Exphilosiv – oder: Die technologische Singularität Teil 1

Exphilosiv – oder: Die technologische Singularität Teil 1
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: http://rotstich.net
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als E-Book
ISBN: 9783000540929
Was geschieht in einer atheistischen Welt, die Ihren Glauben an Gott in die Technologie investiert und durch eben diese, Gott herbeiführt? Einer Welt welcher sich Gott weiterhin nur dem Individuum, nicht dem Kollektiv offenbart. Dies ist die Geschichte von Elvis Koa, der glaubte, wissenschaftliche Vernunft würde ihn durch das Leben tragen.
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Leseprobe

Dies düstere Bibelzitat sprach der unbeweglich wirkende Mann in seine Videokamera. Währenddessen ließ er sie auf einem Stativ einrasten, um anschließend, den richtigen Winkel zu finden. Als ob man solche Dinge nicht vorbereitet. Der Absender jenes aufsehenerregenden Internetvideos lautete ‚Hiob‘. Möge die Wahrheit über die Wahl seines Pseudonyms urteilen. Da nun alles stimmte, setzte er sich auf einen edlen Bürosessel, um sich in Ruhe der Aufnahme zu widmen. Der abgenutzte Stuhl wird, zumindest optisch, schon bessere Zeiten erlebt haben. Das Leder hatte mehr als drei Risse, aus denen weißes Polster herausquoll. Der Raum war eher dunkel und zugleich unverhältnismäßig ausgelichtet – sogar für einen verpixelten Amateurfilm. Das einzige Licht im Zimmer kam von ein paar Schreibtischlampen. Am Fenster wurde eine schwere schwarze Plastikplane angebracht, um Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort zu vermeiden. Der Schreibtisch rechts von ihm war mit Computerbildschirmen, Eingabegeräten und Stapeln handschriftlich beschriebener Papiere reichlich beladen. Nachdem sich der  junge Mann also gesetzt hatte, hob er erneut an zu reden: „Ein Zitat aus der Bibel soll nicht bedeuten, dass es sich hier um Religion dreht  … nein, nicht substanziell. Es geht um die technologische Singularität! Einigen wird der Fachterminus unbekannt sein. Ich will es in wenigen Worten verständlich sowie kurz erläutern, bevor ich zum Anlass dieser Videonachricht überleite.“

An der Wand zu seiner Linken lagen zahllose Bücher. Nirgendwo stand ein Regal. Viele der Buchstabensammlungen waren sichtbar aufgeschlagen und in Gestalt von Türmen wild verteilt. Die Mauern des Raumes verbrachten ihr Dasein unverputzt. Das mehr oder weniger geometrische Muster der schlecht verfugten Steine erinnerte zu gleichen Teilen an trostlose Armut wie an den ignoranten Gedanken: ‚Mir doch egal.‘

Hiob trug unauffällige Kleidung, bestehend aus einer dunkelblauen Jeans, die dem übergewichtigen Mann eindeutig zu klein waren. Zusätzlich trug er einen schwarzen ausgewaschenen Kapuzenpullover, dessen Farbe jedoch durch Gebrauch und Reinigung, eher einem ungleichmäßigen Dunkelgrau entsprach. Seine Erscheinung vermittelte den Eindruck, als schlafe er regelmäßig in seinen Klamotten. Nach einer, wie er dachte, wirkungsvollen Pause ergänzte er dann: „Die technologische Singularität! Darunter wird unter dem Strich der Augenblick verstanden, ab dem eine künstliche Intelligenz sich ihrer selbst bewusst wird und damit sich selbstständig verbessern kann. Theoretisch führt das unweigerlich zu einer Rückkopplung, der Entwicklung ihrer Fähigkeiten auf so hohem Niveau, dass der Mensch einer solchen Intelligenzexplosion intellektuell nicht mehr imstande ist zu folgen. Sofern es überhaupt in einem Labor oder Ähnlichem beobachtet stattfindet. Eine Superintelligenz dieser Natur wird jede denkbar mögliche Vorstellungskraft bei Weitem übersteigen. Wodurch ein Bruch der Geschichte entsteht. Von jenem Moment an wird es nur noch ein Davor und ein Danach geben. Es heißt, ebendieser technologische Fortschritt sei die letzte Erfindung des biologischen Lebens. Aus dem einfachen Grund, da sie auf alle Fragen und Probleme eine Antwort und Lösung weiß. Der Zeitpunkt der technologischen Singularität wird von Wissenschaftlern im Allgemeinen auf die Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts geschätzt.“

Hiobs Leidenschaft für dieses Thema war seinem Gesicht leicht anzumerken, begeistertes Interesse. Nachfolgend wurde die Mimik konzentriert ernsthaft. Die Augen fixierten das Objektiv der aufnehmenden Kamera. In einem gewichtigen Tonfall hieß es jetzt: „So viel zur Theorie. Einer der Computer“, er deutet mit dem rechten Daumen hinter sich, „beherbergt eine solche von mir selbst geschriebene Software. Sie wurde bislang nicht ausgeführt. Das werde ich allerdings tun, sobald mein Film hier ins Netz hochgeladen ist. Es ist kein gewöhnliches Programm. Streng genommen ist es ein Virus. Dieser spezielle Quellcode, einmal aktiv und aufs Internet losgelassen, macht einen Unterschied zu allem bisher Existenten. Was genau geschehen wird, na ja, ist nur zu vermuten. Der Vorhersagehorizont ist natürlich, monumental und bunt. Ich persönlich denke, die Welt wird nicht und nie mehr so sein, wie sie war und aktuell scheint. Ich spreche hier von der absoluten Revolution der Evolution. Der letzte Tag des freien Willens, er war heute. Gott wird uns diesen nur noch theoretisch oder durch Nichtwissen genießen lassen. Sofern wir morgen nicht alle tot sind, was für meine Ohren unwahrscheinlich klingt. Aber wer weiß so was schon. Vielleicht steht die Frage, ‚wozu‘ ich das mache, im Raum?

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Seitenaufrufe: 36 mal Aufgerufen Am 27. September 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Atheist, Gott, Paranoia, Singularität
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