Gesichter des Verrats

Gesichter des Verrats
Preis: 1,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Würde ich auch heute in der Gosse leben, wenn ich ein stärkerer, selbstbewussterer Mensch gewesen wäre, ein Mensch, der geliebt wird? Niemand hat mir erklärt, dass Liebe blind macht. Niemand hat mich gewarnt, dass ich mit meiner Wahl vorsichtig sein sollte. Oder habe ich die Warnungen nur ignoriert? Habe ich die Zeichen einfach verdrängt, weil ich so ausgehungert nach Liebe war? Doch die größte Last, die ich seit jener Nacht vor zwei Jahren in mir trage, ist der Verrat, den ich an dem einzigen Menschen, der mich uneingeschränkt liebte, beging. Aber hatte ich eine Wahl?
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Leseprobe

 

 

…Es ist Sonntagmorgen um acht Uhr, und es ist der Tag, nachdem mir Robert in diesem schicken Restaurant mitteilte, dass meine Mutter geisteskrank gewesen sei. Als wir nach Hause kamen, legte er mir wortlos ein Schreiben des Sanatoriums, in dem meine Mutter des öfteren zur Kur war, vor. Ich war so wütend, dass ich es nicht einmal ansah und es ihm aus der Hand schlug. Ich wollte es nicht lesen. Ich fürchtete, dass da etwas stünde, das vielleicht der Wahrheit entspricht. Robert blieb ganz gelassen, hob das Blatt wieder auf und las mir den Text vor. Er zwang mich, mit seiner ruhigen Stimme zuzuhören. Das einzige, was ich verstand, war das Wort schizophren.

Ich stand da in dem großen Wohnzimmer und es schien mir, als würden die Wände auf mich zukommen und mich erdrücken. Robert kam vorsichtig auf mich zu und schloss mich in die Arme. »Schatz, und deshalb möchte ich, dass du es dir noch einmal überlegst. Es ist eventuell vererbbar, man ist sich darüber zwar nicht hundertprozentig sicher, aber die Möglichkeit besteht. Und deshalb solltest du vorher Tests machen lassen.«

»Bedeutet es, dass auch ich schizophren bin?« Er sagte nichts. Ich riss mich von ihm los und rannte zur Tür. »Wohin willst du?«

»Zu meinem Vater, der wird wissen, ob es die Wahrheit

ist.« Er hielt mich fest und sah mich eindringlich an. »Es ist schon spät, Anne.«

 

Die ganze Nacht habe ich kein Auge zugemacht. Angst und Zweifel hielten mich wach, und völlig übernächtigt wandere ich in der Wohnung umher. Ich weiß nicht, was ich tun soll, denn überraschenderweise will ich das Kind wirklich bekommen. Etwas in mir scheint den Schalter

der Gefühle umgelegt zu haben und ich merke, wie ich anfange, für dieses Kind zu kämpfen. Ich muss mit meinem Vater sprechen. Er ist der Einzige, der mir bestätigen kann, ob Roberts Behauptung, dass meine Mutter unter Schizophrenie litt, stimmt.

Ich bin schon an der Tür, als mir einfällt, dass es vielleicht ratsam ist, das Schreiben des Sanatoriums mitzunehmen. Ich gehe zurück ins Wohnzimmer und fange

an zu suchen. Ich bin mir sicher, dass Robert es auf den Tisch gelegt hat. Ich schaue unter dem Tisch, unter dem Sofa nach. Nichts. Ich durchwühle sämtliche Schubladen und ich stelle das ganze Zimmer auf den Kopf. Doch der Brief ist verschwunden.

Wütend stürze ich ins Schlafzimmer. Einen Moment lang muss ich zögern, als ich Robert so seelenruhig schlafend da liegen sehe, mit wild zerzausten Haaren, die dunklen Bartstoppeln

verleihen ihm einen animalischen Zug, und seine dichten Wimpern und die gerade Nase geben ihm ein so edles und verletzliches Aussehen. Seine Lippen sind entspannt, und ich kann keine harten Züge erkennen. Er sieht so aus wie der Robert, den ich vor mehr als einem Jahr

kennen und lieben gelernt habe, und jetzt, in diesem Augenblick, schleicht sich ein Gefühl bei mir ein, dass ich diesen Mann überhaupt nicht kenne. Unvermittelt poltere ich los: »Wo ist das Schreiben des Sanatoriums?« Robert schrickt hoch und blickt schlaftunken in meine

Richtung. »Robert, wo ist das Schreiben?«

»Wovon redest du, Anne? Mein Gott, schrei doch nicht so.« Ich bemühe mich, ganz ruhig zu sein: »Das Schreiben, in dem steht, dass meine Mutter angeblich schizophren war und ich eventuell davon betroffen bin. Und mein Kind ebenfalls.« Robert richtet sich langsam auf und blickt mich ungläubig an. »Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.«

»Was soll das heißen, du hast keine Ahnung?«

»Anne, kannst du bitte etwas leiser sprechen, ich bin noch nicht ganz wach. Okay?«

Wütend drehe ich mich um und knalle die Tür hinter mir zu. Ich greife mir meine Jacke an der Wohnungstür. Plötzlich spüre ich Roberts harten Griff an meinem Arm und wie er mich energisch zurückzieht. »Wohin willst du, in Gottes Namen hin?«

»Zu meinen Vater. Ich will es endlich wissen.«

»Warte. Beruhige dich erst einmal. Ich schwöre bei Gott, dass ich kein Schreiben des Sanatoriums habe. Wir haben uns gestern gestritten, ja, und ich gebe zu, dass ich Andeutungen gemacht habe. Es tut mir leid, Anne, aber ich wollte …«

»Ich glaube dir kein Wort. Willst du mir etwa erzählen, dass du mir hier in unserem Wohnzimmer keinen solchen Brief gezeigt hast?« Robert sieht mich lange an. »Ich habe dir eine Einladung

von dem anstehenden Ärztekongress in Frankfurt gezeigt, damit du mir glaubst, dass wir den Notartermin für die anstehende Gütertrennung verschieben müssen.«

Eine schier endlose Stille erfüllt den Raum, bis diese schließlich von meiner schrillen Stimme zerrissen wird: »Was für eine kranke Geschichte ist das denn jetzt? Denkst du, dass ich mir alles nur eingebildet habe?« Robert wendet seinen gequälten Blick von mir ab. Heiße und kalte Schübe durchströmen meinen Körper. Bin ich verrückt? Diese kleine Frage wächst plötzlich zu einem Monster in meinem Kopf heran.

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Seitenaufrufe: 40 mal Aufgerufen Am 13. Oktober 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Dramatik, Liebe, Lügen, Mord, Psychothriller, Verrat
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