Dorf Guerilla

Dorf Guerilla
Preis: 12,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: www.andreas-tietjen.de
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783849577018
»Eigentlich wollte ich nur für ein Wochenende zurück in meine alte niedersächsische Heimat reisen, um der Hochzeit meines Bruders beizuwohnen. Seit Jahren war ich nicht mehr dort gewesen. Es war brütend heiß in Deutschland, in meiner Berliner Wohnung fast unerträglich stickig, und der nagelneue Alpha Sportwagen sollte seine erste längere Ausfahrt bekommen. Doch dann kam alles ganz anders. Allmählich - zunächst in kleinen Schritten. Anfangs bemerkte ich, dass die Straßen völlig kaputt waren, bald darauf kam mir das Verhalten einiger Leute, mit denen ich zu tun bekam, äußerst merkwürdig vor. Doch wer denkt gleich an eine Katastrophe, wenn Dinge, wie Stromversorgung, Telefon und Internet nicht in gewohntem Maße zur Verfügung stehen, wenn die Sicherheitsorgane paradoxe Handlungsweisen an den Tag legen? Als dann wirklich Blut floss, als geschossen wurde und ich nicht mehr klar unterscheiden konnte, wer Freund und wer Feind war, da war es auch schon zu spät für einen geordneten Rückzug. Nun saß ich wahrhaftig in der Klemme. Ich war auf die Hilfe völlig durchgedrehter Typen angewiesen und immer tiefer verfing ich mich in einer Art surrealen Endlosschleife.«
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Leseprobe

Matzi schlug mir vor, dass ich mich ein wenig ausruhen sollte. Er würde mich zu einem kleinen Badesee nahe des Flusses Aller fahren und nach zwei bis drei Stunden wieder dort abholen. Mit dieser Idee konnte ich mich sehr gut anfreunden und nach kurzer Absprache mit den anderen Gästen fuhren wir los. Der See war von Schilf umsäumt, hatte jedoch eine wirklich schön angelegte Badestelle mit einem extra aufgeschütteten Sandstrand. Wie Matzi mir stolz erzählte, hatten er und die Dorfbewohner diese Strandidylle für sich und ihre Kinder in mühevoller Arbeit und ohne fremde Hilfe geschaffen.
»Dies hier ist der einzige Teich weit und breit, der noch klares, sauberes Wasser hat und nicht von der permanenten Überdüngung durch die Landwirtschaft umgekippt ist«, erklärte er mir.
Matzi breitete eine Decke für mich aus, und ließ mich dann, zu meiner großen Verwunderung, zusammen mit dem blonden Jo zurück.
»Ist schon okay«, sagte er. »Jo kennt sich gut aus hier. Vielleicht kann er dir nützlich sein.«
Jo allerdings kam nicht mit leeren Händen. Er hatte eine Kühltasche mit Getränkedosen aus dem Geländewagen mitgenommen und eines der Gewehre. Dieser Umstand trug nicht unbedingt zu meiner Entspannung bei und auf mein Nachfragen meinte er lakonisch: »Man weiß nie, wem man noch begegnen wird!«
Ich versuchte es mir auf der Decke bequem zu machen, und ein wenig zu schlafen. Jo langweilte sich ganz offensichtlich. Zunächst warf er Steinchen in den See, dann kletterte er auf einen wackeligen Steg und bemühte sich, ihn durch heftiges Geschaukel zum Einsturz zu bringen. Schließlich war er für einige Minuten verschwunden, wodurch etwas Ruhe eintrat.
»Kannst du mal für ´ne Weile auf die Knarre aufpassen«, fragte er mich, kurz bevor ich richtig eingenickt war.
»Was hast du denn vor?«, fragte ich zurück.
»Ich will mal eben ins Wasser, bin gleich wieder da.«
Aus gleich wurde eine Ewigkeit, in der ich kein Auge zu bekam. Also setzte ich mich etwas genervt auf, nahm mir eine Cola aus der Kühltasche und beobachtete Jo. Der tauchte in einiger Entfernung von meinem Rastplatz aus, immer wieder unter Wasser, scheinbar nach irgendetwas suchend. Nach ein paar Minuten kam er strahlend mit einem Knäuel Angelschnur zurück, an dessen einem Ende sich tatsächlich noch ein Haken befand. Er setzte sich zu mir und machte sich daran, die Schnur zu entwirren. Indessen startete ich einen erneuten Versuch, ein bisschen zu schlafen. Kurz bevor ich schließlich eingenickt war, sah ich ihn zufrieden zum Seeufer zurückkehren und seine selbst gebastelte Angel ins Wasser werfen. Fast schon reflexhaft zog ich das Furcht einflößende Gewehr an mich heran, damit sich nicht noch irgendjemand daran zu schaffen machte.
Ich weiß nicht, wie lange ich dann wirklich geschlafen hatte, als ich durch einen ohrenbetäubenden Knall ganz in meiner Nähe aus dem Traum gerissen wurde. Ich sprang auf und versuchte meine Augen an das grelle Licht der Nachmittagssonne zu gewöhnen.
»Oh, sorry!«, hörte ich Jo rufen. Erst jetzt konnte ich erkennen, dass er eine Ente durch einen Schuss aus seiner Kriegswaffe völlig zerfetzt hatte. Außer einem blutverschmierten Häufchen Federn war nichts mehr von dem Tier übrig geblieben.
»Was soll diese Scheiße!«, fuhr ich ihn an. »Was machst du für einen schwachsinnigen Blödsinn?!« Ich war außer mir vor Schrecken und Wut.
»Sorry!«, wiederholte Jo. »Ich dachte, ich könnte uns eine kleine Zwischenmahlzeit verschaffen. Ich habe nicht daran gedacht, dass du schläfst.«
Offensichtlich war dieser Blödmann überhaupt nicht in der Lage großartig über irgendetwas nachzudenken. Ich blickte auf die Uhr, um abzuschätzen, wann wir damit rechnen konnten, von Matzi abgeholt zu werden, denn an Schlaf war nach dieser Aufregung nicht mehr zu denken. Mein Aufpasser war scheinbar hypermotorisch und er war nicht in der Lage, sich mal eine Minute lang mit Nichts zu beschäftigen. Es war bereits halb vier. Lange konnte es nicht mehr dauern, und jetzt vernahm ich auch schon in der Ferne leise Motorengeräusche. Ich legte die Decke zusammen und Matzi sammelte die leeren Getränkedosen ein und warf sie tatsächlich in einen Müllkorb. Dann gingen wir langsam dem Auto entgegen. Auf einmal packte mich Jo und stieß mich in ein Gebüsch. Er selbst sprang mir hinterher, richtete seine Waffe in Richtung Weg und gab mir ein Zeichen, dass ich mich ruhig verhalten sollte. Kurz darauf passierten zwei Geländewagen, die ganz bestimmt nicht Matzis Porsche waren. Die Wagen fuhren bis ganz an den See heran und hielten anschließend in einer riesigen Staubwolke an. Heraus kletterten acht Jäger, die sich schreiend und rufend am Seeufer verteilten. Sie alle hielten Gewehre in den Händen. Mir war klar, dass Jo sie durch seinen unüberlegten Schuss angelockt hatte.
»Duck dich«, rief er mir zu, so als ob ich nicht längst verstanden hätte, was diese Situation für uns bedeutete. Die Jäger fanden selbstverständlich sehr bald den Kadaver der abgeschossenen Ente, was ihre Aufregung noch mehr anheizte.

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Seitenaufrufe: 15 mal Aufgerufen Am 7. Juni 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, Fiction, paradox, Popliteratur, Roman, sozialkritisch, Spannung, surreal
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