Die Zeitenwende

Die Zeitenwende
Preis: 3,49 €
Autor:
Genres: Krimi & Thriller, Science-Fiction
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783741267277
Deutschland, im Jahr 2030. André lebt mit seiner Frau Sina und seinem Sohn Jakob in einer besonderen Zeit in der Geheimnisse oder Privatsphäre fast gänzlich ausgestorben sind. Das Leben der Menschen ist nahezu vollständig digitalisiert und vernetzt. Die Wenigsten stören sich noch an der Welt, die sich so gebildet hat. Sina und André gehören nicht zu dieser Minderheit. Das Leben der jungen Familie verläuft bequem und erfolgreich. Alles verändert sich als Andres Bruder Martin in seiner Wohnung ermordet aufgefunden wird. Martin hatte Verbindung zu einer revolutionären Gruppe, die dem Zeitgeist kritisch gegenübersteht. Sie sehnen sich nach der Wiedergewinnung einer vergessenen Freiheit. Und sie planen, dem vorherrschenden System auf empfindliche Weise zu schaden. Sie setzen ihren Plan um und es beginnen packende Ereignisse.
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Leseprobe

André findet in der folgenden Nacht keinen Schlaf. Ist hellwach und steht unter Strom. Hin und her geworfen zwischen einer wohligen Seligkeit, die man spürt, wenn ein innerer Konflikt sich auflöst und einer heißen Unsicherheit, wie die gelesenen Gedankengänge sein Leben beeinflussen könnten. Die verbotenen gelesenen Worte spiegeln tief in ihm verborgene eigene Zweifel. Gegen vier Uhr, nach ewigem Hin- und Herrollen und Seufzen, beschließt er aufzustehen. Geht ins dunkle Wohnzimmer und setzt sich auf die Couch. Nur die LED´s am Fernseher und der Soundanlage erleuchten schwach den Raum. Der Geschichtslehrer denkt an den Flur und das auf Augenhöhe in der Wand eingelassene Smart-Home-System. Es beginnt ihn zu stören.

Selbst im Dunkeln können Sie mich doch beobachten. Wo ist die Kamera? Im Fernseher? Warum fragt man sich gar nicht mehr danach, wer einen von wo aus aufzeichnet. Nicht einmal beim Sex. Das ist doch eigentlich verrückt. Wie konnte ich mich daran gewöhnen. Ist es nicht so, weil keine Silhouette einer Person hinter der Kamera erkennbar ist, die durch die Linse sieht? Ist es, weil diese Bilder ohnehin nur von Maschinen ausgewertet werden? Woher weiß ich das eigentlich? Freiheit und Würde haben eben keine klar definierbaren und unverrückbaren Grenzen. Die Freiheit zu beschneiden, ist nicht immer vergleichbar damit, jemandem einen Finger abzuschneiden. Die Wunde schmerzt manchmal nicht und der Blutverlust wird auch nicht bemerkt.

Kurz vor dem Morgengrauen nickt er aufgrund der großen Erschöpfung letztlich ein. In den kommenden Tagen wächst in ihm ein lange verblichenes Lebensgefühl. Zwischen allen möglichen Alltagsverrichtungen erwischt er sich immer wieder, wie er in sich versunken einen Punkt anstarrt. Es vermischen sich Bilder von nostalgischen Erinnerungen mit seinem Bruder und von eigenen Situationen, in denen er ganz ähnliche Schlüsse gezogen hatte. Wagt es kaum, diese Gedanken weiter zu denken und zwingt sich immer wieder, sich auf die Vorbereitung seiner Arbeit oder das Aufräumen seines digitalen Büros zu konzentrieren.

Wir lagen an diesem Abend am Strand eines Sees. Meine Eltern hatten ein Campingwochenende mit uns unternommen. Wir schauten während der Dämmerung nach oben, während langsam ein Stern nach dem anderen wie aus dem nichts erschien. Immer, wenn einer von uns einen Neuen entdeckte, rief er es laut. Dann kam die Phase, in der das nicht mehr funktionierte, weil auf einmal so viele auftauchten. Wir stellten uns vor, wie weit diese Himmelskörper von uns weg waren. Dabei platzte uns fast der Kopf, weil das einfach unmöglich war. Wir träumten davon, dass es uns einmal möglich würde, ein Stück des Weges in Richtung eines dieser Sterne zurückzulegen. Eventuell, wenn wir einmal beide steinalt wären und sich das Jahr 2100 näherte? Wir wollten fliegen und Neues erkunden. Wir wollten entdecken. Am liebsten wären wir genau dort eingeschlafen. Diese Nähe unter Brüdern ist eine unvergleichliche. Gemeinsam die Welt erkunden. Gemeinsam Spaß haben und fasziniert sein. Gemeinsam träumen und sich miteinander messend langsam aufwachsen. Diese Zeit ist nun vorüber. Für immer. Nicht mehr reparabel. Endgültig. Ich kann das nicht fassen. Und noch viel weniger ertragen. Es geht mir nicht in den Kopf. Und vielleicht hat Martin sich sogar etwas von diesem inneren Funken bewahrt. Mehr als ich. Anders als ich.

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Seitenaufrufe: 21 mal Aufgerufen Am 30. November 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Digitalisierung, Freiheit, Internet, Mord, Sciencefiction, Selbstbestimmung, Thriller, Überwachung, Vernetzung
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