Die Seele des Bösen – Stumme Schreie

Die Seele des Bösen – Stumme Schreie
Preis: 3,49 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: www.blog-und-stift.de
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783739356068
Die junge Polizistin Nicky Sheridan bittet FBI-Profilerin Sadie um Mithilfe in einem fast zwanzig Jahre alten Mordfall. Nickys kleiner Bruder Billy wurde als Sechsjähriger auf dem Heimweg von der Schule entführt und Wochen später ermordet und verbrannt aufgefunden. Der Täter konnte nie gefunden werden, weshalb Sadie beschließt, der von Schuldgefühlen geplagten Nicky zu helfen. Gemeinsam fahren sie in Nickys Heimatort am Fuße der südlichen Sierra Nevada und rollen den alten Fall neu auf. Bei ihren Ermittlungen finden sie schnell heraus, daß in der Region über Jahre hinweg immer wieder Menschen getötet und ihre Leichen verbrannt wurden. Nicky und Sadie stoßen auf eine beispiellose Mordserie …
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Bear Valley Springs, Kalifornien, 1998

Beim Anblick ihres Vaters vor dem Schultor wusste Nicky, dass etwas passiert sein musste.

Für einen winzigen Moment blieb sie stehen, atmete tief durch und zog an den Schulterriemen ihres Rucksacks. Sie hielt die Daumen darunter geklemmt, während sie aufrecht und gleichzeitig wahnsinnig nervös auf ihren Vater zuging. Mit vor der Brust verschränkten Armen stand er an seinen Wagen gelehnt da und ging auf Nicky zu, während sie den Schulhof verließ.

„Hallo, Dad“, sagte sie und blickte zu ihm auf. Sie kniff die Augen zusammen, wie sie es sonst nur tat, wenn sie in die Sonne blinzelte. Doch an diesen Tag schien keine Sonne. Es war bewölkt, der Himmel grau in grau.

„Hey, mein Kleines“, sagte er und ging vor ihr in die Hocke, um sie wortlos zu umarmen. Nicky stand wie angewurzelt da, ließ die Arme hängen und starrte über die Schulter ihres Vaters ins Nichts.

„Ist Billy tot?“, fragte sie mechanisch. Die Frage ließ ihren Vater zusammenzucken, weshalb Nicky wusste, dass sie Recht hatte. Jetzt war das passiert, was sie alle seit Wochen befürchteten.

Ihr Vater antwortete nicht. Er ließ sie auch nicht los. Es dauerte einen Augenblick, bis Nicky merkte, dass er weinte. Ausdruckslos starrte sie auf das Schaufenster des kleinen Drugstores gegenüber.

Langsam stand ihr Vater auf und strich ihr über den Kopf. Seine Augen glänzten feucht, eine Tränenspur zog sich über seine Wange.

„Steig ein“, sagte er. „Komm mit nach vorn.“

Nicky tat, was er gesagt hatte, öffnete die Beifahrertür des Chevy Caprice und streifte ihren Rucksack ab. Sie nahm ihn zwischen die Beine, nachdem sie sich gesetzt hatte und weiter auf die Straße starrte. Ihr Vater nahm auf dem Fahrersitz Platz und schlug die Tür zu. Nicky zuckte zusammen.

Sie hatte es gewusst. Schon die ganze Zeit, aber dass ihr Vater nun kam, um sie von der Schule abzuholen, verriet ihr alles. In den vergangenen fünf Wochen hatte er sie jeden Morgen zur Schule gefahren, aber er hatte sie nicht abholen können, weil er da noch arbeitete. Ihre Mutter hatte es nicht getan. So war Nicky jeden Tag nach Hause gelaufen – so wie immer.

Nur, dass Billy jetzt nicht mehr dabei war.

In den letzten Wochen war die Stimmung im Haus wie aus Eis gewesen, die Streits ihrer Eltern immer lauter. Nicky wusste, dass nur ihr Vater ihr nicht die Schuld gab.

Und jetzt war er plötzlich doch hier, stand von der Schule und holte sie ab.

Zwei Mädchen liefen lachend neben dem Caprice vorüber. Nickys Finger krallten sich in ihre Jeans.

„Die Polizei hat angerufen“, brach ihr Vater das Schweigen. Die Pause, die er dann machte, erschien Nicky endlos lang.

„Sie glauben, dass sie Billy gefunden haben.“

Sie glauben? Nickys Kopf flog zur Seite und sie bedachte ihren Vater mit einem Blick, der mehr verständnislos als fragend war.

„Ist er tot?“, stellte Nicky ihre Frage erneut.

„Sie wissen es noch nicht“, sagte Mr. Sheridan ausweichend. „Sie müssen erst noch einige Untersuchungen machen, bevor sie …“

„Dad!“, schrie Nicky und begann zu schluchzen. „Wurde Billy umgebracht?“

Mit Tränen in den Augen erwiderte Nickys Vater den flammenden Blick seiner Tochter und nickte dann. Nicky stieß einen Schrei aus, der ihren Vater zusammenzucken ließ. Sie schrie und weinte und merkte erst gar nicht, wie Mr. Sheridan sich über die Handbremse zu seiner Tochter beugte und sie geradezu unnachgiebig in seine Arme zog. Er drückte den Kopf des zitternden Mädchens an seine Brust, küsste sie aufs Haar und wiegte sie in seinen Armen.

„Jetzt wird Mum mich für immer hassen“, stieß Nicky atemlos und unter Tränen hervor.

„Mum meint das nicht so“, sagte Mr. Sheridan.

„Doch, tut sie! Sie sagt, dass es meine Schuld war und sie hat Recht …“

„Nein, Liebes, das hat sie nicht. Sie meint es nicht so!“

„Doch, natürlich! Und ich habe Billy ja auch allein gelassen. Ich habe ihm gesagt, er soll das letzte Stück allein laufen.“

„Es war nicht weit, das konntest du nicht wissen. Nicky, ich bin so froh, dass du noch da bist.“

Aber der Satz hatte nicht den gewünschten Effekt bei Nicky. Sie hatte ein Gefühl, als reiße ihr jemand das Herz heraus. Vor ihren Augen verschwamm alles, sie empfand nur noch Schmerz.

„Ich bin bei dir, mein Liebes“, sagte Mr. Sheridan und ließ Nicky langsam wieder los. Zitternd wischte sie sich die Tränen ab.

„Wie wurde er umgebracht?“, fragte sie.

Bestürzt sah ihr Vater sie an. „Das wissen sie nicht.“

„Warum nicht?“, erwiderte Nicky verständnislos.

„Das können sie jetzt nicht mehr sagen.“

„Aber es sind doch bestimmt nicht nur die Kochen übrig.“

„Ja, sicher …“ Mr. Sheridan sah ein, dass er Nickys Fragen nicht entkommen konnte. „Man hat ihn verbrannt. Deshalb ist es auch so schwer, festzustellen, ob er es ist.“

Sie nickte gefasst. Das war doch immerhin eine Erklärung, mit der sie etwas anfangen konnte.

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Seitenaufrufe: 27 mal Aufgerufen Am 15. September 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Cold Case, FBI, Profiler, Profiling, Sadismus, Serienmord, Spannung, USA
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