Dressur eines Alphatiers

Dressur eines Alphatiers
Preis: 1,99 €
Autor:
Genre: Kinder & Jugend
Webseite: www.m-oberhuemer.de
Erhältlich: Als E-Book
"Freundschaft und Liebe sind Zeichen der Schwäche" "Menschen kann man dressieren wie Hunde" Das sind zwei von Alexandras Grundsätzen. Die Vierzehnjährige ist groß für ihr Alter, kräftig und hochintelligent. Für ihre Altersgenossen hat sie Verachtung übrig, ihre Stärke und Intelligenz nützt sie aus, um Macht zu gewinnen, was ihr fast uneingeschränkt gelingt. In ihrer Philosophie gibt es sehr wenige Starke, zu denen sie gehören möchte. Alle anderen Menschen sind für einen Starken im Grund leicht zu beherrschen.
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Leseprobe

„Wann kommst du heute Abend heim?“, rief die Mutter aus der Küche.

„Weiß ich selber nicht genau. Vor dem Training nicht mehr und danach kann es sein, dass wir weggehen.“

„Wieder mit Stefan?“ Sie kam aus der Küche. „Läuft da was Ernsthaftes?“

Alexandra schloss die Schnallen ihrer Stiefel und öffnete die Haustür, ohne die Mutter anzusehen. „Und wenn?! Du fragst mich ja auch nicht, ob du dich mit Markus treffen darfst. Tschüss Mama, bis heute Abend!“

Erst jetzt sah sie ihrer Mutter ins Gesicht, das sagen wollte, es bestehe schließlich ein Unterschied, ob eine Erwachsene mit ihrem Freund ausgehe oder eine Vierzehnjährige, sich aber nicht traute. Sie bemühte sich um eine gleichgültige Miene.

Alexandra hatte durchaus Respekt vor ihrer Mutter, doch umso wichtiger war es, das nicht zu zeigen. Solange die Mutter glaubte, es seien ohnehin alle Erziehungsversuche wirkungslos, sich freute, dass das Mädchen einen Einser nach dem anderen nach Hause brachte und ansonsten damit zufrieden war, wenn Alexandra unter der Woche nicht allzu spät abends nach Hause kam, keine Straftat beging und nicht schwanger wurde, würde sie auch gar nicht versuchen, ihrer Tochter etwas zu befehlen oder zu verbieten oder sie zu beeinflussen.

Sie schloss die Garage auf, in der auch ihr Fahrrad stand, holte es heraus, verschloss das Tor wieder und fuhr los.

Ein größerer Teil ihres Schulwegs führte durch einen Park und wie sie es schon oft gesehen hatte, spielten drei Jungen Radrennen. Sie schätzte sie schnell ab: Maximal ihr Alter. Sie zog den Kopf ein, beschleunigte, näherte sich den Jungen und klingelte. Genau in dem Moment, als sie am ersten vorbeifuhr, hörte sie auf zu treten. Zwischen den beiden anderen zog sie ihr Smartphone aus der Tasche und tippte darauf, als ob sie ihre Musik wechseln wollte.

Die frustrierten Gesichter der Jungen zeigten ihr, dass ihr Auftritt gewirkt hatte. Normalerweise fuhr sie zwar ein zügiges Tempo, gab aber längst nicht alles, doch wo immer Jungen ihre Kräfte maßen, zeigte sie ihnen die ihren. Diese drei kannte sie zwar nicht, doch falls sie irgendwann ihren Lebensweg kreuzen sollten, würde es ein Vorteil sein, wenn sie von vornherein Respekt vor ihr hatten.

Sie kam an, stieg ab und schob ihr Rad zum Fahrradkeller hinunter. Simon aus der 9 a kam gerade von dort herauf; als er sie sah, blieb er stehen und hielt ihr die Tür auf. Alexandra bedankte sich mit einem knappen Kopfnicken. Schon viele Räder standen im Keller, doch ihr Platz war noch frei. Sie hatte ihn mit Bedacht gewählt: Nahe genug an der Tür, dass sie nicht weit gehen musste, doch nicht so nah, dass Schlamm und Dreck hingebracht werden oder jemand versehentlich dagegen stoßen könnte. Seit letztem Sommer hatte sie diesen Platz, vor vier Wochen hatte ein Elftklässler ihn ihr zum letzten Mal streitig gemacht: Demonstrativ vor ihr hatte er sein Rad dort abgestellt. Alexandra hatte sich zunächst ihm gegenüber aufgebaut. Der Junge hatte sie zu deutlich angegrinst als dass es Zufall sein könnte.

„Das ist mein Platz“, hatte Alexandra ruhig aber bestimmt gesagt.

„Ach? Hast du ein Abo? Kann ich deine Karte sehen?“

Schon an diesen wenigen Worten und seinem Auftreten hatte sie ihn einschätzen können: Ein Pfau, dessen Stolz leicht zu kränken war – die leichteste Art von Gegner. Ein Kick in den Solarplexus, ein Handkantenschlag und der große Junge lag einige Sekunden bewusstlos auf dem Boden.

Freilich war es streng verboten, Kampfkunsttechniken außerhalb des Trainings und Wettkampfes oder zur Selbstverteidigung anzuwenden, doch es gehörte zu den vielen Schwächen der Pfauen, dass sie niemals zugeben würden, von einem Mädchen, noch dazu einem jüngeren, besiegt worden zu sein, und genau das hätte dieses Exemplar tun müssen, wenn es sie hätte verpetzen wollen.

„Stell dein Fahrrad woanders hin!“, hatte Alexandra ruhig, aber bestimmt, im Ton einer Herrscherin, die sich ihrer absoluten Macht bewusst war, befohlen. Der Junge hatte Folge geleistet;

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Seitenaufrufe: 64 mal Aufgerufen Am 9. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Erwachsenwerden, Jugend, Junge, Macht, Mädchen, Mobbing
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