Die Vinetaner – Rusana

Die Vinetaner – Rusana
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Fantasy
Webseite: www.vordano.de
Erhältlich: Als E-Book
Christian traut seinen Augen nicht, als eines Abends vor seinem Haus eine Frau aus einem Wagen steigt und sich mit zwei Ganoven anlegt. Diese Tatsache alleine könnte er ja noch begreifen, aber dass sie knurrt, beängstigend lange Eckzähne präsentiert und einen der Männer beißt, verarbeitet sein Gehirn nicht. Was sich da vor seinen Augen abspielt, kann unmöglich wahr sein, denn Vampire und Monster gibt es nur in Filmen, da ist Chris sich sicher. Er ahnt nicht, dass die Fremde seit zweiunddreißig Jahren nach den Nachkommen von Marco Richter sucht, um diesen von einem Fluch befreien zu können, den ihr Bruder ausgesprochen hat. Noch weniger ahnt Christian, dass ausgerechnet er zu diesen Nachkommen gehört und die Fremde ihn deswegen nach Vineta verschleppen möchte.
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Leseprobe

3. Hoffnung

Christian hatte geduscht und eilte in sein Schlafzimmer, um sich anzuziehen. Der Pizza-Bringdienst benötigte zwar meistens über eine halbe Stunde, aber vielleicht kam er dieses Mal ja früher. Wie zur Bestätigung hörte Christian durch das auf Kippe stehende Fenster einen Wagen vor dem Haus halten. Er konnte durch die geschlossene Jalousie zwar nicht sehen, wer da draußen war, aber es konnte ja eigentlich nur der Pizzabote sein. Christian warf sein Handtuch aufs Bett und zog sich hastig Unterhose und Jeans an, als er plötzlich eine Männerstimme hörte:

„Du hast doch bestimmt Geld dabei! Her damit!“

Er erstarrte kurz, doch dann griff er nach einem Hemd, das er sich auf den Weg zur Haustür überzog. Er riss sie auf und rief:

„He! Lasst den Mann in Ruhe oder ich rufe die Polizei!“

Einer der Angreifer – er hatte rote Haare, der andere blonde – setzte sich in seine Richtung in Bewegung und meinte drohend:

„Das würde ich an deiner Stelle lassen. Außerdem wollen wir doch nur ein bisschen Kleingeld.“

In diesem Moment stieg Rusana aus ihrem Wagen und sagte mit warmer, verführerischer Stimme:

„He Jungs, darf ich mitspielen?“

Augenblicklich hatte sie die Aufmerksamkeit aller vier Männer.

Christian beobachtete perplex, wie die Frau um ihren Wagen herum auf die Ganoven zuging und dabei betont ihre Hüften schwang. Ihr eng anliegendes Shirt trug nicht dazu bei, ihre atemberaubende Figur zu verbergen und ihre rabenschwarzen, hüftlangen Haare glänzten im Licht des Mondes sowie der Straßenlampen. Die Frau sah zwar aus wie Christians fleischgewordener Traum, aber offenbar war sie nicht ganz dicht. Oder sie war ein sexy Racheengel, der Kung-Fu und Bujutsu beherrschte. Wahrscheinlicher war jedoch, dass sie die beiden Männer ablenken wollte, damit er und Manuel – Chris kannte den Pizzaboten von vorherigen Lieferungen – ihnen die Messer abnehmen konnten. Egal, was ihre Beweggründe waren, er sollte handeln, bevor die hübsche, aber verrückte Lady den Gaunern zu nahe kam. Doch nicht nur Chris löste sich aus seiner Starre und setzte sich in Bewegung, sondern auch der blonde Dieb. Er gab Manuel einen kräftigen Stoß, sodass dieser rücklings zu Boden stürzte und die Styroporbox mit der Pizza fallen ließ. Danach ging er mit einem überheblichen Grinsen auf Rusana zu, während sein rothaariger Kumpan sein Klappmesser auf Chris richtete. Dieser suchte fieberhaft nach einer Möglichkeit, den Messerschwinger zu überwältigen, ohne verletzt zu werden, als er von einem Knurren abgelenkt wurde. Einem tiefen, unheimlichen Knurren, das ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Zu seinem Entsetzen kam es eindeutig von der fremden Frau. Als sei das nicht schon beängstigend genug, entblößte sie zwei albtraumhaft lange Eckzähne und stürzte sich mit einem erneuten Knurren auf den blonden Dieb. Einen Lidschlag später segelte er durch die Luft und landete drei Meter weiter rücklings im Blumenbeet. Der zweite Gauner hatte keine Zeit, sich von seiner Überraschung zu erholen. Innerhalb einer Sekunde stand sie vor ihm, griff nach seinem Handgelenk und quetschte es so fest, dass er wimmernd das Messer fallen ließ. Gleich darauf zog sie ihn mit einer Hand zu sich, schlug ihre Zähne in seinen Hals und presste die andere Hand auf seinen Mund, um seinen Schmerzensschrei zu dämpfen. Seine Befreiungsversuche wirkten so hilflos, wie die eines zehnjährigen Kindes.

Christians Verstand begriff nicht, was er da sah. Vollmond hin, Vollmond her, es gab keine Werwölfe und erst recht keine Vampire. Also, was stimmte hier nicht?

Plötzlich sprang der Pizzabote auf und bekreuzigte sich. Er starrte mit schreckgeweiteten Augen auf die blutsaugende Fremde – oder hatte sie sich einfach nur festgebissen? – und bewegte sich rückwärts auf seinen Wagen zu.

Rusana bemerkte seinen Rückzug. Sie zog ihre Zähne aus dem Hals ihres Opfers, blickte Manuel tief in die Augen und gab ihm einen mentalen Befehl. Sofort blieb er stocksteif stehen. Danach versetzte sie ihrem bibbernden Blutspender einen heftigen Stoß, sodass er zurücktaumelte und gegen seinen Komplizen stieß, der sich wieder aufgerappelt hatte. Sie fauchte, bleckte ihre Zähne und ging langsam auf die Männer zu. Es amüsierte sie köstlich, als die beiden panisch rückwärts stolperten, sich umdrehten und zu ihrem altersschwachen Kombi rasten. Rusanas Stimmung stieg. Vielleicht sollte sie öfter mal Ganoven in Angst und Schrecken versetzen, das würde ihre hoffnungslose Suche erheblich auflockern.

Um zu gewährleisten, dass die Möchtegerndiebe vorerst von ihrer schlechten Angewohnheit, Mitbürger zu überfallen, kuriert waren, verzichtete sie darauf, ihre Erinnerungen zu löschen. Ihnen würde sowieso niemand glauben, dass sie einem Vampir begegnet waren – und genau genommen war sie ja auch keiner. Sie war Vinetanerin.

Mittlerweile hatte Christian sich dazu entschlossen, nicht länger untätig herumzustehen und war leise an Rusana vorbeigeschlichen.

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Seitenaufrufe: 66 mal Aufgerufen Am 3. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Freundschaft, Liebe, Vampire, Vineta
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