Die Zeitläufer

Die Zeitläufer
Preis: 14,50 €
Autor:
Genre: Science-Fiction
Webseite: www.wilkomueller.de
Erscheinungsjahr: 2005
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783862376261
Die Zeitläufer: Aus der fernen Vergangenheit einer alternativen Erde flüchten sie versehentlich in eine der unseren ähnliche Welt und Zeit; in eine Zeit, wie sie hätte sein können ... Und hier erwachen in einer Reihe von Kindern und Jugendlichen inzwischen mysteriöse Talente; Talente, wie sie gefährlicher kaum sein können. Der Roman, welcher eine Schlüsselstellung in den Werken von Wilko Müller jr. einnimmt, liegt nun in einer erweiterten und überarbeiteten Fassung vor.
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Mantelmann

Die Fahrgäste der nächtlichen Straßenbahn stöhnten gequält auf, als drei Kinder unterschiedli-chen Alters, gefolgt von ihrer Mutter, lärmend hereinstürmten: Wo kommen die denn um diese Zeit her?

Wenig später bewahrheitete sich ihre unausgesprochene kollektive Befürchtung. Das kleinste Mädchen begann tatsächlich lautstark zu quengeln, schließlich zu heulen. Mit der Ruhe kurz vor Mitternacht war es vorbei. Was das Mädchen eigentlich wollte, verstand wohl nicht mal die Mutter. Sie schimpfte nervös.

Plötzlich erhob sich ein junger Mann. Er war völlig schwarz gekleidet, in einen langen, schwar-zen Trenchcoat gehüllt und trug einen weichen, ebenfalls schwarzen Hut, der von einem starken Selbstbewußtsein zeugte. Er zupfte das Kind am Ärmel der dicken Winterjacke.

»Komm schon, setz dich hin!« sagte er und hob die Kleine kurzerhand auf den Platz gegenüber dem seinen. »Warum heulst du?« fragte er leise, während die Mutter rief: »Sag danke zu dem Onkel!«

»Was sollen denn all die Leute von dir denken? Prinzessinnen dürfen doch nicht weinen! Weißt du das nicht?«

Das Kind sah ihn groß an. »Prinzessinnen?«

»Ja. Du kannst das selbstverständlich nicht wissen. Aber ich will dir ein Geheimnis verraten.« Der Mann beugte sich leicht vor und strich sich über seinen Bart. »Es ist ein wichtiges Geheim-nis! Du darfst es niemandem erzählen!« sagte er mit ernster Miene und ungeachtet der Tatsache, daß auch andere Fahrgäste ihn hören konnten. »Du bist eigentlich eine Prinzessin! Keiner weiß es, auch du selbst hast natürlich keine Ahnung. Ich werde dir erzählen, warum. Es gibt auf der Welt keine echten Prinzen und Prinzessinnen mehr, keine Könige und Märchenzauberer. Vor langer, langer Zeit hat nämlich ein böser Drache die Welt verzaubert.«

»Ein Drache?«

»Ein Drache. So einer mit sieben Köpfen, ein ganz böser. Außerdem konnte er zaubern, wie die meisten Drachen. Der kam eines Tages auf unsere Welt und richtete viel Unheil an. Erst fraß er nur die Leute auf, die er fangen konnte, doch dann überlegte er sich, was er noch Böseres an-stellen könnte. Einer seiner sieben Köpfe sagte zu den anderen: ›Ich weiß, was wir machen werden! Wir verzaubern die Welt so, daß es keine Prinzen mehr gibt, keine Prinzessinnen, keine Zauberer, nichts! Niemand soll sich mehr an sie erinnern.‹ Die anderen Köpfe waren nicht ganz so schlau wie der siebente und fragten erstaunt: ›Was soll daran böse sein? Das ist doch lang-weilig.‹

›Genau, ihr Dummköpfe!‹ sagte der böse siebente Kopf. ›Die Welt wird langweilig sein ohne die Märchen. Das wollen wir den Menschen antun.‹

Und so machte es der Drache. Alle vergaßen die Prinzen und Prinzessinnen, sogar sie selbst wußten nicht mehr, wer sie vorher gewesen waren. Aber dir habe ich es nun verraten, und du darfst es nicht wieder vergessen. Es ist ein Geheimnis, daß du eine Prinzessin bist. Sag es nie-mandem, sie werden dich sonst nur auslachen. Sie wissen ja nichts von dem Drachen.«

Mehrere Fahrgäste hörten amüsiert lächelnd zu, wie der dunkel gekleidete Mann das Kind be-ruhigte.

»Und was ist mit dem Drachen passiert? Ist er weggegangen?« fragte das Mädchen.

»Ha! Der Drache, der hat sich selbst überlistet. Er ist nämlich auch eine Märchenfigur, und so mußte durch diese Verzauberung auch der Drache verschwinden und vergessen werden.«

Die Mutter der drei Kinder rief von der Straßenbahntür her: »Komm, wir müssen aussteigen!«

Als es vom Sitz rutschte, fragte das kleine Mädchen: »Und woher weißt du das? Wenn alle es vergessen haben?«

»Ich bin ein Zauberer«, sagte der Mann ernst. »Aber verrate es niemandem, denn das ist auch ein Geheimnis.«

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Seitenaufrufe: 44 mal Aufgerufen Am 10. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Jugendliche, Kinder, Monster, Parallelwelt, Zeitreise
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