Genius Vacui

Genius Vacui
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Horror & Mystery
Webseite: www.mobilus-moonworks.com
Erscheinungsjahr: 2011
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Hinter alten Mauern wuchert der Wahnsinn unbemerkt ... Jefferson Ashcroft lebt mit seiner Frau Linda in einem abgeschiedenen alten Herrschaftssitz. Als Linda tödlich verunglückt, kann er die schreckliche Wahrheit nicht verkraften. Im eingeredeten Glauben, seine Frau sei in einen tiefen Schlaf verfallen, vergeht er sich an der bereits verwesenden Leiche und zieht sich dabei eine Infektion zu, die auch zu seinem eigenen Verfall führt. Die Ereignisse überschlagen sich, als die Tote Anzeichen einer Schwangerschaft zu zeigen scheint ... Romantik zwischen Fäulnis, Fliegen und der Ewigkeit ... Mit dem vorliegenden Roman öffnet J. Mertens die Tür zu einer neuen Dimension im Horror-Genre. Mithilfe eines Tabubruches schildert er das verzweifelte Festhalten an einer längst erloschenen Liebe, an dessen Ende nur die erschreckende Kausalität der vernichtenden Leere stehen kann ...
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Leseprobe

Jefferson hatte die Taschen abgestellt und drehte bereits den Schlüssel in der Haustür. Dann hob er die Taschen wieder auf und schob den Karton durch den Eingang.

„Linda?“, rief er. „Ich bin wieder da.“

Keine Antwort. Linda schlief wohl immer noch. Jefferson stieß mit dem rechten Fuß die Tür zu und schaffte die Taschen in den Vorratsraum im Nordosten des Erdgeschosses, wo er die Tiefkühlkost in den entsprechenden Kühltruhen verstaute. Den Rest ließ er in den Taschen auf dem Boden stehen. Auch der Karton, den er anschließend im selben Raum auf dem Boden abstellte, hatte erst einmal Zeit, denn er enthielt ausschließlich Konserven und Trockenkost. Es war jetzt wichtiger, nach Linda zu sehen.

Jefferson verließ den Vorratsraum, durchquerte die Lobby und bestieg die Treppe nach oben.

„Hey, Linda!“, rief er erneut auf dem Weg in den ersten Stock.

„Schatz, bist du es?“, kam die verschlafene Antwort.

„Natürlich, wer denn wohl sonst?“, lachte Jefferson. „Ich war bei Robert Hill und habe erst einmal kräftig eingekauft.“

Jefferson hatte das Schlafzimmer erreicht und trat ein. Linda war inzwischen wieder eingeschlafen. Die Uhr stand auf Viertel vor elf am Vormittag, und Jefferson beschloss, seine Frau so lange schlafen zu lassen, wie sie wollte. Er sprach sie nicht weiter an und setzte sich stattdessen zu ihr auf die Bettkante, um sie ein wenig zu betrachten. Sie war in der Tat sehr blass geworden, und ihre Haut hatte eine bläulichgraue Färbung angenommen. Die blauvioletten Blutergüsse, für ihn momentan insbesondere sichtbar an Händen und Ohren, hatten sich vergrößert, und es schien Jefferson so, als wären noch weitere hinzugekommen. Vermutlich waren sie heute Morgen noch sehr klein gewesen und hatten sich während seiner Abwesenheit erst ausgebildet. Es musste wirklich ein harter Sturz gewesen sein, der so viele blaue Flecken erzeugen konnte. Jefferson bemitleidete Linda und ärgerte sich, dass er ihre Knochenarbeit trotz des Hausmädchens in der Vergangenheit zugelassen hatte. Wie zum Trost ergriff er Lindas Hand – die er jedoch erschreckt im selben Moment wieder losließ. Die Hand war nicht nur immer noch völlig steif, sondern auch eiskalt! Jefferson griff unter die Decke und tastete ihren Körper ab. Die Beine, der Bauch, der Busen – alles war kalt und hart. Wie konnte sich Linda mitten im Sommer derart unterkühlt haben? Nein, dies war keine Arthrose, sondern ein schwerer grippaler Infekt; Lindas Immunsystem war völlig geschwächt! Kein Wunder, dass sie so viel schlief. Jefferson beschloss, bis morgen Nachmittag zu warten und sofort Alan anzurufen, wenn die Symptome bis dahin nicht abgenommen hatten. Und es interessierte ihn auch jetzt nicht, dass es Sommer war – Linda hatte Untertemperatur, also hatte Jefferson die Heizung aufzudrehen. Schnell umrundete er das Bett und begab sich zum Temperaturregler, den er bis zum Maximum schob. Das würde zwar zu einer für ihn unerträglichen Hitze im Schlafzimmer führen, doch an sich selbst dachte er in diesem Moment zuletzt.

Gerade als er sich wieder aufrichtete, fiel sein Blick durch das Ostfenster auf den Familienfriedhof. Dort meinte er für eine Sekunde, eine Gestalt erblickt zu haben, die dann rasch hinter der Kapelle verschwunden war. Doch konnte das wahr sein? Jefferson war sich sehr sicher, das Tor bei seiner Rückkehr hinter sich geschlossen zu haben. Und ansonsten gab es keine Möglichkeit, auf konventionellem Wege auf das Grundstück der Ashcrofts zu gelangen. Nein, das konnte nicht sein. Vermutlich war es eine streunende Katze gewesen, gerade schmal genug, um zwischen den Stangen der Einfriedung hindurchzuschlüpfen oder ein Vogel, der kurz dort gelandet und wieder fortgeflogen war. Möglicherweise handelte es sich auch nur um eine schlichte Halluzination, hervorgerufen durch eine Spiegelung des Sonnenlichtes. Und doch hatte die Gestalt, auch wenn sie nur kurz gewissermaßen aufgeblitzt war, etwas Menschliches an sich gehabt – sogar etwas vertraut Menschliches.

Jefferson lachte innerlich über sich selbst bei dem Gedanken, dass er auf einem derart großen Grundstück schon die kleinste Bewegung von was auch immer als so ungewöhnlich empfand und fing wie mechanisch wieder an, Gershwins „Summertime“ zu pfeifen.

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Seitenaufrufe: 45 mal Aufgerufen Am 22. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Grauen, Horror, Mystery, Psycho, Schrecken, Tod
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