Die Verschwörung des Raben

Die Verschwörung des Raben
Preis: 9,90 €
Autor:
Genre: Science-Fiction
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783944972190
30 Jahre in der Zukunft. Durch die Erderwärmung ist der Meeresspiegel angestiegen, die Küsten wurden weit ins Landesinnere verschoben. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen sind eklatant. Daran ist das große Europa zerbrochen. Die Zeit ist also wieder einmal reif für extrem denkende Zeitgenossen wie Kristof Korp, der sein Hauptquartier in Nijmegen aufgeschlagen hat, das nun eine Küstenstadt ist. Er ist ein cleverer Taktiker und macht aus seiner anfänglich kleinen Straßengang eine mächtige Organisation namens „Street Ravens“ – die Straßenraben. Skrupellos nutzt er die Schwächen des Systems aus und schreckt offenbar vor gar nichts zurück, um seine Ziele zu erreichen. Dazu braucht er neben guten Beziehungen auch fähige Leute und rekrutiert deshalb jeden, der sei­nen Ansprüchen gerecht werden könnte. Auch Nick Markers, der trotz ihrer allgegenwärtigen Propaganda nichts mit den Ravens zu tun haben will, gerät in eine Situation, die ihn zum Eintritt in die Organisation bewegt. Aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten wird er schneller als erwartet zu einem respektierten Mitglied. Doch ständig quälen ihn Zweifel, ob er die Methoden der Street Ravens einfach so hinnehmen kann. Als ein guter Freund ins Visier der Organisation gerät und Nicks Loyalität von Korp auf die Probe gestellt wird, spitzt sich die Situation immer mehr zu. Nick muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.
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Prolog

Jetzt habe ich dich!

Mit einem Knall landete das zusammengerollte Magazin auf der Fliege, die keine Chance mehr zur Flucht hatte. Ladenbesitzer Walter Geppert schnippte den Kadaver weg. Endlich Ruhe. Auch ohne diese Mistviecher war es unerträglich, seit die Klimaanlage im Geschäft den Geist aufgegeben hatte. Geppert griff nach einer Papierserviette und wischte sich den Schweiß von Stirn und Nacken. Es war wieder einmal so ein Jahrhundertsommer. Wie im letzten Jahr … und dem davor. Er lehnte sich im Stuhl zurück, der unter dem Gewicht seines Körpers ächzte. Auf dem Flachbildschirm an der Wand über ihm war die Sportreportage von einer Geschichtsdokumentation abgelöst worden.

„Europa versucht mit aller Kraft, die Klimaveränderungen in den Griff zu bekommen“, kommentierte eine weibliche Stimme den Filmbeitrag. Sie klang leicht rauchig, wie bei einer Jazzsängerin. Geppert stellte sich die Frau vor: brünett, schlank, hochgewachsen, dunkle Augen und volle Lippen …

„Durch die Weigerung der anderen Weltmächte bleiben diese Anstrengungen jedoch erfolglos und werfen Deutschland wirtschaftlich zurück. Der Austritt Großbritanniens und vieler anderer Länder aus dem europäischen Verbund stellt eine zusätzliche Belastung dar. Die Folgen spüren wir bis heute …“, erzählte die Journalistin. Gepperts Fantasie verpuffte. Die Stimme klang zu seriös und die Worte zu deprimierend.

„Doch der Klimakatastrophe entkommt am Ende niemand. Wüsten wie die Sahara dehnen sich über die Ländergrenzen hinweg unaufhaltsam aus. Die Küsten werden von Flutwellen überrollt, ganze Millionenstädte, wie diese Filmaufnahmen von San Francisco aus den letzten Jahrzehnten zeigen, verschwinden vollkommen im Meer …“

„Kanal Zwei!“, befahl Walter genervt. Der Fernseher ignorierte den Befehl. „Kanal Zwei, du verflixte Schrottkiste.“

Zwecklos, die Spracherkennung reagierte nicht. Er versuchte, das Programm mithilfe der App seiner Smartwatch zu wechseln. Vergeblich. Wo war nur die gute alte Zeit, in der es noch gewöhnliche Fernbedienungen gab?

„In Amerika bricht der Bürgerkrieg aus. Die afrikanische Handelsgemeinschaft verbündet sich mit China. Russlands Übernahme der osteuropäischen Staaten provoziert ein Handelsembargo von Europa. Die ehemals starke und blühende EU droht zudem, mit ihren Küsten zu versinken“, informierte nun eine männliche Stimme.

Der Bildschirm zeigte Europa, wie es früher ausgesehen hatte: Die Küstenregionen nicht überschwemmt und die Landschaft mit Wäldern und Wiesen durchzogen. Die Jahreszeiten waren damals noch stabil und geordnet, ohne stetige Verwüstungen durch Stürme und Flutwellen.

Walter klopfte erneut auf dem Display der Uhr herum, das für seine breiten Finger viel zu klein war. Das Licht im Laden ging aus und an, das Dachfenster öffnete sich surrend. Fluchend unterdrückte er den Drang, das teure Gerät vom Handgelenk zu reißen und es gegen die Wand zu schmettern.

„Die Großstädte der Ballungsgebiete vereinen sich zu riesigen Metropolen. So wie die Ruhrstadt im Ruhrgebiet, die heute unser einziger verbliebener Wirtschaftsmotor ist …“

Er schaltete den Ton aus, wenigstens das funktionierte.

Verbliebener Wirtschaftsmotor, dass ich nicht lache, dachte er missmutig. Arrogante Arschlöcher sitzen da, kriechen vor China im Staub und schieben denen die Kohle in den Arsch, die uns hier fehlt.

Die Ladentür glitt auf. Walter hob den Kopf und runzelte die Stirn. Die Person im Kapuzenshirt wirkte seiner Erfahrung nach zu wenig zielstrebig, um ein echter und vor allem zahlender Kunde zu sein. Er würde den Typen im Auge behalten müssen.

Der junge Mann schritt die Regale ab, die Kapuze über dem Kopf und stets so, dass Walter sein Gesicht nicht erkennen konnte.

Kurze Zeit später öffnete sich die Tür erneut. Was war denn das für ein Taubenschlag heute?

Ein Junge trat ein. Dieser war eindeutig zu klein und schmal, um schon volljährig zu sein. Walter bildete sich ein, das Alter von Teenagern einschätzen zu können. Doch was suchte der in einem Spirituosengeschäft? Ausgerechnet jetzt, wo dieser verdächtige Typ mit Kapuze hier herumgeisterte. Aus dem Augenwinkel warf er einen Blick auf das Gewehr unter dem Tisch. Unterschätzen sollte man die Kids heutzutage nicht. Wenn diese halbe Teppichratte Ärger machte oder gar der andere Typ mit einer Flasche abhauen wollte – er war gewappnet.

Der junge Besucher blieb kurz am Eingang stehen und ging dann auf den Tresen zu, hinter dem Walter saß. Ein braunhaariger Teenager, vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alt. Seine Haltung war aufrecht.

Walter schielte erneut auf die Waffe unter dem Tisch. Der Junge hatte den Ladentisch erreicht.

„Kinder ohne Begleitung eines Erwachsenen haben hier keinen Zutritt“, fuhr Geppert ihn mit barscher Stimme an. „Raus mit dir!“

Wider Erwarten schreckte der Junge vor dem Ton nicht zurück. Er schien ihn gewohnt zu sein.

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Seitenaufrufe: 89 mal Aufgerufen Am 5. August 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Dystopie, Nijmegen, Ruhrstadt, Street-Ravens
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