Engelhorn – Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend

Engelhorn – Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend
Preis: 3,49 €
Autor:
Genres: Belletristik, Humor
Webseite: www.terencehorn.com
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781520969169
«Mein bisheriges Dasein löste sich auf, als hätte es nie existiert. Diese unvorstellbar lange Zeit des Erwachsenwerdens war nicht nur vorbei, jegliche Erinnerung daran war verschwunden. Fortan bildeten wir ein Zwei-Mann-Sonderkommando ohne Befehlshaber, dafür mit klarer Mission. Wir schmeißen den Laden, sind tonangebend und halten die Stimmung oben. Manche bewunderten uns, vielen gingen wir auf die Eier. Unermüdlich hielten wir den Leuten einen Spiegel vors Gesicht und deckten schonungslos die Wahrheit auf.» «Sex, Drogen und böse Mädchen. Eine gefährliche Mischung, die Stephan Rossmann meistert wie kein Zweiter.»
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Leseprobe

„Schaut euch mein Shirt an, ich bin pitschnass!“
Die angebetete und gleichermaßen verhasste Schulprimadonna
Simone Neudorf grunzte über den Pausenhof des Gymnasiums.
Irgendein Idiot hatte Simones weißes Shirt mit Bier besudelt. Eine Steilvorlage, die sie geschickt nutzte, um ihre zugegeben hübschen Augen lasziv ins Nirwana zu verdrehen. Simone hatte aber auch den begehrenswertesten Körper unseres Schulsystems und da übertreibe ich kein bisschen. Schüler, Lehrkräfte und Eltern standen diesem Kunstobjekt staunend gegenüber, geeint im ungestillten Verlangen eines Traums, der nie wahr werden würde. Simones Auftreten war stupide, selbstbewusst und ungemein herablassend. Spielerisch führte sie die Jungs um ihre Kurven herum und demütigte die Mädchen, bis allen schwindlig wurde vor lauter Herrlichkeit. Simone spielte geschickt die kleinen und großen Gemeinheiten, die wir sonst nur aus amerikanischen Collegefilmen kannten. Die Idealbesetzung für billige Intrige, genauso wie großes Drama. Instinktiv beherrschte sie ihr Set und steuerte die Statisten. Ohne etwas zu beschönigen, Simone konnte mit mir machen, was sie wollte. Ihr Körper war einfach zu mächtig. Eine Mamou geschaffen für französische Sechziger-Jahre Filme, Cannes und die goldenen Laufstege von Paris. Vor dieser Frau versank ich in einem stürmischen Meer aus Minderwertigkeitskomplexen.
„Hör auf sie anzustarren!“
Irgendjemand hatte irgendetwas gesagt. Ich war mir nur nicht sicher, woher die Stimme kam und von wem? Verlegen schaute ich umher.
„Du solltest dich sehen! Ein geistig onanierendes Gespenst von der anderen Seite.“
Stoffel stand hinter mir, winkte ab und holte übertrieben bedeutsam zwei Zigaretten aus seiner Schachtel. Beide steckte er sich in den Mund, ließ sein Benzinfeuerzeug schnalzen und zündete die Friedensstifter an. Eine Zigarette gab er mir.
„Als dein Freund stehe ich in der Verantwortung dich darüber aufzuklären, wie peinlich du Simone anstierst“, predigte dieser selbsternannte Scheinheilige.
„So schlimm, oder was?“
Ich wusste zwar, dass er mich verarscht. Hatte aber keine Ahnung, wie ich da rauskommen sollte. Ich hätte bei meinen Recherchen umsichtiger agieren müssen.
„Ja, aber selbstverständlich!“, untermauerte Stoffel seine Aussage.
„Du schautest aus! Ein Chamäleon, das seine Augen in alle Richtungen navigiert, die Zunge ausrollt und Speichel absondert. So ein Verhalten ist unhygienisch! Hättest du wenigstens eine Ablaufrinne.“
Stoffel arbeitete penibel an seinen Grimassen, trickste und gab sich allerhand Mühe seine Anhänger bei Laune zu halten. Ich war sein größter Fan, bewunderte ihn und ließ keine Vorstellung aus.
„Vorne am Kinn befestigt, muss so eine Rinne links und rechts den Unterkiefer entlanglaufen. Nur so kann dein unkontrollierter Speichelfluss in geordneten Bahnen sauber abgeführt werden. Außerdem solltest du darauf achten über einem Gulli zu stehen. Wegen der umweltgerechten Entsorgung.“
Alles schön und gut, nur langsam ging er mir auf den Sack. Ich musste ihn von da oben runterholen, ihm einen Dämpfer verpassen.
„Du laberst einen Stuss daher! Wann denkst du dir den Scheiß eigentlich aus? Wahrscheinlich abends, so kurz vorm Einschlafen, wenn sich anständige Leute einen runterholen.“
Stoffel schaute mich teilnahmslos an, nickte anerkennend und befreite mich aus Simones Bann. Wir gingen rein, vorbei an all den Leuten und setzten uns an die Bar.
„Ich weiß doch, dass du sie magst.“
Den Blick gesenkt, tat Stoffel ganz harmlos. Ihm ging es darum, mich aus meinem gemütlichen Schneckenhaus zu scheuchen, einfach weil ich stinkfaul war. Jeden Tag trat er mit Anlauf in meinen Arsch, um eine Welt zu erobern, die wir nicht brauchten und deren Realität ignoriert werden musste. Alles in allem ein recht angenehmer Zustand.

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Seitenaufrufe: 11 mal Aufgerufen Am 24. April 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Biographie, bücherliebe2017, Drogenroman, Entwicklungsroman, Erwachsenwerden, Jugend, Männerroman, rebellieren
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