Gesetzbuch des Kosmos- Opus Gemini 1

Gesetzbuch des Kosmos- Opus Gemini 1
Preis: 8,99 €
Autor:
Genres: Historisch, Kinder & Jugend
Webseite: www.codex-regius.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781517363451
Auf der Jagd nach Chaeremons Werkzeug. Zwanzig Jahre nach der Niederlage des falschen Propheten Chaeremon taumelt das Römische Imperium auf eine Krise zu. In den Kriegswirren des Nahen Ostens gelingt Prinzessin Iulia Balbilla die Flucht aus ihrer Verbannung. Unverzüglich schickt sie sich an, die verlorene Macht ihres Herrscherhauses zurückzugewinnen. Egal, um welchen Preis. So erhebt das untergegangene Königreich Commagene wieder sein Haupt. Seine Agenten ziehen aus, um das Opus Gemini zu beschaffen, mit dem Chaeremon einst die Massen am obergermanischen Limes beherrschte. Nur Restitutus, der Opferherr aus dem antiken Wiesbaden, weiß noch, wo es versteckt ist. Doch Restitutus ist seit Monaten spurlos verschwunden. Die Mächte, die an dieser letzten überlebenden Kopie des Mechanismus von Antikythera interessiert sind, setzen sich darum auf die Spur der übernächsten Generation: seines Adoptivenkels Adrianus und dessen Pflegeschwester Valeriana.
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

Pernicas Augen verfolgten den Schwung des blonden Zopfes bei dem Mann, der vor ihr ritt, links und rechts, links und rechts, links und rechts; sein tiefster Punkt markierte die Stelle, auf die sie ihr Wurfmesser zielen musste. Sie fragte sich, ob ihm seine himmlische Rechenkunst auch gesagt hatte, dass ihn an diesem Tag sein Schicksal ereilen würde.

Das war wirklich etwas Neues: einen anderen Gladiator ohne Gegenwehr zu fällen. Die römische Art des kalkulierten Tötens hatte viel mit Chirurgie gemeinsam. Es war eine mathematische Übung jener Art, die Rutilicus sie gelehrt hatte: die Sitte eines Imperiums, das numerische Genauigkeit sogar beim Blutvergießen schätzte.

Als Erstes würde ihr Messer ihn ganz unerwartet treffen. Umbringen würde es ihn nicht, dafür war es zu klein. Aber schwächen würde es ihn. Als Zweites zu ihm aufschließen und ihr Schwert in seine Seite stoßen, bevor er Speer oder Schild heben konnte. Am Straßenrand sterben lassen. Als Drittes mit beiden Pferden abhauen. Zum Berg Ocra zunächst und dann weiter, sie wusste noch nicht, wohin. Der Curator würde nie herausfinden, was eigentlich geschehen war auf dieser Straße in den Carusardius, jenes Ödland östlich des Meers, das nur Kargheit und Wind kannte.

Sie presste die Knie an die Sattelhörnchen und hob flüchtig die Augen zum verschleierten Himmel. Dass alles hinter diesen Wolken von einem Räderwerk beschrieben werden sollte, schien ihr das Erstaunlichste, was sie je in den Ländern der Römer vernommen hatte. Was war und sein würde, war also nicht mehr Kunde von Propheten, sondern Kenntnis der Gelehrten. Menschengeist stieg in den Himmel auf, vermaß den ruhelosen Sternenlauf und teilte ihn in Zeichen, Kreise, Winkel. Bilder wurden gezeichnet, Örter abgesteckt, Bahnen ausgemessen und schließlich die alles steuernden Gesetze aufgedeckt. Ars Mathematica: das war der Name dieser unfassbaren Rechenkunst. Die Weisen schmiedeten die Ordnung des Kosmos in Erz und schufen aus ihm ein Werk, das den Lauf der Sterne widerspiegelte.

Zumindest hatte es so der Curator im Auftrag von Herrn Balbillus ausgedrückt, dem Besitzer des Gladiatorenvereins, dem sie angehörte – sie kannte ihn als »den Stall«. Die Beschreibung sprach für einen kleinen Wagen oder ein Mahlwerk. Pernica konnte sich keine andere Art von Rädern vorstellen. Doch hatte der Curator auch gesagt, sie könne dieses Ding in beiden Händen halten.

Hatten die Sterne Herrn Balbillus geraten, Pernica auszuwählen, um sein verlorenes Gerät wiederzuerlangen? Sie hatte sich beworben, Gehorsam geschworen, ihr Preisgeld als Sicherheit für ihre Wiederkehr hinterlegen müssen – doch das kümmerte sie nicht. Wer hatte je von Menschen gehört, die einen Schwur auch hielten? Sie hatte ihn nur geleistet, um zur Ocra zurückzukehren.

Einige Zeit lang hatte sie nicht gewusst, ob sie angenommen würde. Andere Gladiatoren hatten sie ausgelacht und ihre Hoffnung albern genannt. Schließlich war sie aber doch Sedigitus zugeteilt worden, weil sie das Leben in freier Wildbahn gewohnt war, bei dem er versagen würde, während er in den Städten zuhause war, die für sie nur bedrohliche, menschengemachte Schluchten darstellten. In den Arenen waren sie beide groß gewesen: Pernica die Schnelle, manchmal auch als Panterkatze von Pola beworben, was ihr noch besser gefiel, und Sedigitus das Ungetüm. Er war aus Gründen berufen worden, über die sie nichts wusste, doch schien Herrn Balbillus’ Sache völlig treu ergeben. Dieser bittere Kämpfer war sogar im »Stall« gemieden worden, weil er selten ein Wort sagte und nur lachte, wenn er wieder einen Gegner bezwungen hatte. Wie sehr sie sich danach sehnte, ihn loszuwerden!

Es war jetzt kälter als unten an der See. Sie hatten keine Seele mehr getroffen, seit sie aus dem Hafen von Tergeste aufgebrochen waren, aufwärts, landeinwärts, Richtung Histria. Vor ihnen erhob sich ein abgeschürfter Berg über Moos und Gestrüpp, weiß wie ein verlorener Schneehügel und so niederdrückend wie der Sarg eines gefallenen Gottes. Dies war die Ocra: der Ort, zu dem sie zurückkehren wollte. Allein. Dafür musste sie noch sorgen.

Sie hatte nicht gelernt, vom Pferderücken aus zu zielen und das Schaukeln der Sättel dabei auszugleichen. Seit langem schon war sie überhaupt nicht mehr geritten; und ihre Stute, Alata, war so hoch, dass sie sich auf deren Rücken wie ein kleines Mädchen fühlte. Aber versuchen konnte sie es. Pernica war eine Dimachaera und dafür ausgebildet, beidhändig Klingen zu führen; ihre Linke allerdings war noch ein klein wenig besser zum Ausrichten und Werfen geeignet.

Sie wechselte den Zügel in die Rechte. Ihre Augen ruhten auf dem verwundbaren Punkt in seinem Rücken, gerade mittig unter dem Schwung des Zopfes. Sehr behutsam glitt ihre Linke am Mantel hinab auf die Stelle in seinem Saum zu, die das Messer barg.

Bewertung: 0.0 von 5 (0 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 48 mal Aufgerufen Am 18. November 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Germanien, Gladiator, Legion, Limes, Mainz, Mechanismus von Antikythera, Rein, Römer, Wiesbaden
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.