Die Tränen der Hexen

Die Tränen der Hexen
Preis: 8,99 €
Autor:
Genre: Historisch
Webseite: http://autor-uwe-griessmann.com
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783954751174
Goslar 1499. In einer Mine am Rammelsberg stürzt ein Stollen ein und begräbt viele Bergarbeiter unter sich. Die Wasserträgerin Gerlinde wird beschuldigt, durch Hexerei für den Einsturz verantwortlich zu sein. Sie wird in den Hexenturm gesperrt, und der Dominikanermönch Henricus Institoris wird zur Aufklärung des Falles nach Goslar bestellt. Er kennt sich aus mit Hexen, hat schon vielen den Prozess gemacht und ein Hexengesetzbuch geschrieben, den Hexenhammer, ein sehr begehrtes Buch. Der angesehene Goslarer Buchdruckermeister Wilhelm Wehrstett erhält von Henricus Institoris den Auftrag, den Hexenhammer nachzudrucken. Doch Wehrstett hadert, denn dieses Buch bringt nur Tod und Verderben. Wenn er es aber nicht druckt, muss er dann nicht befürchten, dass Institoris sich an Wehrstetts Frau rächt? In Goslar findet eine regelrechte Hexenjagd statt. Jede gefolterte »Hexe« beschuldigt andere der Teufelsbuhlschaft. Kann Wehrstett diesen Wahnsinn aufhalten, oder wird seine eigene Frau auf dem Scheiterhaufen hingerichtet?
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Weltbild.de kaufen.
Jetzt das Buch bei Thalia.de kaufen.
Jetzt das Buch bei ebook.de kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

Der 15. Tag des Heilagmanoth im Jahr des Herrn 1499, ein Sonntag

Eingerahmt wurde die Kaiserpfalz von mächtigen Gebäuden. Da waren die beiden Wohnstätten der Weltgeistlichen, die Kurie der Ritter zu Herlinberg und die Kurie der Bruderschaft derer von Steinberg. Dann standen dort die Kapellen Sankt Ulrich und die Liebfrauenkapelle der Aula Regia, das Kaiserhaus und der Dom. Der Kaiserbleek, der zentrale Platz zwischen all den Bauwerken, war seit geraumer Zeit schon überfüllt. Die Bürger Goslars wollten die angekündigte Predigt des Dominikaners und Inquisitors Doktor Henricus Institoris hören. Doch sie gelangten nicht in den Dom, der schier aus allen Angeln barst. Es dauerte eine Zeitlang, bis die letzten das begriffen, noch etwas länger, bis sie sich damit abgefunden hatten. Murrend und schimpfend drängten sie von der Pfalz Richtung Marktkirche, nach Sankt Jakobi oder zur Stephanikirche. Irgendwo würden sie schon noch ein Plätzchen finden, wo sie die heilige Messe besuchen konnten. Diejenigen, die es in den Dom geschafft hatten, rangen dicht gedrängt nach Luft. Die vielen ungewaschenen Körper verströmten in der Enge einen intensiven säuerlichen Geruch. Kaum ein Geräusch war zu hören, außer dem monotonen Singsang des Gebets, das gerade gesprochen wurde. Abgetrennt vom gemeinen Volk saßen die Kleriker erhöht im Chorgestühl. Nur der Bischofssitz war leer. Denn Bischof Berthold von Klauenberg stand mit dem Rücken zur Gemeinde vor dem Hauptaltar, mit ausgebreiteten, erhobenen Armen, und betete auf Latein, welches die Sprache für den gesamten Gottesdienst war. Er nuschelte das Glaubensbekenntnis, als sollten auch die Lateinkundigen ihn nicht verstehen.
»Credo in unum Deum,
Patrem omnipotentem,
factorem caeli et terrae,
visibilium omnium et invisibilium.«
Henricus Institoris sah sich um. In dem überfüllten Dom, der Simon und Judas, nicht gerade seinen Lieblingsheiligen, geweiht war, drängten sich die Menschen dicht aneinander, um der Sacra Liturgia, der heiligen Messe beizuwohnen. Er selbst hatte noch keinen Ton gesagt, das Beten überließ er den Priestern. Acht an der Zahl saßen an seiner Seite. Er dachte kurz an die Predigt, die er nach dem Nicänischen Glaubensbekenntnis halten wollte.
»Et in unum Dominum Iesum Christum,
Filium Dei unigenitum,
et ex Patre natum ante omnia saecula.
Deum de Deo, Lumen de Lumine,
Deum verum de Deo vero,
genitum non factum,
consubstantialem Patri;
per quem omnia facta sunt.«
Institoris bereitete sich nicht besonders gründlich vor. Diese Predigt hatte er schon so oft gehalten, dass er sie im Schlaf hätte vortragen können. So entging seinen Augen nichts. Wachsam ließ er den Blick über die Köpfe wandern, um die Heuchler und Ketzer, die Spione Satans ausfindig zu machen.
»Qui propter nos homines
et propter nostram salutem
descendit de caelis.
Et incarnatus est
de Spiritu Sancto ex Maria Virgine,
et homo factus est.«
So betete der Bischof den monotonen Singsang fort. Nur wenige der Kirchenbesucher sprachen mit, noch weniger verstanden, was sie sagten.
Da, diese Frau dort! Die, die neben dem hochgewachsenen Mann mit der Glatze. Die, da war Institoris sich sicher, die hatte den bösen Blick. Sollte er etwa schon die zweite, wenn man die Wamst mitzählte, sogar die dritte Hexe gefunden haben?
»Crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato,
passus et sepultus est,
et resurrexit tertia die,
secundum Scripturas,
et ascendit in caelum,
sedet ad dexteram Patris.

Bewertung: 5.0 von 5 (3 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 67 mal Aufgerufen Am 1. Februar 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: frühe Neuzeit, Goslar, Hexenhammer, Hexenprozesse, Hexenverfolgung, Historisch, Inquisition
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.