Engelsgerüchte

Engelsgerüchte
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: www.andreakochniss.de
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Sunny hat gerade erst erfahren, dass sie ihren Job verlieren wird. Eine Katastrophe für die junge Frau, deren Leben sich nur um die Erziehung ihrer beiden Schwestern dreht. Aus Angst, den Teenies etwas davon zu erzählen, flüchtet sie sich mit ihnen erst einmal in einen gemeinsamen Urlaub ans Meer zu ihrer Freundin Josie, die aus einer Lebensphase Sunnys stammt, in der sie selbst noch ein Kind war. In Görnbeek angekommen, stellt nicht nur Josie Sunnys beschauliches Leben gehörig auf den Kopf. Denn der kleine Urlaubsort scheint voll von interessanten Männern zu sein.
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Ich warf den gebrauchten Teelöffel auf den Tisch. Schon seit fast einer Stunde saß ich gemeinsam mit meiner Freundin Chrissie im einzigen Café in Schleihenthal.

„Du bist nicht erledigt.“ Sie nahm sich den von mir benutzten Löffel und rührte ihren Kaffee damit um. Ihren eigenen ließ sie unbenutzt neben ihrer Tasse liegen. „Du bist nur arbeitslos. Also, noch nicht. Aber bald.“

„Ach, und wo liegt da der Unterschied? Sagen muss ich es den Mädchen so oder so. Egal ob heute oder erst dann, wenn der Kindergarten seine Pforten letztendlich schließt.“

„Helen und Anna sind keine Babys mehr. Sie sind Teenies.“

„Danke, das soll mich jetzt erleichtern? Muss ich dich an uns beide in dem Alter erinnern?“

„Sunny, es sind Ferien! Ab morgen. Sie werden dir heute ihre Giftblätter bringen und brauchen deine Gnade.“

„Chrissie, wir sprechen hier von Helen und Anna. Ich kann von Glück sagen, dass die beiden so gut in der Schule sind, nach allem, was sie durchgemacht haben.“

„Vergiss nicht, dass auch du viel durchgemacht hast. Es waren eure Eltern, die ihr damals verloren habt. Und du hast mit deinen gerade mal einundzwanzig Jahren sämtliche Verantwortung auf deinen Schultern tragen müssen. Dass deine Schwestern so sind, wie sie sind, haben sie letztendlich dir zu verdanken.“

Ich seufzte und trank einen Schluck Tee. Er war viel zu heiß, so dass ich mir die Lippen verbrannte. Ich hätte heulen können vor Verzweiflung. Elf Jahre hatte ich einen sicheren Arbeitsplatz gehabt und dann sowas.

„Du kannst nichts dafür, dass deine Mitbürger zu wenige Kinder produzieren und dem Kindergarten deswegen das Arbeitsmaterial ausgeht. Du wirst schon einen anderen Job finden.“

„Das sagst du so einfach!“

Chrissie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und nahm mehrere kleine Schlucke von ihrem Kaffee. Dabei ließ sie mich nicht aus den Augen. „Darf ich als deine beste Freundin ehrlich zu dir sein?“

Ich sah sie erwartungsvoll an. „Du musst sogar. Es ist quasi deine Pflicht.“

„Du siehst Scheiße aus!“

„Na, danke!“

„Sei mir nicht böse, aber ich habe das Gefühl, dass du dich viel zu wenig um dich selbst kümmerst. Es geht immer nur um deine Schwestern. Oder um die Kinder fremder Leute. Aber niemals um dich.“

Ich sagte dazu nichts und pustete meinen viel zu heißen Tee kalt.

„Mal ehrlich: Wann hattest du das letzte Mal einen Kerl im Bett?“

„Chrissie!“, schnaubte ich empört.

„Na gut! Dann eben nur ein Date? Ein einfaches Date ohne nachfolgenden Sex?“

„Vor…“ Ich überlegte. „Ich weiß es nicht mehr.“ Das wusste ich wirklich nicht. Ich wusste nur noch, dass er Georg hieß, ich ihn übers Internet kennen gelernt und er sich bei unserem ersten und einzigen Date als beängstigender Perversling mit Haar-Fetisch entpuppt hatte. Er war total auf mein Haar fixiert und hatte mit seinem überdimensionalen Zinken an meinem geflochtenen Zopf herumgeschnüffelt. Ich konnte von Glück sagen, dass er keinen Schnupfen hatte. Bei der Erinnerung an Georg verzog ich angewidert mein Gesicht und stellte die Tasse ab.

„Oh nein, sag nicht, dass dieser haarige Affe aus dem Netz dein letztes Date war! Das war doch vor anderthalb Jahren!“, rief Chrissie so laut aus, dass sich sämtliche Passanten neugierig nach uns umblickten. Und das waren nicht gerade wenige, an einem Vormittag Mitte Juli, der, wie es schien, gerade den Sommer geboren hatte. Die letzten drei Wochen hatte es bis auf ein paar klägliche Sonnenstrahlen zwischendurch fast nur geregnet. Verständlich, dass es bei nahezu perfekten sechsundzwanzig Grad mit leichtem Wind die Leute aus ihren Behausungen trieb. Gedankenverloren starrte ich die Menschen an, größtenteils Pärchen jeder Altersklasse.

Chrissie beobachtete mich eine Weile, bis sie sagte: „Ein Tapetenwechsel würde dir sicher gut tun.“

„Was? Ach, Chrissie, ich habe kein Geld für eine Renovierung.“

Chrissie verdrehte die Augen. „Süße, manchmal bist du wirklich schwer von Begriff. Die Ferien stehen vor der Tür, da machen normale Leute für gewöhnlich Urlaub.“

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Seitenaufrufe: 34 mal Aufgerufen Am 12. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Artisten, Familie, Frauenroman, Freizeitpark, Groupies, Humor, Internet, Universum, Urlaub, Verantwortung
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