Engel – Schicksalhafte Begegnungen

Engel – Schicksalhafte Begegnungen
Preis: 4,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Horror & Mystery
Webseite: www.traumstunden-verlag.de
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783944896618
Engel - Menschen reden über sie, viele glauben an sie. Manche reden mit ihnen. Doch ihre glorifizierte Darstellung mit Flügeln und strahlend weißer Erscheinung entspricht nur selten der Wirklichkeit derer, denen Engel im Leben schon einmal begegnet sind. Jennifer de Bricassardts Erzählungen ranken sich um solche Begegnungen. Und zu der Frage, ob es wirklich so war antwortet sie mit einem leisen Lächeln: "Wer weiß das schon? Es könnte so gewesen sein, oder?"
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Leseprobe

Engel Flügellos

„Was bist du nur für ein Mensch?“

Wie oft hatte er ihr die Frage in den vergangenen Jahren gestellt? Er wusste es nicht zu sagen. Jetzt saß er am Bett dieses Menschen, den er grenzenlos bewundert hatte und dessen Leben zu Ende zu gehen drohte. Sie lächelte nur, und wie immer in solchen Momenten, hatte ihr Lächeln diese geheimnisvolle Tiefe, diesen undefinierbaren Glanz, der ihn immer schon bald mehr fasziniert hatte, als das Lächeln selber.

„Bin ich ein Mensch?“

Irgendwann hatte sie angefangen, seine Frage mit dieser Gegenfrage zu beantworten. Aus der daraus folgenden Diskussion war so etwas wie ein Spiel, ein Ritual geworden in den folgenden Jahren. Frage und Gegenfrage bildeten feste Punkte in beider Leben. Auch heute antwortete sie wieder mit der ihm nur zu gut bekannten Antwort – doch heute war irgendetwas anders. Ihr Lächeln schien tiefer als sonst, heller, strahlender.

Gespräche hatten immer eine große Rolle gespielt. Sie waren Dreh- und Angelpunkt der gesamten Beziehung geworden. Beide hatten bereits in den recht schwierigen Anfängen ihrer Beziehung gemerkt wie wichtig und richtungsweisend es für sie war immer und über alles miteinander zu reden. Aber wirklich herausgefunden, „was sie für ein Mensch war“ hatte er nie. Sie war wie sie war, hatte tausend Gesichter gezeigt im Laufe der Zeit und er hatte jedes eine geliebt.

Sie verstand es immer wieder ihn zu überraschen und er liebte jede dieser Überraschungen. Aber eines blieb immer – eine konstante Sanftheit und Weichheit selbst im größten Streit, in den heftigsten Momenten. „Überirdisch“ hatte er es oft für sich genannt – aber nie ausgesprochen. War es doch er gewesen, der ihr den „Engel“ aberkannt hatte als Antwort auf ihre Frage.

„Bin ich ein Mensch?“

„Ja – was denn sonst?“ Seine Stimme hatte überzeugt klingen sollen, aber die Unsicherheit in ihr ließ sie lächeln. „Vielleicht sehe ich ja nur so aus?“ Jetzt lächelte auch er, beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie sanft auf die Stirn. „Nein, meine Süße. Aussehen tust du auch heute noch wie ein Engel!“ Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie wussten beide, dass ihre Zeit miteinander ablief. Und beide waren fest gewillt diese letzten, ruhigen Stunden miteinander zu genießen. Laufen konnte sie schon lange nicht mehr, die Muskulatur war durch das lange Liegen nur noch scheinbar vorhanden. Wenigstens war sie schmerzfrei, ohne nur noch vor sich hin zu dämmern – die moderne Medizin hatte durchaus ihre Vorteile und die durchtrennten Nervenstränge schonten ihren Körper vor der sonst zwingend erfolgenden Schmerzwahrnehmung. Von allen anderen hatte sie sich schon vor Tagen verabschiedet. Sie sollten sie in Erinnerung behalten, wie sie sie gekannt hatten – stolz und aufrecht. Solange es ihm und ihr möglich war, hatte sie ihre Zeit zuhause verbracht – erst als der Muskelschwund verhinderte, dass sie aus eigener Kraft noch das Bett verließs, hatte sie dem Umzug ins Hospiz zugestimmt.

„Vergesst den Gedanken, mich kaputt zu operieren!“

Sie, die wie er wusste, wie wahnsinnig am Leben hing, hatte weder ihm, noch den Ärzten eine Chance zur Behandlung gelassen.

Kalt und sachlich hatte sie ihre Fragen gestellt – Optionen abgewogen, nicht infrage kommende direkt verworfen und sich auf kein Vielleicht eingelassen. Zwei  Tumor-Operationen brachten nur Erleichterung und Entlastung – Heilung war von Anfang an auszuschließen gewesen und sie hatte sie nie angestrebt. „Wenn meine Zeit zu Ende geht, geht sie eben zu Ende!“ Sachlich, nüchtern, kalt. Aber wieder mit einem Lächeln – mit diesem Lächeln, das alles oder nichts heißen konnte, und das er ebenso liebte wie die Frau, die es trug. So lange, wie es irgend ging, wollte sie da sein. Für ihn und ihre Familie. Zwar waren die Kinder schon groß – aber deswegen keineswegs aus dem Haus. Vielmehr war kurz nach ihrer beider Zusammenzug sogar sein großer Sohn wieder nach Hause zurückgekehrt und hatte die Familie auf 6 Personen erweitert. Beide hingen schweigend, jeder für sich, ihren jeweiligen Erinnerungen nach, nur ihre Blicke sprachen miteinander, ineinander versenkt.

„Bei uns kann man nicht vom Boden essen, wir können uns Teller leisten!“

Sie hatte lange gebraucht, um diese Einstellung für sich zu übernehmen. In den Anfängen ihrer Beziehung hatte er sie oft zerrissen gefunden zwischen ihrer eigentlichen Einstellung und dem ihr ebenfalls eigenen, wenn auch anerzogenen Pflichtgefühl, das sie immer und immer wieder unter Druck geraten ließ.

„Für MICH musst du das nicht machen“ hatte er ihr immer wieder gesagt. Und irgendwann begriffen, dass sie es gar nicht für ihn machte sondern um ihr Gewissen zu beruhigen. Anders jedoch, wenn sie die Dinge tat für die er sie immer noch „das bisschen mehr liebte“ als er es eh schon tat. Ihre Art, ihn zu umsorgen, oftmals regelrecht zu verwöhnen, ihr „ihn entlasten wollen“ hatte manchmal beängstigenden Umfang erreicht in den ersten Wochen und Monaten.

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Seitenaufrufe: 36 mal Aufgerufen Am 1. September 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Engel, Leben, Liebe, Menschen, Schicksal
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