Ein Akt der Verzweiflung

Ein Akt der Verzweiflung
Preis: 3,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Ein Akt der Verzweiflung… nicht anders lässt es sich erklären, dass eine junge Mutter keinen anderen Ausweg sieht, als ihr neugeborenes Kind an einen Unbekannten zu verkaufen. Doch hat ihr brutaler Tod auch etwas damit zu tun? Im Gegensatz zur Polizei ist der ehemalige Strafverteidiger, Ottmar Marzansky, hiervon absolut überzeugt. Nach der Verhaftung des vermeintlichen Täters fühlt er sich quasi dazu berufen, dem Jungen zu helfen. Unterstützt wird er hierbei durch seinen Freund Joseph. Zusammen geraten die beiden auf ihrer Mördersuche mehr als einmal in eine Sackgasse und müssen sich daher auch wohl zu Recht von einer engagierten Kriminalhauptkommissarin die Bezeichnung "Seniorendetektive" gefallen lassen. Ein unwiderlegbarer Beweis führt sie dann doch noch in die richtige Richtung. Bei der Überführung des wahren Täters läuft jedoch auch nicht alles so wie geplant. Ottmar gerät in tödliche Gefahr...
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Prolog

Ende Oktober. Ein Park irgendwo in der Eifel. Eine Viertelstunde vor Mitternacht. Aber dank des Vollmonds war die Nacht nicht rabenschwarz, sondern taghell. Selbst der Wolkenschleier, der sich gerade vor das dicke Rund am Himmel geschoben hatte, änderte hieran nichts. Die Intensität des Lichts war immer noch so stark, dass jedem Baum und jeder Blume die verdiente Achtung zuteilwurde. Sogar die altmodischen Laternen hätten – wären sie nicht ohnehin längst abgeschaltet – kein eindrucksvolleres Bild von diesem Ort erzeugen können.

Die junge Frau, die mitten in der Grünanlage stand, hätte daher leicht erkennen können, welche fleißige Arbeit an diesem Platz geleistet worden war. Aber die Gegend um sie herum interessierte sie überhaupt nicht. Sie bemerkte weder die mit weißem Schotter ausgelegten Wege noch die von jeglichem Unkraut befreite Rasenfläche. Und auch die Chrysanthemen und die Safrankrokusse, die neben anderen Herbstblumen auf den vielen, kleinen Beeten angepflanzt worden waren, fanden nicht ihre geringste Aufmerksamkeit.

Den Kragen ihres Mantels vor ihr Gesicht gezogen und die Hände in ihren Taschen vergraben, stand sie nur da und schaute sich immer wieder nach allen Seiten um. Dabei registrierte sie auch nicht die Tannen, Fichten und Buchen, deren Baumkronen beinahe schon majestätisch in den Nachthimmel ragten. Ihre Augen waren zwar weit geöffnet und erfassten alles, aber ihr Gehirn weigerte sich vehement, diese Informationen anzunehmen.

Die Gedanken an den Mann, vor allem aber an das Angebot, das er ihr gemacht hatte, schwirrten in ihrem Kopf herum wie ein Mückenschwarm und überdeckten so alles andere.

Dabei war am Anfang alles noch so einfach gewesen. Als sie ihm damals, an diesem verregneten Sommertag vor knapp zwei Monaten, vor der Kirche St. Ursula in Köln das erste Mal begegnet war, hatte sie überhaupt keine Zweifel gehabt. Sein überzeugtes Auftreten und seine warmherzige Art hatten ihr vom ersten Moment an gefallen. Sie hatte sofort gespürt, dass sie mit diesem Menschen über alles sprechen konnte. Und genau das hatte sie dann auch getan.

Über den frühen Tod ihrer Eltern, die erste Zeit im Waisenhaus, die Trennung von ihrer Schwester Kathrin und auch über die ständig wechselnden Pflegefamilien hatte sie ihn alles wissen lassen und ihre Lebensgeschichte schließlich bei dieser kleinen schmuddeligen Kneipe beendet. Auch dort war sie alles andere als glücklich gewesen, hatte sie ihm dann weiter berichtet. Denn auch wegen der schlechten Bezahlung, aber noch mehr wegen der Gäste, die außer Bier und Schnaps nur eine heiße Nacht in ihrem Bett im Sinn hatten, hätte sie den Job eigentlich schon lange vor der Geburt ihrer Tochter aufgeben müssen.

Aber was hätte sie machen sollen? Das Geld für ihre Liebesdienste war doch schon weg, gleich nachdem sie es bekommen hatte.

Der Mann hatte ihr die ganze Zeit über stumm zugehört. Ihm war es überhaupt nicht in den Sinn gekommen, ihre Ausführungen zu kommentieren. Trotzdem, oder gerade deswegen, war ihr aber aufgefallen, wie seine Anteilnahme an ihrem verhängnisvollen Los in ihm gewachsen war. Die Geschichte mit Jan-Hendrik hatte ihn dann wohl endgültig so sehr mitgenommen, dass er nicht mehr anders konnte, als ihr dieses Angebot zu machen.

Und da wurde ihr erst richtig klar, wie sehr er ihr helfen wollte. Dieser Mann war anders als die anderen, die sich ausschließlich für ihren Körper interessierten. Ihm lag ihre Zukunft am Herzen. Ihr Schicksal bewegte ihn wirklich.

Das wusste sie selbst in diesem Moment noch.

Und dennoch dachte sie jetzt anders über die ganze Sache. Seit sie vor gut zwei Stunden diese Frau mit dem Säugling auf dem Arm im Deutzer Bahnhof gesehen hatte, war die Welt um sie herum nämlich eine vollkommen andere geworden. Sie hatte gerade in den Zug einsteigen wollen, als sie dieser Anblick wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hatte. Auf der Stelle verharrt hatte sie beobachtet, wie die kleine Familie an ihr vorbeigegangen war. Erst als die beiden wieder außer Sichtweite waren, hatte auch sie ihren Weg fortsetzen können. Die Verbundenheit, die sie ausstrahlten, war ihr jedoch nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Mutter und Kind bildeten eine Einheit aus Liebe und Geborgenheit, die kein Mensch zu trennen vermochte.

Auch er nicht! Der Unbekannte und seine Offerte waren mit einem Mal wieder da. Die Zuversicht, die er ihr bis dahin mit seinem Angebot vermittelt hatte, war jedoch wie weggeblasen. Und plötzlich wusste sie auch nicht mehr, wie sie je anders darüber hatte denken können. Diese nächtliche Aktion war doch der totale Wahnsinn!

Sie holte kurz Luft und schloss die Augen. Dann atmete sie mehrere Male hintereinander tief durch. Niedergeschlagen und von barer Hoffnungslosigkeit übermannt, wollte sie sich nochmal klarmachen, dass ihre ursprüngliche Entscheidung richtig gewesen war. Aber schon in der nächsten Sekunde wurde ihr wieder bewusst, dass dies überhaupt gar keinen Sinn machte.

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Seitenaufrufe: 56 mal Aufgerufen Am 2. Mai 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Akt, Eifel, Joseph, Mord, Ottmar Marzansky, Verzweiflung, Vulkaneifel
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