Flugangst … und weitere amüsante Kurzgeschichten

Flugangst … und weitere amüsante Kurzgeschichten
Preis: 8,90 €
Autor:
Genres: Belletristik, Humor
Webseite: www.andreas-tietjen.de
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783740728366
Wieso muss ein Mensch mit Flugangst ausgerechnet einen neuen Job in der Luftfahrt bekommen? Welche großen Geheimnisse verbergen sich hinter den Vorhängen von Umkleidekabinen? Woran liegt es tatsächlich, dass die Bahn niemals pünktlich ist? Warum kann eine Präsentation nicht einfach mal ohne Probleme klappen? Wie viel kostet ein kostenloses Wochenende an der Ostsee wirklich? Wer ist eigentlich auf den bescheuerten Namen Dampfi 2000 gekommen? All diese, und viele weitere Fragen, die den Alltag von Dirk und Tanja genauso stark betreffen, wie das Leben der meisten Menschen, werden in diesem Buch ausgiebig beantwortet. Dirk und Tanja sind ein typisches, kinderloses Paar unserer Zeit. Anfang Dreißig, unabhängig, stilbewusst, vielleicht manchmal eine Spur zu materialistisch eingestellt. Einen Gewissensausgleich schaffen sie sich mit dem bevorzugten Konsum von Bio-Produkten und einer kritischen Haltung zum Individualverkehr - alles unverkrampft und einem gesunden Alltagspragmatismus untergeordnet. »Ein Autor ist irgendwie immer mit dem Schreiben beschäftigt, aber nicht aus jeder Geschichte, die ihm in den Sinn kommt, muss unbedingt ein tiefschürfender Roman werden«, meint der Schriftsteller Andreas Tietjen. »Wenn es aber so richtig Spaß gemacht hat, dann sollte man diesen Spaß auch mit den Lesern teilen!«
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Wenn sich Dirk verliebt hatte, dann rannte er wie blind durch die Gegend. Genau so, wie es viele Mitmenschen auch zu tun pflegen. Damit sei aber nicht gesagt, dass Dirk ein Durchschnittstyp war, denn wieso sollte ich meine Kurzgeschichten einem Durchschnittstypen widmen?
Tabea hieß die Auserwählte. Tabea Mutzke. Sie war schlank, hatte einen blonden Pferdeschwanz und leuchtend blaue Augen. Und sie war Dirks Kommilitonin. Er war jung und er tat alles, um ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung zu gewinnen. An diesem Wochenende hatte er all seinen Mut zusammengenommen und den Vorsatz gefasst, ihr Herz zu erobern. Die Gelegenheit hierfür schien günstig, denn sie hatte sich angeboten, ihn in ihrem Auto zur Semesterparty im Kulturzentrum Altes Walzwerk mitzunehmen. Dies als Anerkennung für seine Hilfe bei der letzten Klausurarbeit. Dirk mochte keine Autos. In erster Linie weil diese mitursächlich für eine Reihe von desaströsen Fehlentwicklungen der jüngeren Zivilisationsgeschichte waren. Erst in zweiter Linie deshalb, weil sein BAföG die Anschaffung und den Unterhalt eines motorisierten Gefährts nicht erlaubte. Tabea hatte ganz andere Prioritäten und das Einkommen ihres Papas reichte sogar dafür, sie mit einem schicken Mini Cooper zufriedenzustellen.
Schon im Verlauf der Fahrt wollte das Gespräch der beiden nicht so recht in Gang kommen. Während Dirk krampfhaft nach Worten suchte, die geeignet waren, seine Gefühle die hübsche Mitstudentin betreffend, in angemessener und wirkungsvoller Weise zu konkretisieren, lamentierte die Auserwählte über ihr Aussehen, mit dem sie selbst an diesem Tag absolut unzufrieden war.
»Wer solche Probleme hat, der ist schon ziemlich privilegiert!«, mühte er sich ein Kompliment ab.
»Hä?! Wie meinst du denn das? Hältst du mich für oberflächlich?!«
»Nein …!«
Pause … Einfallslosigkeit … Totalausfall … Panik!
