Loch zu besuchen? Ja, ich glaube, das weißt du … das weißt du ganz sicher.« An dieser Stelle machte er eine Pause und genoss die Angst, die diesen schlotternden Körper bis in die Spitzen besetzt hielt.

»Ich bin nicht immer gesetzestreu, nein, ganz und gar nicht. Das betrifft zumindest das offizielle Gesetzbuch. Einem Gesetz bin ich aber immer treu geblieben, einem ungeschriebenen Gesetz … dem Gesetz der Ehre. Hast du davon gehört, du Furz? Doch, das hast du; es war dir wohl nie so wichtig. Ich möchte dir zeigen, wie bedeutend dieses Gesetz in unserer Branche ist.« Er gab dem Ungeheuer ein Zeichen. »Du hast mein Vertrauen schändlich missbraucht, was verwerflich genug ist. Was noch viel schlimmer ist: Du hast einen Freund ans Messer geliefert, der sein Wort gegeben hat. Du hast ihn im Stich gelassen.« Franco legte die Fingerspitzen gegeneinander und seine Augen blitzten.

»Luca wird dir jetzt zeigen, was wir mit Leuten anstellen, die sich gegen dieses Gesetz stellen. Er wird dir eine Lektion erteilen, die du niemals vergessen wirst.«

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Seitenaufrufe: 47 mal Aufgerufen Am 20. Juni 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Drogenhandel, Flucht, Freundschaft, Gewalt, Ndrangheta, Rache, Schweigegelübde
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