Ein Gewisses Risiko

Ein Gewisses Risiko
Preis: 1,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: http://dietrichschoenfelder.com
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als E-Book
ISBN: 9783741857980
Nicht nur der Beruf im diplomatischen Dienst, durch den man die Welt und die Menschen besser als im heimischen Nest kennen lernt, auch das Privatleben in dieser Zeit kann für Überraschungen sorgen. Die Welt, so lernt man schnell, ist unberechenbar. Und so das eigene Leben - und das des Nächsten. Das Interessante und Unvergessliche zu filtern und in eine Buchform zu gießen, ist Inhalt der vorliegenden Erzählungen und Kurzgeschichten. Der Autor ist ehemalige Mitarbeiter es Diplomatischen Dienstes, der mehr als 30 Jahre in den verschiedensten Ländern seinen Dienst versah.
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Leseprobe

Das Vier-Meilen-Riff

Der Sturm der letzten Tage hatte seinen Spuren hinterlassen.

Eine zentimeterdicke, feine Sandschicht lag auf dem Asphalt der Strassen. An den Rändern, an manchen Stellen bis hin zur Fahrbahnmitte, häuften sich kleine Sanddünen. Kam ein Wagen entgegen, wischte der Fahrtwind den Sand wie ein Tuch über die Straße und legte, für Momente nur, Teile der dunklen Teerdecke frei.

Hamilton und Shirley Alcott fuhren entlang des Roten Meeres.

Zur Linken lag es, grau schimmernd, wie ein dünnes, glitzerndes Band am Horizont. Dazwischen flacher Sandboden, bedeckt mit kniehohem, genügsamen Buschwerk. Rechts der Fahrbahn breitete sich das Hellbeige des Wüstensandes bis zu den mittelhohen, dunklen Geröllbergen im Hintergrund aus.

Im Licht der Vormittagssonne wirkten sie noch abweisender, als sie es ohnehin schon waren. Dahinter tausende Kilometer Sand, Stein und Vergessenheit.

Ihre Fahrt würde nicht lange dauern. Das Paar befuhr diese Strecke, von Jedda aus ans Meer, mindestens einmal wöchentlich. Der Erholung wegen und dies schon seit Jahren. Gewöhnlich hatten sie schon nach einer halben Stunde ihr Ziel, Obhar, erreicht.

Eine kleine, überschaubare Meerenge, die sich irgendwann einmal an dieser Stelle ins Land gefressen hatte. Mit scharfen, felsigen Rändern zum Norden hin, mit festem Lehm- oder Sandboden, je näher es dem offenen Meer zuging.

Hier hatten sich die Wohlhabenden, Saudis und Auslaender, welch friedliches Nebeneinander, ihre Wochenendhäuser bauen lassen. Hier dümpelten ihre Motorboote und kleinen Yachten. Natuerlich in gebührender Entfernung zu einem Häuflein zerfallender Steinbauten, die von Fischern mit ihren Familien bewohnt waren.

Der Reichtum der Villeneigner oder Mieter rührte vom Erdöl selber oder von einer gut bezahlten Position in einer vom  „oil-windfall“ profitierender Firma. Das finanzielle Glueck so mancher, anders kann man es nicht bezeichnen, kam plötzlich, fast über Nacht. Zum Wohle derer, die an den Schaltstellen saßen, aber auch zum Vorteil vieler, die indirekt am glaenzend-schwarzen Goldregen teilhaben durften.

Hamilton und Shirly gehörte zwar keine dieser Villen. Auf die Annehmlichkeit einer solchen Einrichtung zu verzichten, das mußten sie trotzdem nicht. Sie schlossen Freundschaften in den Jahren ihres Aufenthaltes in diesem vom Oel gesegneten Land. Freundschaften, denen ein gewisser Luxus nicht fremd war, und die sich die besagten Herbergen auch leisten konnten. Als Leiter einer britischen Firmenniederlassung war es  Hamilton´s dienstliche Pflicht, nützliche Verbindungen zu knüpfen.

Zu einheimischen Geschäftsleuten genauso wie zu den sonstigen am Ort lebenden Ausländern. Wenngleich sein Ruf bei Letzteren nicht unumstritten war und Hamilton den Kreis seiner guten, intimeren Bekanntschaften durchaus hätte enger ziehen können.

Denn die ungeschriebenen Regeln des zwischenmenschlichen Verhaltens nahm er nicht sonderlich ernst. Und nicht immer fand seine ausschweifende Lebensfreude ungeteilte Zustimmung.

Hamilton nahm dies zwar zur Kenntnis, sah indes keinen Grund, der tuschelnden, konservativen Minderheit, vielleicht auch Mehrheit, da war er sich  nicht so sicher, Konzessionen machen zu muessen.

Shariff beispielsweise zählte zum engsten Freundeskreis des Paares.

Zu Reichtum brachte er es als Vertreter gleich mehrerer ausländischer Firmen. Jahrelang ruhten die Geschäfte, doesten im Dornröschenschlaf.

Bis das schwarze Gold sie wach werden ließ. Doch der plötzliche Goldesel brachte Shariff nicht um den Verstand.

Sorgfältig legte er seinen Einnahmen an und erstand unter anderem ein ansehnliches Haus in Obhar. Dank seiner grenzenlosen Gastfreundschaft konnten Hamilton und Shirley es nun nutzen, wann immer es ihre Freizeit zuließ.

Selbst das schon angejahrte, aber immer sorgfältig gewartete Motorboot stand ihnen dann zur Verfügung.

Hamilton und Shirley hatten soeben die selbst aus der Entfernung monströs anmutende Meerwasser- Entsalzungsanlage zur Linken hinter sich gelassen. Ein riesiger Bau, den man, einer Kathedrale gleich, schon aus meilenweiter Entfernung erkennen konnte.

Es war ein Sonntag. Werktag für die islamische Bevölkerung, ein freier Tag für Hamilton.

Etwa fünfzehn Minuten schon fuhr das Paar entlang der verkehrsarmen und sandbedeckten Küstenstraße, ohne das bisher ein Wort zwischen ihnen gefallen wäre. Eine gespannte Ruhe lag in der Luft, fast konnte man es den beiden  Gesichtern ablesen.

Shirlys graublaue Augen blickten stur geradeaus. Dabei kaute sie nervös an den Nägeln ihrer rechten Hand. Das blonde Haar war fest aus der Stirn gekämmt und mit einer kleinen, schwarzen Spange zu einem Zopf gebunden. Ihr hübsches, offenes, von unzähligen Sommersprossen übersätes Gesicht kam dadurch noch besser zur Geltung. Niemand hätte sie auf Ende Dreissig geschätzt.

Hamiltons Unruhe war ihm nur auf dem zweiten Blick anzumerken.

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Seitenaufrufe: 21 mal Aufgerufen Am 26. Januar 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Erzählungen, Krimi, Kurzgeschichten, Reisen, Roman, Schicksalserlebnisse
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