Tabea warf Dirk noch einen misstrauischen Blick zu, fortan schaute sie nur noch mürrisch und wortlos vor sich auf die Straße.
Dirk schwitzte, obwohl es mindestens Strickjackenwetter war. Brav hielt er ihr die Eingangstür des Foyers auf und folgte ihr unbeholfen in die Veranstaltungshalle, in der die Party schon in vollem Gange war. Bereits nach weniger als drei Minuten hatte Dirk seine Angebetete aus den Augen verloren. Sie hatte sich Küsschen gebend von einem Bekannten zum nächsten durch die Menge geschlängelt, wohingegen ihm selbst die nötige Durchsetzungskraft gefehlt hatte. So blieb er unsicher und unschlüssig am Rand der Tanzfläche stehen. Der Weg zum riesigen Tresen am anderen Ende der Halle erschien Dirk schon beim Hinsehen als unüberwindbares Hindernis. Die Musik war viel zu laut und außerdem nicht nach seinem Geschmack. Schon nach ungefähr einer halben Stunde gestand er sich selbst ein, dass dieser Abend für ihn gelaufen war. Kurz entschlossen suchte er die Cocktailbar in einem angrenzenden Raum auf und gönnte sich eine Piña Colada sin Alcohol. Er setzte sich in eine Sitzgruppe und belauschte ungewollt das Gespräch eines Paares, das sich gerade in diesem Moment und ausgerechnet an diesem Ort zu trennen gedachte. Während sie ihm eine Vorhaltung nach der anderen machte, zerpflückte er eine Plastikblume aus der Tischdekoration und murmelte unentwegt: »Ich weiß nicht … ich weiß nicht … ich weiß nicht!« Als sie schließlich auch nicht mehr wusste, stand sie auf und ging ohne ein Wort des Abschieds. Sein kurzer Ruf: »Katharina?!«, zeigte den wenigen Anwesenden, die Kenntnis von dieser Schicksalsminute genommen hatten, dass die Trennung nun auch von seiner Seite begriffen und vollzogen worden war.
Dirk saß nun alleine in der Sitzgruppe, versuchte, den viel zu süßen Drink durch einen an der Seite eingerissenen Strohhalm zu schlürfen, indem er sich bemühte den Riss mit Finger und Daumen zu bedecken. Er beobachtete das Treiben um sich herum teilnahmslos. Was wohl Tabea jetzt machte?
»Ich weiß nicht«, sagte er kaum hörbar zu sich selbst und ihm wurde im gleichen Moment klar, dass er nicht einmal das Bedürfnis verspürte, aufzuspringen und sich auf die Suche nach ihr zu machen. Dirk holte sich eine zweite Piña Colada und setzte sich an seinen einsamen Platz zurück. Er saugte am Strohhalm und stellte fest, dass auch dieser eingerissen und damit unbrauchbar war.
Ein Mädchen nahm ihm gegenüber Platz. Es hatte gerötete Augen, einen riesigen Feuchtigkeitsfleck auf seiner Bluse und überhaupt keine Frisur. Auch in ihrem Getränk steckte ein Strohhalm, der defekt zu sein schien. Sie saugte kräftig daran, zog ihn aus dem Glas um ihn in Augenschein zu nehmen. Kurz entschlossen schmiss sie ihn im hohen Bogen in den Raum und nahm unbeirrt einen Schluck direkt aus dem Glas.
Es war erst kurz nach zehn, als sich Dirk enttäuscht über den vertanen Abend auf den Heimweg machte. Dieser hätte so anders verlaufen sollen. Zum Schluss hatte er seine Angebetete Tabea dann doch noch wiedergesehen. Knutschend in den Armen eines Muskelidioten, dem die Rückenhaare aus dem Proletenshirt herausquollen.

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Seitenaufrufe: 50 mal Aufgerufen Am 21. Januar 2018 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Beziehung, flugangst, Frau, Geschenk, Humor, Kurzgeschichten, Mann, Reise, satire, Spaß, Urlaubslektüre
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